Der Holocaust Zeitzeuge Ladislaus Löb erzählt im digitalen Buch über seine Rettung

Lesezeit: 3 Minuten

Zum Gedenken an eine spektakuläre Rettungsaktion 1944, von 1700 ungarischen Juden in die Schweiz, integriert der «Verein für zeitgemässes Lernen» im digitalen Buch «Schweizer Jugend im Zweiten Weltkrieg» das Video des Holocaust Zeitzeugen Ladislaus Löb zusammen mit Unterrichtmaterialien für die Sekundarstufe I und II (www.ch-jugend2wk.ch).

In der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember 1944 kam Ladislaus Löb als zwölf Jähriger mit seinem Vater und weiteren ungarischen Juden aus Bergen-Belsen in einer spektakulären Rettungsaktion nach St. Gallen. Der ungarische Jurist und Journalist Reszö Kasztner kaufte als Verhandlungsführer eines jüdisch-zionistischen Hilfs- und Rettungskomitees, die 1700 Juden für eine Kopfgeldsumme von etwa 1000 Dollar aus den Fängen des deutschen Terrorapparats frei.

Nach einigen Wirren bezüglich des Aufenthaltes absolvierte Ladislaus das Realgymnasium in Zürich und studierte Anglistik als Hauptfach und Germanistik im Nebenfach. Später promovierte er und arbeitet an der «University of Sussex» in unterschiedlichen Funktionen, zuletzt als Professor. Nach seiner Pensionierung hielt Ladislaus Löb regelmässig Vorträge über den Holocaust.

Als einer der letzten Holocaust Zeitzeugen, erzählt er seine Lebensgeschichte auf Video neu im digitalen Buch «Schweizer Jugend im Zweiten Weltkrieg» Schweiz 1944, Kapitel 20, Leben als Flüchtling, https://ch-jugend2wk.ch/#Ladislaus_Loeb_DE ).

Durch das interaktive digitale Buch «Schweizer Jugend im Zweiten Weltkrieg» wird Geschichte für Schule und Gesellschaft neu erlebbar gemacht. In Videoportraits vermitteln Zeitzeugen der damaligen Jugend Impressionen aus ihrer Zeit. Die Protagonisten aus allen vier Sprachregionen erzählen von ihren Erlebnissen in Familie und Schule während des Zweiten Weltkrieges. Das Videomaterial in Form von «Oral History» wird mit kurzen geschichtlichen Textbausteinen sowie Archiv Bild- und Tonmaterial (Cinémathèque Suisse, Schweizer Film Wochenschau, SRF MySchool, etc.) ergänzt und kann nach Kapiteln und Themen individuell durchgearbeitet werden. Dieser Ansatz führt zu einem nachhaltigeren Lernen.

Ladislaus Löb im Dezember 1944 nach seiner Ankunft in der Schweiz aus Bergen-Belsen. Er war zu diesem Zeitpunkt 11 Jahre alt. Foto Ladislaus Löb – Privates Bild, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18568965

Die Nutzung des digitalen Buches «Schweizer Jugend im Zweiten Weltkrieg» ist einfach und selbsterklärend. Für die Lehrpersonen stehen Beispiele von möglichen Lektionen mit zusätzlichen Arbeitsblättern inklusive Lösungen zur Verfügung. Punktuell sind Links zu den aktuellen Geschichtsbüchern oder zu Ideen von SRF MySchool vorhanden. Dies erspart den Lehrpersonen aufwändiges Vorbereiten.

Idee und Konzept zum digitalen Buch entwickelte die Zürcher Sekundarlehrerin Erika Bigler aus Affoltern am Albis in Zusammenarbeit mit der Firma Bigmedia. Bereits im Januar 2018 konnte das Projekt bei der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) und der Pädagogischen Hochschule Lausanne (hep) anlässlich der International Study Days als Prototyp vor einem breiten Fachpublikum präsentiert werden. Im Mai 2020 lancierte der Verein für zeitgemässes Lernen kostenfrei das digitale Buch «Schweizer Jugend im Zweiten Weltkrieg» zum Anlass von «75 Jahre Kriegsende» für die Sekundarstufe I und II.

In den nächsten Monaten werden weitere Videos von Holocaust Zeitzeugen, die während des Zweiten Weltkrieges in die Schweiz flüchteten, in das digitale Buch integriert werden. Die Erweiterung wurde durch die Zusammenarbeit mit der Gamaraal Foundation möglich. Die Stiftung engagiert sich neben der Unterstützung der Überlebenden auch in der Holocaust Education, damit die Lebensgeschichten der Zeitzeugen der Nachwelt erhalten bleiben.

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