Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Foto kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86116874
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Foto kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86116874
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Die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan und die Muslimbruderschaft sind Feinde Ägyptens, Jordaniens, Saudi-Arabiens, der Golfstaaten, Zyperns, Griechenlands, der EU, der Kurden (die ein Drittel der Bevölkerung des Landes ausmachen), der USA und Israels.

von Dan Schueftan

Die Türkei Erdoğans ist das genaue Gegenteil des Landes, das von Mustafa Kemal Atatürk vor fast 100 Jahren, nach dem Niedergang des Osmanischen Reiches, gegründet wurde. Atatürk steuerte das Land in Richtung Modernisierung und Integration in die Welt und führte schrittweise demokratische Normen in einer Region ein, die lange Zeit als vom Fehlen einer solchen Regierungsführung geplagt beschrieben wurde.

Die heutige Türkei hat an ihren demokratischen Grundlagen Abstriche gemacht, vor allem aufgrund der Persönlichkeit von Erdoğan, der Muslimbruderschaft und der Weltanschauung eines grossen Teils des türkischen Volkes. Erdoğan ist ein rücksichtsloser Grössenwahnsinniger; die Muslimbruderschaft ist die gefährlichste Bewegung in der Region; die türkische Gesellschaft hat sich im Grossen und Ganzen geweigert, die Werte zu übernehmen, die Atatürk verbreiten wollte, und wurde stattdessen von religiösem Fanatismus und grössenwahnsinnigen Visionen angezogen.

Der Muslimbruderschaft ist es gelungen, sich als gemässigte Einheit zu profilieren und ihre radikalen Werte zu verbergen, solange sie nicht an der Macht sind. Diese Farce brachte die Obama-Administration dazu, auf die Behauptung des damaligen ägyptischen Präsidenten Mohamed Morsi hereinzufallen, er würde Ägypten in Richtung einer stärkeren Demokratisierung bewegen. Hätte der derzeitige Präsident Abdel Fattah el-Sisi Ägypten nicht vor der Kontrolle der Bruderschaft gerettet, wären die Tragödien in der Region noch schlimmer gewesen.

Trump versteht die Gefahr gut. Jeder, der immer noch glaubt, dass man der Muslimbruderschaft vertrauen kann, sollte sich die Barbarei und die Zerstörung ansehen, die sie in dem einzigen Gebiet angerichtet hat, das sie derzeit kontrolliert – dem Gazastreifen. Es ist nicht überraschend, dass Erdoğan die Ausschreitungen dort unterstützt hat oder dass die Bewohner Gazas bei diesen Ausschreitungen türkische Flaggen schwenken.

Zehntausende hinter Gitter gebracht

Der Grössenwahn Erdoğans hat die Türkei in eine ganze Reihe von regionalen Krisenherden verwickelt. In Ägypten und Jordanien hat er die Bemühungen der Muslimbruderschaft unterstützt, die dortigen Regime herauszufordern; im östlichen Mittelmeerraum versucht er, Griechenland, Zypern, Ägypten und Israel zu schwächen, indem er nach regionaler Macht strebt, um die wirtschaftliche Ausbeute einzufahren; und es ist ihm gelungen, Ägypten gegen sich aufzubringen, indem er eine der rivalisierenden Fraktionen unterstützte, die nebenan um Libyen kämpften.

Seine Unverschämtheit zeigte sich auch anhand der Provokationen gegenüber den NATO-Verbündeten, indem er die schwache Reaktion der EU (mit Ausnahme Frankreichs) ausnutzte und die Besetzung des nördlichen Teils Zyperns fortgesetzt hat. Gleichzeitig geht Erdoğan gegen das Bürgertum im eigenen Land vor und hat bereits Zehntausende hinter Gitter gebracht.

Darüber hinaus ist es ihm gelungen, Loyalisten für die Leitung des Schulsystems und der Justiz sowie des öffentlichen Dienstes auszuwählen, die Wahlen zu manipulieren und sich selbst zum Sultan zu ernennen. Ausserdem unterdrückt er die kurdische Minderheit brutal und führt militärische Übergriffe auf kurdisches Gebiet in Nordsyrien durch.

Das Regime von Erdoğan bedroht die NATO, die sozioökonomische Stabilität in Europa, die strategischen Interessen der USA und die allgemeine Haltung Israels. Doch was es seinen Rivalen so schwer macht, ihm entgegenzutreten, ist die Tatsache, dass sie die Gefahr noch nicht vollständig erkannt haben.

Sein ungebremster Ehrgeiz, seine Brutalität und sein Machtrausch könnten es jedoch leichter machen, ihn zu bekämpfen, da er nun einen Weg eingeschlagen hat, der schon zum Sturz anderer regionaler Machthaber, darunter Saddam Hussein und Gamal Abdel Nasser, geführt hatte.

Dan Schueftan ist Direktor des International Graduate Program in National Security Studies am Zentrum für Nationale Sicherheitsstudien der Universität Haifa. Dieser Artikel erschien zuerst in Israel Hayom. Übersetzung Audiatur-Online.

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