Ismail Haniyeh, Vorsitzender des Politbüros der Hamas. Foto Majdi Fathi/TPS
Ismail Haniyeh, Vorsitzender des Politbüros der Hamas. Foto Majdi Fathi/TPS
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Im vergangenen Monat hat die Hamas ihre diplomatischen Bemühungen um zusätzliche finanzielle und militärische Unterstützung verstärkt, um Israel davon abzuhalten, Teile des Westjordanlandes zu annektieren. Berichten zufolge hält die israelische Regierung ihre Annexionspläne angeblich auf Eis, da aus dem Weissen Haus gemischte Signale kommen, heisst es in einem Bericht der Times of Israel. Annexion hin oder her, die Hamas wird immer einen Grund dafür finden, weshalb sie auf mehr Ressourcen und Unterstützung angewiesen ist, um Israel zu bekämpfen, solange der jüdische Staat existiert.

Hamas-Führer Ismail Haniyeh schrieb kürzlich an den iranischen Obersten Führer Ayatollah Khamenei und bat um weitere iranische Unterstützung im Kampf gegen Israel. Dies geht aus einem Artikel vom 6. Juli der iranischen Nachrichtenagentur Mehr hervor, der vom Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center veröffentlicht wurde.

In einem offiziellen Antwortschreiben versprach Khamenei, dass die Islamische Republik ihr ganzes Gewicht hinter die palästinensische Terrororganisation in ihrem Kampf gegen die „zionistische Entität“ legen werde – ein abwertender Begriff, der sich auf Israel bezieht, während er das Existenzrecht des jüdischen Staates leugnet. Haniyeh bestätigte den Empfang dieser Nachricht am 6. Juli.

„Der Iran wird keine Mühe scheuen, das palästinensische Volk bei der Wiederherstellung seines Rechts zu unterstützen und die üblen Pläne der zionistischen Entität aufzuhalten“, schrieb Khamenei in dem von Al Monitor am 13. Juli übersetzten Brief.

„Der Iran hat beschlossen, dem palästinensischen Widerstand die grösstmögliche Unterstützung zu gewähren, um dem israelischen Annexionsplan für das Westjordanland entgegenzutreten. Diese Unterstützung wird grösser sein denn je, ohne Einschränkungen und so, wie es der palästinensische Widerstand wünscht“, sagte ein hoher Hamas-Beamter gegenüber Al Monitor.

Die bedingungslose Unterstützung des Iran, so der Hamas-Funktionär, „wird hauptsächlich auf das Westjordanland gerichtet sein“ und „wird sich darauf konzentrieren, das palästinensische Volk zu mobilisieren, um diesem Plan [Israels Annexionsvorschlag] entgegenzutreten.“ Iran und die Hizballah haben Jahre damit verbracht, aktiv Palästinenser und arabische Israelis zu rekrutieren, um Terroranschläge gegen Israelis zu planen.

Die Hamas hat im Juli mehrere Gespräche auf hoher Ebene mit dem Iran geführt. Am 1. Juli führte der Parlamentssprecher des Iran ein Telefongespräch mit Haniyeh und dem Kommandeur des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ), in dem beide palästinensischen Führer das iranische Regime für seine anhaltende Unterstützung lobten. Eine Hamas-Delegation traf auch mit dem iranischen Botschafter im Libanon zusammen, der die Unterstützung der Islamischen Republik für die Palästinenser und ihren „Widerstand“ bekräftigte, so der Bericht von Meir Amit.

Haniyeh sandte auch Briefe an Hizballah-Führer Hassan Nasrallah und die Houthis, Irans militanter Verbündete im Jemen, um die Unterstützung dieser beiden Gruppierungen im Kampf gegen Israel zu sichern, so ein Artikel des Hizballah-Flügels für Medienbeziehungen, über den das Long War Journal am Montag berichtete.

In seinem Brief an die Hizballah forderte der Hamas-Führer beide Terrororganisationen auf, „die Reihen zu schliessen“ und den von Israel vorgeschlagenen Plan zur Ausweitung seiner Souveränität in Teilen des Westjordanlandes zu verhindern.

