Ungeahnte Friedensfortschritte in Nahost

Lesezeit: 3 Minuten

Die erste Etihad-Maschine aus Abu Dhabi landet auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv. EL AL bringt eine israelische Friedensdelegation nach Manama/Bahrein. Der an Corona erkrankte palästinensische „Aussenminister“ Saeb Erekat wird in Jerusalem von israelischen Ärzten professionell behandelt. Mehr gute Nachrichten aus Nahost innerhalb von 24 Stunden geht fast nicht mehr. Und die deutschsprachige Politik und Presse schweigt grösstenteils oder ist es ein polit-medialer Akt des Verschweigens?

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben eine Boeing 787 nach Tel Aviv geschickt, die israelische Reiseunternehmer und Entscheidungsträger in der Tourismusbranche abholt. Die VAE-Gastgeber wollen den neuen Partnern aus Israel in den nächsten Tagen ihr Land zeigen und Verträge über Zusammenarbeit vorbereiten. Etihad hat inzwischen eine Homepage in hebräischer Sprache ins Netz gestellt. Die guten Nachrichten überschlagen sich. Darauf wartet der Nahe Osten seit 70 Jahren.

Am Abend zuvor ist eine EL-AL-Maschine von einem Kurzbesuch in Bahrain nach Tel Aviv zurückgekehrt. An Bord der israelische Sicherheitsberater Meir Ben-Shabbat, der in Manama ein Dokument zur „Errichtung friedlicher und diplomatischer Beziehungen“ und acht Memos zur Verständigung unterzeichnet hat. Benyamin Netanyahu hat unterdessen mit Bahrains Aussenminister Adullatif bin Rashid Al-Zayani telefoniert: „wir unternehmen grosse Schritte für einen Durchbruch in Richtung Frieden“, zitieren die englischsprachigen Zeitung den israelischen Premier. Eisiges Schweigen in der deutschsprachigen Presse mit Ausnahme der NZZ. Und EU-Politiker kümmern sich lieber angestrengt um Sanktionen für die versuchte Vergiftung eines russischen Oppositionellen.

Die erste Etihad-Maschine aus Abu Dhabi landet auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv.

Zur gleichen Zeit wird der an Covid-19 ernsthaft erkrankte Saeb Erekat, einer der engsten Berater des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abas in ein israelisches Krankenhaus nach Jerusalem verlegt. “Erekat bekommt erstklassige professionelle Versorgung wie alle an Corona erkrankten Patienten. Wir unternehmen alles für seine baldige Genesung“ heisst es in einer Verlautbarung des Hadassah-Krankenhauses.

Die Erklärung klingt lapidar, ist aber alles andere als normal-alltäglich. Denn im Krankenhaus in Jerusalem begegnen sich an einem Krankenbett die Grundsätze einer liberalen Demokratie und ein menschenverachtender Despotismus. Die israelischen Ärzte praktizieren die jüdische Bibel, dessen höchstes Gut das Leben ist. Der palästinensische Patient ist Handlanger für eine Generationen übergreifende Unterdrückung seines eigenen Volkes. Millionen Menschen werden seit Jahrzehnten gezielt in Flüchtlingslager gezwängt. Wenn es um das nackte Leben eines palästinensischen Führers geht wird alles ausgeblendet. Politik und Medien in Europa müssten in dieser Stunde zu erkennen geben, auf welcher Seite sie stehen, vielleicht sogar Fehler eingestehen. Das Verschweigen ist ein deutliches Zeichen, dass der Mut dazu fehlt.

Noch eine aktuelle Auffälligkeit, die nicht verheimlicht werden soll. Der arabische Oppositionsführer in der Knesseth, Ayman Odeh, der die 15köpfige „Vereinte arabische Liste“ im israelischen Parlament führt, gab dieser Tage dem libanesischen TV-Sender „Al Mayadeen“ ein Interview zum Thema „Israel-UAE-Deal“ und begründet seine ablehnende Haltung zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Scheichtum und Jerusalem: „das Problem im Nahen Osten ist nicht der Iran, sondern die israelische Besatzung der Westbank“. Odeh, der sich zur Zeit in Corona-Quarantäne befindet sprach gut gelaunt von seiner Privatwohnung in Israel aus mit einem Nachrichten-Kanal, dessen Nähe zur Terror-Organisation Hisbollah kein grosses Geheimnis ist. Zum Glück ist Israels Volksseele mit Corona randvoll beschäftigt und hat keine Kapazitäten frei, sich mit den Verirrungen der arabischen Opposition zu beschäftigen.

Ayman Odeh während einer Kundgebung in Tel Aviv am 6. Juli 2020. Foto Eitan Elhadez-Barak/TPS

Ayman Odeh ist gewählter Abgeordneter im israelischen Parlament. Sein Einkommen, doppelt so hoch wie das eines israelischen Durchschnittsverdieners, ist bei einer Arbeitslosenquote von über 20 Prozent gesichert. Denn der israelische Steuerzahler finanziert seine liberale Demokratie, die einzige in Nahost. Auch seine geschmacklosen Auswüchse.

Godel Rosenberg

Über Godel Rosenberg

Journalist, Autor, High­techunternehmer. Godel Rosenberg war Pressesprecher der CSU und von Franz Josef Strauß, Fernsehjournalist, TV­-Moderator und Repräsen­tant des Daimler­-Konzerns in Israel. Von 2009 bis 2018 war Godel Rosenberg der Repräsentant Bayerns in Israel.

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1 KOMMENTAR

  1. Beklagt sich dieser Artikel über die deutschen Medien? Du meine Güte! Diese sind bis auf wenige alternative Informationsquellen doch völlig gleichgeschaltet. Es gibt nur noch Corona-Erziehung, willig der Regierung unterworfene Presse und immer mehr Banalitäten zur Ablenkung, ansonsten bestenfalls Halbwahrheiten, immer angepaßt an das linke Weltbild. Und wenn es um Trump, Orban oder auch Israel mit seinen Spannungen mit den Palästinensern geht, wird die Wahrheit schon mal vollkommen auf den Kopf gestellt.
    Ebenso widerwärtig sind die beflissenen rituellen Freundschaftsbekundungen zu Israel bei gleichzeitiger fehlender Unterstützung bei den UN. Und der massiv zunehmende Antisemitismus im Rahmen des großen gesellschaftlichen Experiments wird schlicht geleugnet oder den „Rechten“, die nur eine kleine Gruppe bilden im Gegensatz zu den nicht besseren Linken, in die Schuhe geschoben.
    Man muß leider feststellen, daß das kein nur deutsches Problem ist. Die Zeiten werden besonders auch für Juden in fast ganz Europa zunehmend unerträglicher.

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