Beersheva will zum Weltzentrum der Wüstentechnologie werden

Lesezeit: 4 Minuten

Die israelische Negev-Wüste zieht seit langem Wissenschaftler, Umweltschützer und Solarenergie-Enthusiasten an, die das israelische Know-how im Kampf gegen die Ausbreitung von Wüsten nutzen.

von Brian Blum, ISRAEL21c

Die neue Initiative, DeserTech, zielt darauf ab, diese Forschung in eine aktive Netzwerkgemeinschaft umzuwandeln.

DeserTech möchte Unternehmer, Investoren, Akademiker, Studenten und Regierungseinrichtungen in der Stadt Beersheva an der nördlichen Grenze der Negevwüste zusammenbringen.

Beersheva verfügt über das weltweit einzige Innovationszentrum für Klimawandel , welches sich auf Wüstentechnologie spezialisiert hat.

Innovationsgebiete wie dieses sollen die Entwicklung von einem nur mit dem Auto erreichbaren Vorstadtgebiet in eine verkehrsgünstige städtische Umgebung in der Nähe von Clustern von Unternehmen, Organisationen und gemischt genutzten Wohnungen sowie Einzelhandel verlagern.

In einem Umkreis von etwas mehr als einem Kilometer gibt es in Beersheva einen High-Tech-Park, eine Universität, ein Krankenhaus und einen Bahnhof.

„Das Büro des Premierministers erkannte, dass sich hier eine riesige Chance bietet, ein Zentrum für Start-ups zu schaffen“, sagt Doron Meller, Vizepräsident des Israel Innovation Institute (nicht zu verwechseln mit der von der Regierung unterstützten Israel Innovation Authority) gegenüber der Nachrichtenagentur ISRAEL21c.

Mellers Organisation hat sich mit der David and Laura Merage Foundation zusammengetan, um dem aufstrebenden Innovationsgebiet von Beersheva dabei zu helfen, einen besonderen Schwerpunkt auf Technologien zu legen, mit denen die Auswirkungen des Klimawandels und der zunehmenden Dürre auf die Weltwirtschaft bewältigt werden können.

Nicole Hod Stroh, Exekutivdirektorin der Merage Foundation in Israel, weist darauf hin, dass Israel seit der Gründung des Staates daran gearbeitet hat, Möglichkeiten zur Innovation in einem trockenen Klima zu entwickeln.

Der israelische Pionier Netafim, gegründet 1965, ist weltweit führend in der Tröpfchenbewässerung. Seit Mitte 2000 hat Israel Jahre dürrebedingter Wasserknappheit durch den Bau hochmoderner Meerwasserentsalzungsanlagen bewältigt. Das Land bezieht heute 55% seines Haushaltswassers aus Entsalzungsanlagen und könnte, wie Seth Siegel in Let There Be Water betont, ein Wasserexporteur werden.

Was jedoch bisher fehlte, ist eine formelle Gemeinschaft, in der sich alle miteinander vernetzen, Wissen austauschen, neue Ideen fördern und die neuesten Produkte über Konferenzen, Bootcamps, Facebook-Gruppen und wöchentliche Treffen – ob persönlich oder virtuell – anbieten können.

Weltzentrum für Wüstentechnologie

„Wir wollen die Negev als Weltzentrum für wüstentechnologische Lösungen positionieren“, sagt Meller.

Das Israel Innovation Institute ist ein idealer Partner, um den Aufbau einer solchen Community zu unterstützen. Die 2011 gegründete Nichtregierungsorganisation betreibt bereits Gemeinschaften wie HealthIL (Bereich Medizin, mit 7.500 Mitgliedern), GrowingIL (Bereich Landwirtschaft, mit 3.500 Mitgliedern) und EcoMotion (eine Mobilitätsgemeinschaft mit 12.000 Mitgliedern).

Zu den weiteren Merage-Programmen in der Region gehören das Zweirad-Zentrum Yeruham, die Website Negev Jobs und das Merage Medical Center in Dimona. Laut Frau Hod Stroh verfügt Merage über ein Budget von 3 Millionen Dollar für alle seine Programme in Israel.

DeserTech startete zum Jahresbeginn mit einem Wettbewerb für Start-ups, die sich mit der „Entwicklung von Lösungen für nachhaltiges Leben und Umwelt in der Wüste“ befassen.

Im Laufe dieses Jahres werden vier mit 25.000 NIS (7.400 USD) dotierte Preise (die Einreichungsfrist dauerte bis Ende Oktober) in den Bereichen Wasser, Wüstenlandwirtschaft, Energie und Infrastruktur vergeben. Fünfunddreissig Startups haben sich beworben.

Die Gewinner werden die Möglichkeit haben, mit folgenden führenden Unternehmen in jedem Bereich zusammenzuarbeiten – Mekorot (Israels nationale Wasserversorgung), das nationale Verkehrsinfrastrukturunternehmen Netivei Israel, der internationale Energieversorger ENEL und Netafim.

Rothschild-Boulevard des Südens

Die DeserTech-Gemeinschaft wird die Ben-Gurion Universität, das Soroka Medical Center, den Jewish National Fund und die Gemeinde Beersheva umfassen. Es wird erwartet, dass auch das Ministerium für Umweltschutz und das Start-Up Unternehmen Nation Central beitreten werden.

Das Herzstück der DeserTech-Gemeinschaft ist der Innovationsbezirk Beersheva – 650 Hektar einschliesslich des Gav Yam Negev Advanced Technologies Park, des Israel National Cyber Directorate und der geplanten Unterkunft für die nach Beersheva umziehenden Abteilungen der israelischen Verteidigungskräfte. Ein Zug verbindet den Distrikt in 90 Minuten direkt mit Tel Aviv.

Im Einklang mit anderen Innovationsbezirken, wie der Industriezone im renovierten Poblenou in Barcelona, sind die nahe gelegenen Stadtteile Gimmel und Daled in Beersheva für die städtische Erneuerung vorgesehen. Der Ben-Gurion-Boulevard, der sich über die gesamte Länge des Viertels erstreckt, wird zu einer Straße voller städtischem Leben nach dem Vorbild von Tel Avivs berühmtem Rothschild-Boulevard werden.

Das Ministerium für Bau und Wohnungswesen hat bereits in die ersten Planungen für das Projekt investiert.

Verbindungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten?

Werden die Mitglieder der DeserTech-Gemeinschaft mit der Unterzeichnung des Abraham Abkommens im Sommer Brücken zu den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain bauen?

„Das Interesse ist gross, es ist sehr realistisch“, sagt Hod Stroh gegenüber ISRAEL21c, mit „konkreten Hinweisen von Menschen, die nach Möglichkeiten Ausschau halten, wie sie investieren können.“

„Wir wollen sicherstellen, dass dies eine wirklich bilaterale Gelegenheit in dem Sinne ist, dass die VAE und Bahrain von israelischer Technologie profitieren können und Israel von Technologie und Lösungen aus der Golfregion profitieren kann.“

Meller war diesbezüglich zurückhaltender: „Wir sehen aktuell, wie Israelis in Abu Dhabi Inspiration und Eindrücke sammeln, aber es wird noch einige Zeit dauern. Wir kennen diesen Markt noch nicht so gut.“

Zeit ist, wie Regen in einem Wüstenklima, ein kostbares Gut. Wenn die Welt immer trockener wird, bieten die Schattenseiten der Wüstenbildung vielleicht endlich das Vehikel, um kommerzielle Vorteile zu schaffen – direkt aus dem Herzen Beerschevas.

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