BDS Boston am 1. Juli 2020. Foto Dexter Van Zile
BDS Boston am 1. Juli 2020. Foto Dexter Van Zile
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Der Archäologe und Historiker Alexander H. Joffe, ein Ginsburg-Milstein Writing Fellow des Middle East Forum, sprach am 19. Juni in einem Webinar (Video) des Middle East Forum mit den Teilnehmenden über den „dramatischen Anstieg“ der antizionistischen und antisemitischen Rhetorik nach der Tötung von George Floyd in Minneapolis.

„Was wir gesehen haben … ist ein klassisches Beispiel für die rot-grüne Synthese in Aktion“, sagte Joffe und bezog sich dabei auf die Allianz zwischen Islamisten im Westen und der extremen Linken, die in den vergangenen Jahrzehnten den anti-israelischen Aktivismus anführte. Ihr Ziel sei es, „Juden, insbesondere amerikanische Juden, als Weisse, als Feinde farbiger Menschen zu rassifizieren und an den Rand zu drängen.“

Die Unruhen in amerikanischen Grossstädten nach Floyds Tod seien insbesondere von drei Gruppierungen ausgenutzt worden, um ihre antizionistischen/antisemitischen Narrative voranzutreiben: der Black Lives Matter-Bewegung („die ideellen Erben der Black Panthers“), der Antifa-Bewegung („antikapitalistisch und anti-israelisch“) und das Netzwerk der Muslimbrüder in den USA (American Muslims for Palestine, die Dachgruppe der Vereinigung Studenten für Gerechtigkeit in Palästina und die Muslim Students Association, welche alle „die Rubrik Menschenrechte“ nutzen, um ihre anti-israelische Agenda voranzutreiben). Zu diesem anti-israelischen Trio gehören laut Joffe weitere progressive/links-jüdische Frontgruppen, beispielsweise die Organisation Jewish Voice for Peace (JVP).

Diese Gruppen haben das formuliert, was Joffe eine „grosse gemeinsame Theorie“ der Unterdrückung nannte, die „den grossen Satan in den USA“ und „den kleinen Satan, den israelischen ‚Siedlerkolonialismus'“ mit dem Kapitalismus, der weissen Vorherrschaft und anderen realen und eingebildeten Übeln verschmilzt.

Israel – und Juden, die es unterstützen – werden beschuldigt, „ein System des anti-schwarzen Rassismus in den USA aufrechtzuerhalten“ und vornehmlich „die Hauptursache“ für Polizeigewalt in Amerika zu sein. Als Beweis führen die Ankläger die Tatsache an, dass das Jüdische Institut für Nationale Sicherheit Amerikas (JINSA) und andere jüdische Gruppen in den Jahren nach dem 11. September 2001 Schulungsprogramme zur Terrorismusbekämpfung für US-Polizisten in Israel gefördert haben. (Programme, die nichts mit Fragen oder Taktiken der einheimischen Polizei zu tun haben).

Im Jahr 2018 rügte der Stadtrat von Durham, North Carolina, die Beziehung seiner Polizeikräfte zu Israel aufgrund von Verleumdungen der JVP; diese hatte die Beziehungen zwischen den US-amerikanischen und israelischen Strafverfolgungsbehörden kritisiert. Ausserdem wurden gewalttätige Ausschreitungen im Jahr 2019 an der Tufts Universität in Boston als Folge eines israelischen Schulungsprogrammes betrachtet, nachdem mehrere Polizisten an diesem teilgenommen hatten.

Laut Joffe sollen diese Verschwörungstheorien dazu dienen, aufkeimende afroamerikanische Ressentiments gegen die Polizei in Feindseligkeit gegenüber der jüdischen Gemeinde umzuleiten. Sie sind innerhalb der schwarzen Gemeinde von den so genannten Black Hebrews weit verbreitet worden, die behaupten, die „echten Juden“ zu sein (und dass die aschkenasischen Juden europäischer Abstammung „unecht“ seien). Auch Louis Farrakhans antisemitische Bewegung Nation of Islam, welche die Black Lives Matter-Bewegung und die Organisation Women’s March stark beeinflusst hat, trugen zur weiten Verbreitung solcher Verschwörungstheorien bei.

In den vergangenen vier Jahren waren radikalisierte Afroamerikaner in New York und New Jersey an einer Reihe von Angriffen mit Schusswaffen und Messerstechereien an Juden beteiligt. Nun, da diese etablierten antizionistischen/antisemitischen Netzwerke den Tod von George Floyd für ihre Zwecke beansprucht haben, wurden jüdische Geschäfte, Synagogen und Friedhöfe inmitten der jüngsten Unruhen zur Zielscheibe von Vandalismus. In den sozialen Medien sind Twitter Beiträge, in denen Israel die Verantwortung für Polizeigewalt zugeschoben wird, von hochrangigen Prominenten aufgetaucht, darunter ein bekannter Rapper und ein britischer Popsänger.

Dies stellt eine Verankerung der antizionistischen und antisemitischen Rhetorik dar, die seit Jahren auf dem College-Campus gang und gäbe ist, wo muslimische, linksextreme und anti-israelisch-jüdische Gruppen die Protestbewegung Boycott, Divestment, and Sanctions („Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“, abgekürzt BDS) angeführt haben.

Es wird in nächster Zeit nicht besser werden

Diese Campus-Aktivisten fordern „Übereinstimmung in der Aussage Israel sei ein ‚rassistischer, imperialistischer, siedlerischer, kolonialer Staat'“, und im Grossen und Ganzen erreichen sie diese Zustimmung. Joffe zitierte einen kürzlich innerhalb der Universität von Kalifornien zirkulierenden antisemitischen Brief, der die Unterschriften von Hunderten von graduierten Studenten erhielt – die Zukunft der akademischen Welt – und die Befürwortung von scheinbar unpolitischen Organisationen wie dem UC Davis American Sign Language Club und dem Berkeley Livermore National Laboratory.

Die Aktivisten versuchen nicht nur, „die Beziehung zwischen den USA und Israel zu beseitigen … und Israel auf dem Campus zu zensieren“, sagte Joffe, sondern arbeiten daran, ein Klima der Angst und Einschüchterung für jüdische Studenten auf dem Campus zu schaffen und im weiteren Sinne „Juden in der amerikanischen Gesellschaft an den Rand zu drängen.“

„Judenhass und die Ablehnung Israels … sind Themen, mit denen die amerikanische extreme Linke und die extreme Rechte … völlig übereinstimmen, so wie dies auch in Europa der Fall ist“, sagte Joffe abschliessend. Und „es wird in nächster Zeit nicht besser werden.“

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