Darmkrebsvorsorge mit israelischem Toilettensensor

Lesezeit: 4 Minuten

Darmkrebs wächst langsam und kann geheilt werden, wenn er früh erkannt wird. Dennoch sterben jedes Jahr weltweit fast 700.000 Menschen als Folge einer Erkrankung, vor allem, weil viele die unangenehme Vorsorge-Koloskopie scheuen.

Bald soll ein Früherkennungsgerät auf den Markt kommen, dass die Entnahme einer Stuhlprobe ersetzt; man muss nichts weiter tun, als auf der Toilette zu sitzen.

Der OutSense IoT-Sensor (Internet of Things) wird an der Toilette befestigt und arbeitet automatisch, nicht-invasiv, diskret und ohne aktives Eingreifen des Benutzers.

Mit Hilfe von multispektralen optischen Sensoren, einem Beleuchtungsmodul und einer autonomen Steuerung mit einem Wi-Fi-Empfänger scannt er die festen Ausscheidungen auf selbst winzige Blutspuren – ein mögliches Anzeichen für eine Erkrankung, die durch den laborbasierten fäkal-immunologischen Test (FIT) übersehen werden kann.

Der Sensor „weiss“, wer auf der Toilette sitzt, basierend auf dem nächstgelegenen Smartphone, sowie aufgrund anderer Mittel zur Identifizierung des Benutzers.

Die Echtzeit-Analyse erfolgt in der Cloud mit Hilfe von OutSense proprietären Computer-Vision-Algorithmen und KI Technologie. Eine Benachrichtigung über abnorme Ergebnisse wird sofort an das Smartphone des Anwenders oder Betreuers gesendet – es ist nicht nötig, eine Probe ins Labor zu bringen oder auf Ergebnisse zu warten.

„Unsere Technologie ermöglicht es Anwendern und Patienten, ihre Ausscheidungen automatisch scannen zu lassen und sofort umsetzbare Erkenntnisse auf Basis der zugrunde liegenden chemischen und physikalischen Zusammensetzung zu erhalten“, sagt Yfat Scialom, CEO von OutSense.

„Die Lösung bietet neue Möglichkeiten für die Früherkennung potenziell schwerwiegender Darmprobleme, wie z. B. Darmkrebs, und für die Verbesserung der Gesundheit und der Qualität der Krankenpflege.“

Erkennt Dehydrierung und mehr

Die firmeneigene Technologie von OutSense erkennt nicht nur eine mögliche Darmkrebserkrankung.

Der Sensor kann auch Dehydrierung, Harnwegsinfektionen, Verstopfung und Durchfall erkennen – alles wichtige Ursachen für eine Verschlechterung des Gesundheitszustands und Krankenhausaufenthalte bei älteren Menschen.

In Japan ist bereits ein Pilotprojekt zur Erkennung von Dehydrierung und Harnwegsinfektionen bei älteren Menschen geplant, in Zusammenarbeit mit einem milliardenschweren japanischen Unternehmen, das sich auf Technologien zur Fernbetreuung älterer Menschen spezialisiert hat.

„Neben den medizinischen Auswirkungen bietet diese Lösung den Menschen auch neue Möglichkeiten, ihr Wohlbefinden zu steigern, die Einhaltung von Medikamenten zu verbessern und Diäten sowie persönliche Ernährungsbedürfnisse zu überwachen“, sagt Ishay Attar, Gründer von OutSense.

Klinische Studien vor dem Antrag an die US-Arzneimittelbehörde FDA

OutSense wurde 2016 von Attar, einem israelischen Biomedizintechniker und Unternehmer im Bereich Medizintechnik, gegründet und startete mit Unterstützung durch das Unternehmen Incentive Incubator, der von Peregrine Ventures in Zusammenarbeit mit der Israel Innovation Authority betrieben wird.

Erste präklinische und klinische Studien, die durch ein 2,5-Millionen-Dollar-Seed-Investment ermöglicht wurden, bewiesen, dass OutSense mit 90-prozentiger Genauigkeit Blutspuren im Stuhl nachweisen kann.

Im November erhielt das Start-up in einer Serie-A-Runde von Peregrine Ventures weitere 2,2 Millionen Dollar, um die Entwicklung und Tests abzuschliessen.

Die Entwicklung von OutSense befindet sich nun in der Abschlussphase und Tests in Israel und im Ausland werden ausgeweitet, um im nächsten Jahr den Zulassungsprozess bei der FDA und anderen Behörden einzuleiten.

OutSense ist auf der Suche nach weiteren strategischen Partnern und plant eine weitere Fundraising-Runde im nächsten Jahr, die es dem Unternehmen ermöglichen wird, mit der Vermarktung zu beginnen“, sagt Scialom.

Gegenüber der Nachrichtenagentur ISRAEL21c erklärt Scialom, dass zukünftige Nutzer „eine relativ niedrige einmalige Hardware-Gebühr plus Abo-Gebühren zahlen werden. Diese Abonnementgebühr ist sinnvoll, da die gesamte Analyse in einem Labor in der Cloud durchgeführt wird. Die Daten, die in der Cloud gesammelt werden, ermöglichen es uns, personalisiertes Feedback zu geben.“

Der Clip-on Sensor funktioniert mit Batterien, könnte aber in Zukunft bereits bei der Herstellung in den Toilettensitz oder die Schale integriert werden.

Exkremente-Datenbank

OutSense will ausserdem die nach eigenen Angaben weltweit erste und grösste Datenbank für menschliche Abfälle erstellen.

„Das ist besonders wichtig bei Darmkrebs und anderen Krankheiten, die oft nicht diagnostiziert werden“, sagt Scialom, die im Februar von der Patientenüberwachungsfirma EarlySense an Bord kam.

Letztlich könnte die Technologie eingesetzt werden, um den Ausbruch einer Epidemie wie Covid-19 zu erkennen, aber auch für personalisierte Pflege, Biofeedback, Feinabstimmung der Medikamentendosierung und sogar für personalisierte Ernährung zur Gewichtskontrolle.

Zum OutSense-Team gehören Experten wie Tali Treibitz, Leiter Unternehmensentwicklung des Marine Imaging Lab an der Universität Haifa, und Leiter Technischer Direktor Yaara Kaap Barnea, die in Biologie promoviert hat und auf biometrische Überwachung spezialisiert ist.

OutSense wurde in das Intel Ingenuity Partnerprogramm aufgenommen, erhielt ein Horizon 2020-Stipendium und gewann den zweiten Platz beim Wettbewerb 2018 China Heyuan International Mobile Innovation and Entrepreneurship Competition. Das Startup erhielt ausserdem 2017 den ersten Preis der California Israel Chamber of Commerce.

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