Zerstörungen in der City von Beirut nach der Explosion vom 4. August 2020. Foto Freimut Bahlo, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=93185199
Zerstörungen in der City von Beirut nach der Explosion vom 4. August 2020. Foto Freimut Bahlo, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=93185199
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Botschafter Nathan Sales, US-Koordinator für Terrorismusbekämpfung im Aussenministerium, berichtete am 17. September, dass die Hisbollah Ammoniumnitrat durch ganz Europa transportiert und gelagert hat. Diese Enthüllung ist nicht nur berichtenswert, sondern scheint auch mit den bekannten Praktiken der Hisbollah in Einklang zu stehen. So antworteten Frankreich und Spanien zwar, dass sie keine Beweise hätten, um die Behauptung von Sales in Bezug auf ihre eigenen Länder zu untermauern, aber sie bestritten nicht, dass die Terrorgruppe in der Vergangenheit Ammoniumnitrat auf europäischem Boden transportiert und gelagert hat.

von Toby Dershowitz und Dylan Gresik 

„Seit 2012“, so Sales, „hat die Hisbollah durch den Transport von Erste-Hilfe-Kits, deren Kühlpackungen die Substanz enthalten, in ganz Europa Verstecke mit Ammoniumnitrat eingerichtet. Ich kann Ihnen mitteilen, dass solche Behälter durch Belgien, nach Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien und in die Schweiz transportiert wurden. Ausserdem kann ich Ihnen mitteilen, dass in Frankreich, Griechenland und Italien bedeutende Verstecke von Ammoniumnitrat entdeckt oder vernichtet worden sind. Wir haben Grund zu der Annahme, dass diese Aktivitäten noch im Gange sind. Ab 2018 wurden Ammoniumnitrat-Verstecke nach wie vor in ganz Europa vermutet, möglicherweise in Griechenland, Italien und Spanien.“

Die Sprecherin des französischen Aussenministeriums, Agnes von der Muhll, sagte in Bezug auf die Erklärungen von Sales: „Unseres Wissens gibt es heute in Frankreich nichts Konkretes, was eine solche Behauptung bestätigen könnte.“ Sie fügte hinzu: „Jede illegale Aktivität, die von einer ausländischen Organisation auf unserem Territorium begangen wird, würde von den französischen Behörden mit grösster Entschiedenheit sanktioniert werden“. Die spanische Botschaft in Washington sagte: „Die spanischen Behörden haben keine Anhaltspunkte dafür, dass der bewaffnete Flügel der Hisbollah Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoffen in Spanien eingeführt oder gelagert hat.“

Unabhängig davon, ob europäische Offizielle die Worte von Sales analysiert haben oder andere Gründe für ihre Aussagen hatten, ist klar, dass andere europäische Behörden festgestellt haben, dass die Hisbollah Ammoniumnitrat auf europäischem Boden gelagert und transportiert hat. Nach Angaben der zypriotischen Behörden hat die Hisbollah beispielsweise eine grosse Anzahl von Erste-Hilfe-Kits angehäuft, um die Bomben herstellende Zutat in die Länder zu schmuggeln.

Allein im Jahr 2015 beschlagnahmten die Behörden über 3 Tonnen Ammoniumnitrat, die in London gelagert waren, und über 8 Tonnen, die von einem Hisbollah-Agenten in Zypern überwacht wurden.

Laut Matthew Levitt vom Washington Institute for Near East Policy „glauben die Ermittler, dass der Sprengstoff, der bei den Busbombenanschlägen 2012 in Burgas, Bulgarien verwendet wurde, möglicherweise aus der Charge der in Zypern gelagerten Chemikalien stammt.“ Darüber hinaus berichtete die bulgarische Presse am 24. September, dass ein libanesisch-bulgarischer Staatsangehöriger kurz vor dem Anschlag 40 Kisten mit Erste-Hilfe-Kits mit jeweils 160 Gramm Ammoniumnitrat importiert hatte. Die Behörden gaben an, dass die verwendete Bombe aus Ammoniumnitrat bestand, was 3 Kilogramm TNT entspricht. Fünf israelische Touristen und ihr bulgarischer Busfahrer wurden bei dem Anschlag getötet.

Die Hisbollah, die von 15 Ländern, der Arabischen Liga und dem Golf-Kooperationsrat als terroristische Vereinigung bezeichnet wurde, verwendete ebenfalls Ammoniumnitrat bei dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Argentinien 1994, bei dem 85 Menschen getötet wurden.

Während der gleichen Online-Veranstaltung, bei der Sales seine Ankündigung machte, bestätigte der Vertreter des deutschen Bundesinnenministeriums, Hans-Georg Engelke, die Beschlagnahme von „Ammoniumnitrat in erheblichen Mengen in Süddeutschland“. Nach der Razzia im April 2020 bezeichnete Deutschland die Hisbollah in ihrer Gesamtheit als terroristische Einheit.

Seit der gewaltigen Explosion im Libanon am 5. August, die durch unsachgemäss gelagertes Ammoniumnitrat verursacht wurde, hat der französische Präsident Emmanuel Macron den libanesischen Behörden eine Liste mit Reformvorschlägen vorgelegt, darunter die Bildung einer neuen Regierung, die Prüfung der Zentralbank und die internationale Aufsicht über die Hilfe. Frankreich hat sich jedoch zurückgehalten, die Hisbollah zu stark unter Druck zu setzen, aus Angst, den Einfluss auf die Richtung der Erholung des Libanon zu verlieren.

Fortschritte bei der Hilfe für das libanesische Volk – und beim Schutz Europas – sollten nicht bedeuten, sich der Hisbollah zu beugen und ihr entgegenzukommen. Nach wie vor ist klar, dass die Hisbollah auch heute noch eine grosse Gefahr für Europa darstellt.

Toby Dershowitz ist leitende Vizepräsidentin für Regierungsbeziehungen und -strategie bei der Foundation for Defense of Democracies (FDD), Dylan Gresik ist Analyst für Regierungsbeziehungen. Auf Englisch zuerst erschienen bei Foundation for Defense of Democracies. Übersetzung Audiatur-Online.

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