Türkische Banken als Instrumente der Terrorismus-Finanzierung?

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, rechts, mit dem Chef der Hamas-Bewegung, Ismail Haniyeh, vor ihrem Treffen in Istanbul am 1. Februar 2020. Foto Pressedienst des Präsidenten / Presidency Of The Republic Of Turkey.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, rechts, mit dem Chef der Hamas-Bewegung, Ismail Haniyeh, vor ihrem Treffen in Istanbul am 1. Februar 2020. Foto Pressedienst des Präsidenten / Presidency Of The Republic Of Turkey.
Lesezeit: 7 Minuten

Die Türkei benutzt ein riesiges Netzwerk aus Banken und Firmen weltweit, um die Finanzierung von den Terrororganisationen Hamas und Islamischen Staat zu unterstützten. Die Zentrale der Hamas-Finanzierung liegt sogar in der Türkei. 

Im Oktober dieses Jahres fiel ein US-Bezirksgericht New Yorks das Urteil, dass die Kuveyt Turk Bank zur Finanzierung der Terrororganisation Hamas, die Israel auslöschen will, beigetragen hat. Die Bank Kuveyt Türk habe „wissentlich mehrere Bankkonten für einen Hamas-Agenten geführt“. Laut dem Gericht habe diese Bank „die Rolle des Agenten bei der Unterstützung der illegalen und gewalttätigen Aktivitäten der Hamas vollständig verstanden.“

Hunderttausende Eurodollars für die Hamas

Hintergrund ist eine Klage der Familie Henkin im Jahr 2019. Das Ehepaar Henkin wurde 2015 Opfer eines Terroranschlags im Westjordanland. Ihre vier Kinder konnten überleben. Der Anschlag wurde von der Hamas als „mutigen Widerstand“ und „heroisch“ gelobt. Die Kläger behaupteten, die Bank habe die Morde durch Bankdienstleistungen unterstützt und begünstigt. Das Gericht fällte die Entscheidung, dass die Kuveyt Bank von 2012 bis 2015 kriminelle Aktivitäten durchführte, indem sie mehrere Bankkonten für den Hamas-Terroristen Jihad Yaghmor, die Internationale Humanitäre Hilfe (IHH) und Islamische Universität Gaza (IUG) unterhielt. Einige dieser Konten waren Eurodollar-Konten, die verwendet wurden, um hohe Summen über Korrespondenzbankkonten in den USA zu überweisen.

Die IHH gilt als eine Organisation der Muslimbruderschaft (MB), der Verbindungen zur Al-Qaida, Hamas und dem Islamischen Staat (IS) nachgesagt werden. Die Türkei arbeitet mit der IHH zusammen, auch um den IS zu unterstützen. Das israelische Verteidigungsministerium erklärte bereits 2008 die IHH diene als „Fundraising-Netzwerk der Hamas“. Die Islamische Universität Gaza ist eine Hamas-Hochburg und fungiert für diese Terrororganisation als eines der wichtigsten Instrumente. Die IHH ist „die wichtigste türkische Spendenorganisation der Hamas“, so Klage und Gericht. Die Kuveyt Turk Bank überwies mindestens Hunderttausende von Eurodollars im Namen der IUG, das geht aus einem Dokument der Anwaltskanzlei des Klägers hervor, welches der Autorin vorliegt. Die Überweisung geschah auf Anweisung von Jamal N. al-Khoudary – ein hochrangiger Hamas-Beamte, der als Vorsitzender des IUG-Kuratoriums fungierte –  und Al-Agha Jr., Leiter des IUG-Aufsichtsrat und von der USA offiziell als „speziell ausgewiesener globaler Terrorist“ (SDGT) aufgeführt.

Türkei: Oberhand über Kuveyt Türk Bank

Der Staat Türkei ist mit 18% an der Kuveyt Türk Bank beteiligt. Konkret gehören diese 18% der „Generaldirektion für Stiftungen“, eine 1920 gegründete türkische Regierungsinstitution. Sie fungierte damals als Instrument des Staates, um Eigentum nichtmuslimischer religiöser Minderheiten – darunter Juden, griechisch-orthodoxe Christen und christliche Armenier – zu beschlagnahmen. Das fremde Eigentum wurde in die Stiftung überführt. Der Staat hatte es besonders auf Immobilien abgesehen, sodass die Direktion heute über 18.500 historische Gebäude und 67.000 Grundstücke verwaltet.

