Antisemitische Verschwörungsliteratur im Buchhandel: David Icke

Lesezeit: 4 Minuten

Das Spektrum der rechtsesoterischen Verschwörungsmythen ist mindestens genauso gross, wie die Vielfalt ihrer Vertreter. Insbesondere im literarischen Bereich stösst man immer wieder auf Werke, bei denen antisemitische und antizionistische Verschwörungsmuster Hochkonjunktur haben und so offensichtlich Judenhass befördern, dass man sich fragen muss, wer derartige Bücher eigentlich verlegt, verkauft und teilweise sogar als Fachbuch kategorisiert.

In einem früheren Beitrag berichtetet ich bereits über ein Beispiel der rechtsesoterischen Verschwörungsmythen, Tilman Knechtl und sein Buch Die Rothschilds: Eine Familie beherrscht die Welt.Wer nun der Annahme erliegt, dass Knechtl lediglich der Vertreter einer nicht weiter ernstzunehmenden Minderheit wäre, der sei dazu eingeladen einen Blick auf einen durchaus bekannten britischen Vertreter der Verschwörungsszene zu werfen.

Dabei entspricht David Vaughan Icke (geb. 1952 in Leicester) nicht unbedingt dem oftmals propagierten Prototypen des gescheiterten Menschen, der die Erklärung für sein Unglück in Verschwörungsmythen sucht. Betrachtet man sich seine Vita einmal genauer, so ist eher das Gegenteil der Fall, da David Icke nicht nur Fussballprofi, sondern auch BBC-Reporter und Sprecher der britischen Grünen war. Nachdem er sich jedoch wegen seiner Arthritis in die Hände eines Heilpraktikers begab, verkündete er vor laufender Kamera, dass er der Sohn Gottes sei. Seitdem glänzt Icke nur noch durch seine zahlreichen Verschwörungsmythen, die von Anunnaki-Echsen (zu denen beispielsweise Queen Elizabeth, George Bush und Barak Obama gehören), babylonischen Bruderschaft und Illuminaten bis hin zu den Rothschilds rangieren.

Ein Twitter Beitrag von Icke in dem er das Coronavirus mit der 5G-Technologie in Verbindung bringt. Foto Screenshot Twitter

In seiner Vorstellung beherrschen dunkle Mächte die Welt und jegliche Ereignisse, wie etwa der Anschlag auf das World Trade Center, stehen miteinander im Zusammenhang. Immer wieder betont er dabei die Verschwörung der geheimen Ränge der Zionisten und spielt in seinen Ausführungen mit uralten antisemitischen Stereotypen.

Antisemitische Stereotypen. Foto Screenshot Youtube

Dies ist insbesondere in Hinblick auf die weltweit steigenden Zahlen an antisemitischen Vorfällen und Einstellungen gefährlich. Icke befeuert durch seine zahlreichen Bücher genau jene surrealen Ängste und verstärkt sie durch die Verstrickung mit anderen bösen Mächten, die die Menschheit ausrotten wollen. Aufgrund seiner zahlreichen kruden Theorien und Statements wurde er jüngst, wegen seiner Verschwörungsmythen in Bezug auf das Corona Virus, auf Facebook, YouTube und Twitter gesperrt.

Weltbild entfernt „Werk“ von David Icke umgehend

Angesichts all dieser Tatsachen ist es doch mehr als verwunderlich, dass die grösste stationäre Buchhandelskette und auch der grösste Internet-Buchhändler der Schweiz, die Orell Füssli Thalia AG und auch die Ex Libris AG, derartige Bücher zum Verkauf anbieten. Auf Anfrage bei beiden Firmen, sowie bei Amazon, Weltbild und Thalia Deutschland, antwortete die Firma Weltbild, ein Verlags-, Versand- und Buchhandels­unternehmen mit Sitz in Augsburg und Filialen in Deutschland und der Schweiz und erklärte kurz und bündig:

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Das „Werk“ von David Icke wurde aus unserem Sortiment entfernt.

Nicht alle Reaktionen waren leider so vorbildlich. Die deutsche Thalia Bücher GmbH in Münster teilte mit: 

„Thalia steht für Meinungsfreiheit und inhaltliche Vielfalt. Wir nehmen daher keine Zensur vor oder schliessen Bücher aufgrund ihrer Inhalte aus unserem Sortiment aus, solange sie nicht auf dem Index für Kinder- und Jugendgefährdete Medien stehen. Dafür sind Bundesprüfstellen verantwortlich. Als Buchhändler verstehen wir es als unsere Aufgabe, unseren Kunden ein breites Angebot zu machen und ihnen dadurch die Möglichkeit zu bieten, sich umfassend zu einem Thema zu informieren.

Wir verstehen es nicht als unsere Aufgabe, für unsere Kunden zu entscheiden, welche Bücher gelesen werden dürfen. Natürlich sind wir uns darüber bewusst, dass manche Publikationen aufgrund ihrer Inhalte sehr umstritten sind. Umso mehr möchten wir an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass wir als Unternehmen nicht jedes Buch inhaltlich befürworten, weil es bei uns erhältlich ist.“

Ähnlich lavierend die Antwort von Orell Füssli Thalia AG in der Schweiz:

Wir sind uns darüber bewusst, dass bestimmte Bücher aufgrund ihres Inhalts sehr umstritten sind. Wir nehmen jedoch keine Zensur vor oder schliessen Bücher aufgrund ihrer Inhalte aus unserem Sortiment aus. Ausgenommen sind natürlich durch Gerichte verbotene Bücher und Medien, die wegen rassistischer, menschenverachtender oder gewaltverherrlichender Inhalte auf dem Index der deutschen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften geführt sind.
 
Die Orell Füssli Thalia AG leistet mit ihrem breiten Sortiment auch einen Beitrag zur kulturellen und inhaltlichen Vielfalt, sowie zur Meinungs- und Informationsfreiheit. Das wollen wir auch in Zukunft mit aller Sorgfalt tun. Daher ist bei uns generell jedes lieferbare Buch – sofern legal – erhältlich. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir als Unternehmen und Händler jedes erhältliche Buch inhaltlich befürworten.

Diese Antworten sind durchaus geschickt formuliert, da Meinungsfreiheit in einer Demokratie ein hohes und dementsprechend schützenswertes Gut darstellt. Sie endet jedoch da, wo Antisemitismus, ein uralter Verschwörungsmythos, der seit Jahrhunderten Juden das Leben kostet, anfängt und auch das Leugnen der Shoah sollte keineswegs durch die freie Meinungsäusserung gedeckt sein.

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