KitePride: Hilfe für Opfer von Zwangsprostitution und Menschenhandel

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Tel Aviv in der Nacht. Foto @gebhartyler / Unsplash.com
Tel Aviv in der Nacht. Foto @gebhartyler / Unsplash.com
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Prostitution ist in Israel verboten. Gleichwohl gibt es auch dort einen organisierten Schwarzmarkt. Menschen, die jeden Tag als Sexsklaven feilgeboten und missbraucht werden. Um diesen zu helfen, haben die in Tel Aviv lebenden Schweizer Tabea und Matthias Oppliger vor einigen Jahren das Sozialunternehmen «KitePride» ins Leben gerufen.

Die Oppligers sind überzeugt: Zwangsprostituierte brauchen kein Mitleid, sondern einen Job. Sie müssen von ihren Ausbeutern finanziell unabhängig werden, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Deswegen schaffen sie mit «KitePride» Arbeitsplätze. Aus gut erhaltenen, gebrauchten Materialien wie Kitesurf-Segeln, Yachtsegeln, Fallschirmen oder Neoprenanzügen entwickelt das Sozialunternehmen trendige Taschen und Rucksäcke. 33 Frauen wurden seit Beginn der Taschen- und Rucksackproduktion aus der Sexsklaverei geholt und haben heute einen sicheren Arbeitsplatz.

Inzwischen arbeiten die Oppligers mit der Israelischen Regierung und mit dem Israelischen Verein «Hope Center» zusammen. Gemeinsam entwickeln sie auf nationaler Ebene ein 24-monatiges Programm, das Menschen dabei hilft, die Sexindustrie zu verlassen. Dazu erklärt Mit-Gründer Matthias Oppliger: «In den kommenden 3 Jahren wollen wir weitere 100 Opfer ausbilden, ihnen bei der Jobplatzierung helfen und sie begleiten. 49% der Kosten wird der Staat Israel übernehmen, 51% werden wir mit unserem Verein, mit unserem Partner und mit Spenden finanzieren.»

So kurz nach Weihnachten darf man sich wünschen, dass diesem Projekt Erfolg beschieden ist. Man darf sich wünschen, dass es in vielen Ländern solche Initiativen und Menschen geben möge, die sich einsetzen. Menschen, die mit Unternehmergeist, Kreativität und Arbeit versuchen, einen Unterschied zu machen. Einen Unterschied im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Missbrauch, sei es in der Sexindustrie, sei es sonstwo in der Gesellschaft. Das wäre Idealismus im besten Sinn. Oder mit den Worten des Deutschen Lyrikers Novalis (1772-1801): «Idealist sein bedeutet, Kraft haben für andere.»

Giuseppe Gracia (54) ist Schriftsteller, Publizist und Kommunikationsberater. Sein neuer Roman „Glorias Finale“ ist erschienen bei Nagel & Kimche, Zürich

1 KOMMENTAR

  1. Die Sex-Industrie ist so gezeichnet wie getrieben v Bildungsarmut und Verzweiflung.

    Klar – es gibt Frauen,
    die lieber eine Nacht für 50 Euro die Stunde arbeiten als 5 Tage die Woche
    für 5 Euro die Stunde an der Kasse zu sitzen,
    aber diese wenigen Frauen prägen eben NICHT das Bild der Sex-Industrie,
    die ganz überwiegend entrechtete Menschen ausbeutet.

    Auch erwähnt werden sollten Heere von jungen Studentinnen,
    die in allen Ländern, aus armen Familien stammend,
    sich in ihrem Studium nicht davon abhängen lassen wollen,
    dass sie zeitaufwändig in Vollschicht ihr Studium mit Hilfsarbeiten
    finanzieren müssen.

    Last but not least die Heere von Versorgungsprostituierten,
    die zwar einen Ring am Finger vorweisen können,
    diesen aber lediglich als Entschuldigung für die bittere Abhängigkeit
    präsentieren können,
    die ihnen berufliche Ausweglosigkeit, Bildungsarmut und Kinderkriegen
    aufgedrängt haben.

    Ein generelles Verbot v Prostitution ist sehr zu befürworten,
    damit in der Bilanz die zwei Formen von Prostitution verbleiben werden,
    die bisher KEINE Gesellschaft je ausmerzen konnte:
    die Prostitution als freie Berufswahl
    und
    die Prostitution auf Basis schwerkrimineller Handlungen,
    die sich eh an KEINE Gesetze halten wird und ewig bekämpft werden muss.

    Insofern hat Israel also in puncto Gesetzgebung zunächst alles richtig gemacht
    – nun werden solche gesetzlichen Maßnahmen durch private Initiativen unterstützt,
    was sehr lobenswert ist.

    Als wesentliche staatliche Aufgabe sehe ich es an,
    den Einstieg in die Prostitution zu verhindern:
    hier ist der Staat gefordert mit Maßnahmen,
    die verhindern,
    dass sehr junge Menschen – ab dem 1. Schuljahr –
    bildungsmäßig abgehängt werden
    – gleiche Chancen für ALLE!

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