Mit 18% ist die Türkei keinesfalls ein Hauptanteilseigner von Kuveyt Türk, denn dieser ist Kuwait Finance House (KFH), was sich wiederum in der Hand des Staates Kuwait befindet. Doch der Staat Türkei scheint eindeutig die Oberhand über das Bankinstitut Kuveyt Türk zu besitzen. Der gesamte Aufsichtsrat ist nur mit türkisch-stämmigen Personen besetzt. Während es in Kuwait nur 62 Filialen sind, sind es in der Türkei ganze 430. Auch die fünf Filialen in Deutschland der „KT Bank AG“ unterstehen als Tochterunternehmen der Kuveyt Türk Bank mit Sitz in Istanbul. In der Türkei ist der grössere Markt und somit liegt das Hauptgeschäft dort. Da also der Gewinn aus der Türkei kommt, kann davon ausgegangen werden, dass deshalb dem Staat Türkei eine Oberhand über diese Bank gelassen wird. Was es genau für ein Abkommen zwischen Kuwait und der Türkei bezüglich dieser Bank gibt, kann nur vermutet werden. Abkommen zwischen Kuwait und Türkei werden generell geheim gehalten, sodass in der Presse eine Lücke über die türkisch-kuwaitische Freundschaft existiert. Beobachten lässt sich dennoch, dass die bilateralen Beziehungen in den letzten Jahren enger geworden sind. 

Ein wichtiger Aspekt dieser Freundschaft, mag wohl die beidseitig vertretene Sympathie zu dem radikalen, politischen Islam sein. In Kuwait ist der Einfluss von Islamisten gross, so sitzen Islamisten darunter Muslimbrüder im Parlament. Erdogan ist ein Anhänger und Unterstützer der Muslimbruderschaft. Dass also Erdogan die Kuveyt Türk Bank nutzt, um bei der Finanzierung die von der Muslimbruderschaft abgezweigte Hamas zu unterstützen, wird in Kuwait wohl kaum auf Ablehnung treffen. Aber in wie weit Kuwait mit der Türkei zusammen Beihilfe bei der Finanzierung leistet, ist unklar. Schaut man sich die Bank an, ist es offensichtlich, dass die türkische Regierung die inoffizielle Kontrolle über diese Bank hat. So lässt beispielsweise auch die Filiale in Frankfurt, die auch grösstenteils türkisch besetzt ist und Istanbul untersteh, einige Fragen offen: Denn „Privaten Unternehmen ohne Erwerbszweck“ wurden insgesamt Kredite in Höhe von 32.352.000 Euro allein im letzten Jahr gewährt. Darunter könnten auch muslimische Vereine – die den politischen Islam vertreten – fallen, die über diese Bank so indirekt vom türkischen Staat finanziert werden könnten.

Unterstützung der Finanzierung des Islamischen Staats

Nicht nur die Finanzierung der Hamas, sondern auch die der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) wird von der Kuveyt Türk Bank unterstützt. Dies geht aus einem Geheimdienstbericht Russlands hervor. Russland schrieb 2016 einen Brief an den Präsidenten des Sicherheitsrates der USA. Diesen Brief zufolge lieferte die Stiftung „Iyilikder Foundation“ Waffen und Militärausrüstung in das syrische Staatsgebiet, das unter der Kontrolle des IS stand. 2015 wurden 25 Konvois mit verschiedenen Waren dort hingebracht. Laut dem Brief wird die Führung dieser Nichtregierungsorganisation aus Quellen in europäischen Ländern und im Nahen Osten finanziert. Die Fonds in harten Währungen würden auf Konten bei den Banken Kuveyt Türk und Vakif geleitet.

Die VakifBank hat ihren Firmensitz in Ankara und ebenfalls Filialen in Österreich sowie Deutschland, darunter auch wieder Frankfurt. Die Bank befindet sich zu 100% im Besitz der „Türkiye Vakiflar Bankasi T.A.O.“, die wiederum mit 940 Filialen in der Türkei die drittgrösste unter Staatseinfluss stehende türkische Bank ist. Laut der Anwaltskanzlei MM  – Law LLC ist auch die bereits genannte „Generaldirektion für Stiftungen“ mit 58% an der VakifBank beteiligt. In dem Brief Russlands wird auch die IHH genannt, welche sich aktiv für die Lieferung von Munition an Terroristen in Syrien engagiere; „Sie wird offiziell von der türkischen Regierung unterstützt und handelt unter der Leitung des türkischen Geheimdienstes.“ Seit 2011 habe die Stiftung 7.500 Fahrzeuge mit Lieferungen unter IS-Kontrolle in das Gebiet geschickt. Die IHH werde aus türkischen Quellen und von anderen Staaten finanziert. Die türkischen Banken Ziraat und Vakif würden für das Fundraising der IHH verwendet werden.

