Vor 5 Jahren: Das Blutbad von Paris

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Nach den Anschlägen von Paris kamen die ganze Nacht hindurch viele Menschen, um auf der Place de la Republique, der Rue Bichat oder dem Faubourg du Temple Kerzen anzuzünden, Schriftstücke oder Blumen zu platzieren. Paris 16. Novemeber 2015. Foto imago images / Le Pictorium
Nach den Anschlägen von Paris kamen die ganze Nacht hindurch viele Menschen, um auf der Place de la Republique, der Rue Bichat oder dem Faubourg du Temple Kerzen anzuzünden, Schriftstücke oder Blumen zu platzieren. Paris 16. Novemeber 2015. Foto imago images / Le Pictorium
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Freitag, der 13. November 2015. Heute vor fünf Jahren. Fünf Jahre seit den Bluttaten von Paris. Fünf Jahre, seit muslimische Selbstmordattentäter gezielt und koordiniert dort zuschlugen, wo junge Frauen und Männer in unseren Städten das Leben geniessen. Die Mörder warfen Handgranaten, zündeten Sprengsätze und feuerten mit Maschinenpistolen auf die Menschen in einer Bar, in einem Restaurant, in einer Konzerthalle und im Fussballstadion.

Zu den Anschlagszielen gehörte das «Bataclan»-Theater, in dem gerade ein Rockkonzert stattfand. Allein dort wurden 89 Menschen ermordet, und dies war kein Zufall. Das seit 1865 bestehende Veranstaltungslokal am Boulevard Voltaire wurde von jüdischen Eigentümern geführt. Es war also ein antisemitischer Anschlag, so, wie der Judenhass seit jeher zum Terror aus dem Islam gehört.

Dennoch thematisierten im Nachgang der Anschläge die wenigsten Medien den antisemitischen und antiisraelischen Hintergrund der Anschläge. Dies ist bis heute so geblieben. Wer an das Blutbad von Paris denkt und die Medienberichte dazu studiert, liest viel über «Extremismus», «Terror» oder «Islamismus», aber nur wenig über das Verhältnis des Islam zu den Juden, zu Christen oder zu freien, emanzipierten Frauen. Dass Judenhass und Antiisraelismus zum islamischen Terror gehören, das bleibt meist im Hintergrund. In den Medien wird der jüdische Staat fast immer ausgespart, wenn Übersichtskarten veröffentlicht werden, auf denen Orte von Anschlägen verzeichnet sind. «Frankreich und Israel teilen dieselben Werte der Freiheit und sind entschlossen, zusammenzuarbeiten, um den Jihadisten-Terror zu bekämpfen», sagte damals der israelische Verteidigungsminister Moshe Yaalon. Es war ein einsamer Versuch, angesichts der Bedrohung durch eine antijüdische, antichristliche Ideologie auf die gemeinsamen, jüdisch-christlichen Werte hinzuweisen.

Bis heute – nach den Anschlägen von Nizza und Wien – reduzieren viele Leitmedien die Gewalt aus dem Islam nach wie vor auf „Terrorismus“ und „Extremismus“. Ganz so, als stecke dahinter kein gedankliches System, keine konkrete Weltanschauung, die man verstehen und beschreiben müsste, um die Menschen aufzuklären und Lösungen zu diskutieren. Grosse Zeitungen oder Fernsehsender diskutieren die Themen Sicherheit und Prävention, einmal mehr, während der religiös-weltanschauliche Hintergrund der Angriffe Tabu bleibt. Zum Schutz der friedlichen Muslime in Europa führt man keine Debatte über das grundsätzliche Verhältnis Mohammeds oder des Korans zur Gewalt. Man fragt nicht nach der Theologie oder der Wirkungsgeschichte von Mohammed, um daraus Rückschlüsse zu ziehen. Obwohl sich in einer offenen Gesellschaft jede Religion die Gewaltfrage immer wieder stellen (lassen) muss.

Ebenso fatal ist, dass man die Zunahme des Antisemitismus in Europa, die Zunahme des Antizionismus, in keinen Zusammenhang bringen will mit der Migration aus islamisch geprägten Ländern. Als gäbe es nicht seit jeher eine Verbindung zwischen Islam und Antisemitismus. Als wäre es nicht im Interesse aller westlichen Länder, die Gewalt aus dem Islam endlich als das zu sehen, was sie ist: eine Kriegserklärung an die jüdisch-christlichen Wurzeln des Abendlandes.

Der Hass auf Juden ist letztlich der Hass auf Christen und, am Ende, der Hass auf uns alle. Auf die Freiheitsgeschichte des Westens. Das Blutbad von Paris ist dafür ein Mahnmal. Zumindest sollte es eines sein. Wenn wir einmal den Mut haben, die Dinge beim Namen zu nennen.

Über Giuseppe Gracia

Giuseppe Gracia (52) ist Schriftsteller und Medienbeauftragter des Bistums Chur. Sein neuer Roman «Der letzte Feind» ist erschienen im Fontis Verlag, Basel.

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