Die Houthis führen, wie der Iran, keinen territorialen Streit mit Israel, haben aber dennoch das Mantra übernommen: „Allah ist gross, Tod den USA, Tod Israel, Fluch den Juden und Sieg dem Islam.“ Die antisemitische und schiitisch orientierte Ideologie der Gruppe überschneidet sich mit der Weltanschauung und den geopolitischen Zielen des iranischen Regimes. In einer weitgehend symbolischen Geste antworteten die Houthis auf den Brief Haniyehs, indem sie ihre Unterstützung für den „Widerstand gegen die Besatzung“ proklamierten.

Diese jüngsten diplomatischen Interaktionen auf hoher Ebene zeigen, wie die Hamas aktiv nach Unterstützung von aussen für Ressourcen sucht, um israelische Zivilisten anzugreifen, in dem Bemühen, Angst zu verbreiten und Zugeständnisse der Regierung zu erzwingen. Das iranische Regime ist ebenfalls bestrebt, seine Präsenz in der palästinensischen Arena zu verstärken, um Israel inmitten zunehmender regionaler Spannungen besser konfrontieren zu können.

Die Unterstützung der Hizballah für die Hamas ist weitaus robuster als allgemein bekannt. Die Hizballah hat der Hamas bereits früher fortschrittliche Waffen für Angriffe auf Israel geliefert und ermöglicht es der palästinensischen Terrorgruppe, vom Libanon aus eine Operationsbasis zu unterhalten. Die Präsenz der Hamas im Libanon wird von Saleh Al-Arouri, dem stellvertretenden Hamas-Führer, überwacht, der auch bei früheren Besuchen im Iran Hamas Delegationen geleitet hat, um zusammen mit dem Iran die Bemühungen gegen Israel zu koordinieren.

Arouri räumte 2017 ein, dass „die Hilfe, die der Iran dem Widerstand leistet, nicht nur symbolisch ist“ und dass „niemand ausser dem Iran uns [palästinensischen Terrorgruppen] irgendeine militärische Unterstützung gewährt.“ Arouri hat zahlreiche terroristische Komplotte im Westjordanland inszeniert, darunter den Mord an drei israelischen Jugendlichen im Jahr 2014. Das Aussenministerium hat für seine Verhaftung im Jahr 2018 ein Kopfgeld von 5 Millionen US-Dollar ausgesetzt.

Auch der Hamas-Chef im Gazastreifen, Yahya al-Sinwar, lobte 2017 die engen Beziehungen zum Iran und bemerkte anerkennend, dass „der Iran der grösste Unterstützer der [Militärflügel der Hamas] Izz Al-Din Qassam Brigaden mit Geld und Waffen ist.“

Während eines hochrangigen Hamas Besuchs in Teheran im Jahr 2018 rief ein Berater von Ayatollah Khamenei „die Palästinenser auf, [Israel] bis zum endgültigen Sieg weiterhin Widerstand zu leisten.“ Für den Iran bedeutet der „Endsieg“ die Zerstörung des jüdischen Staates.

Trotz divergierender Ideologien und Endziele vereint der unerschütterliche Hass auf den jüdischen Staat bewaffnete sunnitische Islamisten wie die Hamas mit dem Iran, schiitischen militanten Gruppen und säkularen palästinensischen Organisationen.

Anfang Juni hielten Hamas und Fatah eine gemeinsame Konferenz ab und kamen überein, die von Israel vorgeschlagenen Annexionspläne im Westjordanland gemeinsam zu bekämpfen. Wenn sich die beiden palästinensischen Rivalen vereinigen, könnte Israel mit einem koordinierten gewaltsamen Aufstand ähnlich der zweiten Intifada konfrontiert werden, bei dem die Fatah und der PLO angegliederte Organisationen sich der Hamas und der PIJ anschlossen, um tödliche Terroranschläge zu verüben. Es ist jedoch unklar, ob Fatah und Hamas einen einheitlichen Ansatz beibehalten können, da ähnliche Bemühungen in jüngster Zeit gescheitert sind.

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