Eingeblendete Konten von türkischen Banken, anlässlich einer Online Spenden-Sammlung für Hamas im Fernsehsender Al-Aqsa TV am 7. November 2020. Foto Screenshot Facebook
Eingeblendete Konten von türkischen Banken, anlässlich einer Online Spenden-Sammlung für Hamas im Fernsehsender Al-Aqsa TV am 7. November 2020. Foto Screenshot Facebook

Auch die deutsche Ziraat Bank International AG sitzt in Frankfurt und hat weitere neun Filialen in Deutschland. Sie ist zu 100% ein Tochterunternehmen der Ziraat Bank in Ankara, welche die grösste Universalbank der Türkei ist und dem Staat gehört.

Ein System aus Banken und Firmen für Terrorunterstützung

Zusammenfassend sind es damit drei türkische Banken – Kuvey Türk, Vakif und Ziraat -, welche der türkische Staat offenbar als Instrument benutzt, um die Finanzierung von Terrorismus zu unterstützen. Doch das Netzwerk aus türkischen Banken und Firmen, die bei der Finanzierung von Terrororganisationen Beihilfe leisten, wird grösser sein als diese drei genannten Banken. Hinzu kommen Firmen wie Redin Exchange. Das in der Türkei ansässige Unternehmen hat laut dem US-Finanzministerium die Hamas finanziell unterstützt. Ab März 2019 sei der Finanzvermittler Muhammed Sarur, der vom Finanzminister benannt war, an einer Überweisung von 10 Millionen Dollar an den operativen Arm der Hama – die sogenannten  Izz-Al-Din Al-Qassam-Brigaden – beteiligt gewesen sein. In den Jahren 2017 und 2018 seien mit der Unterstützung von Redin Exchange zig Millionen Dollar an die Hamas überwiesen worden sein. Dass ein Hochrangiger Hamas-Leiter 2017 über Redin Exchange 5,5 Millionen US-Dollar an den offiziellen Hamas-Finanzchef Zaher Jabari überwies, zeigt wie dieses Unternehmen als ein generelles Instrument der Hamas funktioniert.

Die Türkei als Zentrale der Hamas-Finanzierung

Zaher Jabari selbst ist sogar in der Türkei ansässig, von wo er das jährliche Hamas-Budget von mehreren 10 Millionen US-Dollar verwaltet. Er ist laut dem US-Finanzministerium für alle Einnahmen der Hamas aus verschiedenen Teilen der Welt verantwortlich und versucht zusätzliche Finanzierungsquellen für die Hamas zu erhalten. Dass er von der Türkei aus dies operativ leitet, unterstreicht, dass in der Türkei die Zentrale der Hamas-Finanzierung liegt. Jabari konzentriere sich auf den Aufbau eines Finanznetzwerkes in der Türkei, teilte das US-Finanzministerium mit. Dadurch würde es der Terrororganisation Hamas erst ermöglicht werden, das Geld zu sammeln, zu investieren und zu waschen bevor es nach Gaza kommt und transferiert wird – und dann für Terrorismus gegen Israel eingesetzt wird.

Dass der türkische Staat mit Jabari zusammenarbeitet liegt auf der Hand. Dass dies von Erdogan gewollt und gar angeordnet ist auch. Der türkische Präsident Erdogan empfängt seit Jahren Hamas-Anführer, gibt ihnen türkische Pässe – teils mit Decknamen – und hat ihnen erlaubt, ein Hamas-Hauptquartier in Istanbul aufzubauen. Attentate auf Israel werden mithin von Istanbul aus geplant. Erdogans Antiisrael-Politik ist eine Politik zugunsten der Hamas-Terroristen geworden. Beide eint der Hass auf Israel und Juden. So wird die Hamas in der Türkei und von dem Staat Türkei ideell und finanziell unterstützt. Man muss davon ausgehen, dass die in Europa angesiedelten türkischen Bankinstitute ebenfalls die Finanzierung von Terrorismus für die Hamas und den Islamischen Staat unterstützen.

Zara Riffler

Über Zara Riffler

Zara Riffler studiert Fachjournalistik Geschichte an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Ihre Schwerpunkte liegen in den Themenbereichen Islam, Naher Osten und Antisemitismus. Zuvor studierte sie Kunstgeschichte und Klassische Archäologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

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2 KOMMENTARE

  1. All dies sind völlig Lügen. Die damit verbundene Klage ist noch nicht abgeschlossen. Ich mochte die Herangehensweise des Autors nicht.

    • Ist das Bild des Despoten Erdogan mit dem Anführer der Terrororganisation Hamas eine Lüge?
      Erdogan führt die Türkei aus reiner Eitelkeit in den Abgrund und seine Wähler honorieren dies.

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