Flaggen der Vereinigten Arabischen Emirate und Israels in Netanya. Foto Flash90
Flaggen der Vereinigten Arabischen Emirate und Israels in Netanya. Foto Flash90
Lesezeit: 4 Minuten

Der am 13. August 2020 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz verkündete Beginn des sogenannten Normalisierungsprozesses zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) kam für viele überraschend.

Bei aller Freude darf jedoch nicht ausser Acht gelassen werden, dass die VAE unter anderem der fünft grösste Sponsor des UN Hilfswerks UNRWA ist. Der Schriftsteller, investigative Journalist und Gründer des Resource News Agency and the Center for Near East Policy Research, David Bedein, stand Audiatur-Online für ein Interview zur Verfügung und beantwortete auch Fragen zu den problematischen Seiten des Deals zwischen Israel und den VAE.

Audiatur-Online: Das Friedensabkommen zwischen Israel und den VAE kann nach den Verträgen zwischen dem jüdischen Staat und Ägypten (1979) sowie Jordanien (1994) als historischer Schritt zur Befriedung der Region angesehen werden. Wie stehen Sie dazu?

David Bedein: Man kann nicht einfach seine Integrität opfern, auch nicht im Bereich der Aussenpolitik. Doch genau jene wird Israel durch das viel gefeierte Abkommen verlieren. Der Jüdische Staat wiederholt offenbar dieselben Fehler, die er schon bei dem Friedensschluss mit Ägypten und Jordanien begangen hat. Das Abkommen wird es den VAE ermöglichen, den Bildungskrieg gegen Israel weiter zu intensivieren. Der Jüdische Staat hatte die Chance, Forderungen zu stellen, wie zum Beispiel die Beendigung der Förderung eines UN Hilfswerks, welches Schulen leitet, die den Hass auf Israel und Juden lehrt und eine neue Generation von Attentätern grosszieht. Stattdessen trägt Israel mit seiner Untätigkeit nun faktisch dazu bei, dass die UNRWA weiterhin unbehelligt ihre Institutionen des Terrors und des Hasse unterhalten kann — auf Kosten der Sicherheit der israelischen Bevölkerung.

Was ist Ihrer Meinung nach der Hauptgrund dafür, dass das Friedensabkommen gerade jetzt initiiert wurde?

Dafür gibt es multikausale Gründe: Erstens, der Jüdische Staat möchte in der arabischen Welt Verbündete gegen den gemeinsamen Feind Iran finden, um dessen mittlerweile grossen Einfluss in der Region zu schwächen. Und zweitens, Israel braucht andere arabische Partner, neben den marginalen gemässigten Stimmen aus der Palästinensischen Autonomiebehörde, die Willens sind, mit dem Jüdischen Staat zusammenzuarbeiten und ihn anzuerkennen.

Was werden die grössten Hindernisse sein, denen sich beide Länder stellen müssen, um das Friedensabkommen in die Realität umzusetzen?

Die VAE wird sich auch weiterhin in einem Kriegszustand mit Israel befinden wird, da sie ein Teil der Arabischen Liga ist und diese keinerlei Normalisierung mit Israel anstrebt — das Gegenteil ist der Fall. Sowohl Ägypten, als auch Jordanien und die PLO setzen ihre Bildungssysteme als Waffe ein. Der Friedensschluss mit diesen Staaten hat daran bis heute nichts geändert.  

Die VAE sind derzeit die fünftgrössten Sponsoren des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten, (englisch United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East, UNRWA). UNRWA ist unter anderem für die Erstellung der in den palästinensischen Bildungszentren verwendeten Schulbücher verantwortlich. Diese Bücher fördern die Gewalt gegen Juden und Israel und glorifizieren das Sterben als Istishhadi (arabisches Wort für Selbstmordattentäter, Martyrium, Anm. d. Red.). Glauben Sie, dass nach dem Abkommen zwischen Israel und den VAE, weniger Geld in den UNRWA-Topf fliessen wird?

In dem neuesten Video von The Center for Near East Policy Research wird genau aufgezeigt, was das UNRWA Hilfswerk mit seinen finanziellen Mitteln fördert. Im Film zu sehen sind Schulen, die die Vernichtung Israels als das Ziel der Palästinensischen Nationalbewegung lehren, sowie die Wichtigkeit des Rückkehrrechts betonen.

Ebenfalls zu sehen sind Interviews mit Schülern, die aussagen, dass alle Juden getötet werden müssen und der Tod als Istishhadi ein erstrebenswertes Ziel ist. Im Klartext: Israel erlaubt es den VAE mit Mord davon zu kommen. Das Schulsystem der UNRWA lehrt, wie und das man Juden töten sollte.

Ich halte es eher für unwahrscheinlich, dass die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Zahlungen an UNRWA einstellen werden. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Israel an einer Art „Friedens-Krankheit“ leidet. Die Menschen wünschen sich den Frieden mit den arabischen Staaten so sehr, dass sie darüber hinaus blind gegenüber den Gefahren und Risiken werden, die eine solche Vereinbarung mit sich bringt

Glauben Sie, dass die VAE wegen des Friedensabkommens mit Sanktionen von anderen Ländern wie dem Iran und der Türkei rechnen muss?

Die Vereinigten Arabischen Emirate werden sich ohne Probleme gegen jegliche Drohungen von Seiten des Iran oder anderen Ländern behaupten können, da bin ich mir sicher.

Herr Bedein, vielen Dank für das Interview.

Alle Welt ist im Freudentaumel ob des erneuten Friedensschlusses zwischen Israel und einem arabischen Staat und es ist, alles in allem, ein grossartiger Schritt. Bei all der Freude sollte man jedoch nicht blind für die Details werden, was in diesem Fall bedeutet, dass der durch die UNRWA geförderte Terrorismus weiterhin unschuldige Menschen das Leben kosten wird. Vor allem die israelischen Stimmen sind hierbei gefragt, denn es ist primär ihre Bevölkerung, die immer wieder unter den palästinensischen Terroranschlägen leidet. Die UNRWA Schulen tragen einen Hauptteil der Schuld daran, dass eine ganze Generation von Palästinensern zu Friedensverweigerern und Istishhadis erzogen wird. Frieden ist mit Sicherheit eines der erstrebenswertesten Ziele der Weltpolitik. Er sollte jedoch nicht um jeden Preis geschlossen werden und es bleibt zu hoffen, dass Israel aus seinen Fehlern mit Ägypten und Jordanien gelernt hat und die VAE dazu auffordern wird, die Fördergelder für Judenmord einzufrieren. Sollte dies nicht geschehen, würde es im Umkehrschluss bedeuten, dass ein wirklicher Frieden noch in weiter Ferne läge.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.