„Reichskristallnacht“ Zeitzeuge in digitalem Buch über die Schweizer Jugend im 2. Weltkrieg

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Zeitzeuge Walter Strauss. Foto All Rights reserved @Gamaraal Foundation
Zeitzeuge Walter Strauss. Foto All Rights reserved @Gamaraal Foundation
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Zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938, der «Reichskristallnacht» vom 9./10 November, hat der «Verein für zeitgemässes Lernen» im digitalen Buch «Schweizer Jugend im Zweiten Weltkrieg» das Video des Holocaust Zeitzeugen Walter Strauss (1922–2019) zusammen mit Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe I und II integriert.

Am 9./10 November gedenken Jüdinnen und Juden weltweit der Novemberpogrome 1938. Zu diesem Anlass hat der «Verein für zeitgemässes Lernen» im digitalen Buch „Schweizer Jugend im Zweiten Weltkrieg“ das Zeitzeugen Video von Walter Strauss integriert. Strauss erlebte die «Reichskristallnacht» als 16-Jähriger in Berlin hautnah.

Walter Strauss, der aus einer deutschen Arztfamilie mit einer Schweizer Mutter stammte, gelang später die Flucht über Lichtenstein in die Schweiz. Ein Onkel verschaffte dem Jugendlichen eine kurzfristige Aufenthaltsbewilligung. Mehrmals bangte Walter um seine Ausschaffung und um Leib und Leben. Dank des Engagements von Bekannten und eines Bundesrates konnte er schlussendlich in der Schweiz bleiben. Später übernahm Walter Strauss die Textilfabrik seines Onkels und liess sich in Baden nieder.

Durch das interaktive digitale Buch «Schweizer Jugend im Zweiten Weltkrieg» wird Geschichte für Schule und Gesellschaft neu erlebbar gemacht, so Erika Bigler, Präsidentin des Vereins für zeitgemässes Lernen in einer Medienmitteilung. In Videoportraits vermitteln Zeitzeugen der damaligen Jugend Impressionen aus ihrer Zeit. Die Protagonisten aus allen vier Sprachregionen erzählen von ihren Erlebnissen in Familie und Schule während des Zweiten Weltkrieges. Das Videomaterial in Form von «Oral History» wird mit kurzen geschichtlichen Textbausteinen sowie Archiv Bild- und Tonmaterial (Cinémathèque Suisse, Schweizer Film Wochenschau, SRF MySchool, etc.) ergänzt und kann nach Kapiteln und Themen individuell durchgearbeitet werden. Dieser Ansatz führt laut Bigler zu einem nachhaltigeren Lernen.

Zum Jahrestag «75 Jahre Kriegsende», am 8. Mai 2020, lancierte der «Verein für zeitgemässes Lernen» das digitale Buch: «Schweizer Jugend im Zweiten Weltkrieg» für die Sekundarstufe I und II kostenfrei.

Für Lehrpersonen stehen Beispiele von möglichen Lektionen mit zusätzlichen Arbeitsblättern inklusive Lösungen zur Verfügung. Punktuell sind Links zu den aktuellen Geschichtsbüchern oder zu Ideen von SRF MySchool vorhanden. Dies erspare den Lehrpersonen aufwändiges Vorbereiten, schreibt Bigler, die selber Sekundarlehrerin ist.

Idee und Konzept zum digitalen Buch entwickelte Erika Bigler in Zusammenarbeit mit der Firma Bigmedia. Bereits im Januar 2018 habe das Projekt bei der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) und der Pädagogischen Hochschule Lausanne (hep) anlässlich der International Study Days als Prototyp vor einem breiten Fachpublikum präsentiert werden können. Im Mai 2020 hat der Verein für zeitgemässes Lernen dann kostenfrei das digitale Buch «Schweizer Jugend im Zweiten Weltkrieg» zum Anlass von «75 Jahre Kriegsende» für die Sekundarstufe I und II (www.ch-jugend2wk.ch) lanciert.

In den nächsten Monaten sollen weitere Videos von Holocaust Zeitzeugen, die während des Zweiten Weltkrieges in die Schweiz flüchteten, in das digitale Buch integriert werden. Die Erweiterung wurde durch die Zusammenarbeit mit der Gamaraal Foundation möglich, schreibt Bigler. Die Gamaraal Stiftung engagiert sich neben der Unterstützung der Überlebenden auch in der Holocaust Education, damit die Lebensgeschichten der Zeitzeugen der Nachwelt erhalten bleiben (www.gamaraal.com).

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