Qasem Soleimani an der Konferenz der Basij-Mitglieder im Azadi-Stadion am 4. Oktober 2018. Foto http://farsi.khamenei.ir/photo-album?id=40633#i, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73424664
Qasem Soleimani an der Konferenz der Basij-Mitglieder im Azadi-Stadion am 4. Oktober 2018. Foto http://farsi.khamenei.ir/photo-album?id=40633#i, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73424664
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Letzte Woche berichtete die iranische Fars News: „Ein Spion des Mossad wurde gehängt“. Der Iran beschuldigte Mahmoud Mousavi-Majd, „sowohl mit dem Mossad als auch mit der CIA in Verbindung zu stehen, Informationen in verschiedenen Sicherheitsbereichen zu sammeln und sie für US-Dollar an ausländische Geheimdienste weiterzugeben.“

von Seth Frantzman

Er sei für die Weitergabe von Informationen im Zusammenhang mit dem Kommandeur der Quds Brigaden des Korps der Islamischen Revolutionsgarden, Qasem Soleimani, den die USA im Januar getötet hatten, verantwortlich, hiess es in dem Bericht.

Die Hinrichtung sorgte im Iran für Schlagzeilen auf den Titelseiten und wurde nur einen Tag nach einem hochrangigen Besuch des iranischen Aussenministers Javad Zarif im Irak vollstreckt. Die Botschaft dahinter scheint verdeutlichen zu wollen, dass der Iran gegen ausländische Geheimdienstnetzwerke vorgeht und es für die USA oder andere schwieriger gemacht hat, in die Islamische Republik einzudringen.

Nachdem ein Dutzend mysteriöser Brände und Explosionen den Iran seit Ende Juni erschüttert haben, hat das Land erklärt, jede Sabotage könne „eine umfassende Eskalation auslösen.“ In diesem Zusammenhang steht auch die Hinrichtung…

Was soll Mousavi-Majd angeblich getan haben? Die iranische Regierung behauptet, er habe Informationen von Sicherheitsmitarbeitern gesammelt und an ausländische Geheimdienste weitergegeben. Es gibt nicht viele Details auf Englisch, aber Fars News berichtete, sein Vater sei ein Geschäftsmann gewesen, der in den 1970er Jahren häufig nach Syrien reiste. So lernte der angebliche Spion ins Arabische und Englische zu übersetzen. Gemäss Fars News könnte Mousavi-Majd nach Beginn des Bürgerkriegs 2011 in Syrien geblieben sein.

„Die Beherrschung der arabischen Sprache und seine Vertrautheit mit der Geographie Syriens brachten ihn den iranischen Beratungskräften in Idlib und Latakia näher“, meldete Fars News weiter. Obwohl er kein Mitglied des IRGC war, konnte er sich unter dem Deckmantel der Übersetzungsarbeit Zugang zu sensiblen Bereichen verschaffen.

Dem Bericht zufolge wurde er durch die Sicherheitsüberwachung aufgedeckt, da ein „CIA-Offizier in Westasien“ angerufen wurde. Westasien ist der iranische Medienausdruck für den Nahen Osten, so dass die angeblichen Anrufe überall in der Region getätigt worden sein könnten. Mousavi-Majd soll US-Dollar als Gegenleistung für die Bespitzelung erhalten haben, behauptet der Iran. Er gab angeblich Einzelheiten über Berater der Iranischen Revolutionsgarde (IRGC) in Syrien, Waffen und Telekommunikation sowie die Reiseroute verschiedener Kommandeure und den Ort ihrer Reise weiter, einschliesslich Einzelheiten über Soleimani. Mousavi-Majd wurde im Oktober 2018 vom Iran verhaftet und im August 2019 verurteilt, berichteten iranische Medien.

Einzelheiten zu seinem Fall erschienen am 9. Juni. Ihm wurde in erster Linie vorgeworfen, die Bewegungen von Soleimani gekannt zu haben, was den USA half, den IRGC-Kommandeur aufzuspüren. Sein Name wurde zum ersten Mal im Juni, mehrere Monate nach dem US-Angriff auf Soleimani, veröffentlicht.

Der Iran hat ausserdem darauf geachtet, nicht zu sagen, dass die Arbeit von Mousavi-Majd direkt zu Soleimanis Tod führte. Das würde darauf hindeuten, dass sein innerer Kreis unterwandert wurde, worüber der Iran nicht sprechen will.

Der iranische Vorwurf der Spionage ist immer unklar. Manchmal können Akademiker, Schriftsteller und sogar Umweltaktivisten in den Sog solcher Anschuldigungen geraten. Im Februar waren zwei der „Spionage“ Beschuldigte Mitarbeiter einer Wohltätigkeitsorganisation.

In jedem dieser Fälle behauptet der Iran, diese Männer seien in US-Dollar bezahlt worden. Teheran scheint es im Allgemeinen vorzuziehen, die Gründe für Spionage in der individuellen finanziellen Bereicherung zu sehen; dass eine ideologisch feindliche Gesinnung gegenüber dem iranischen Regime hinter Spionageakten stecken könnte, wird vom Iran lieber verschwiegen. Das lässt es dann so aussehen, als wollten die beschuldigten Spione hauptsächlich finanziell davon profitieren, „nationale Interessen“ zu untergraben. Im Gegensatz dazu werden die IRGC-Mitglieder vom Regime als bescheidene Männer der Revolution dargestellt, die nie von ihrer Arbeit profitieren. Dies mag weitgehend das bevorzugte Narrativ sein, um den Eindruck zu erwecken, dass kein Iraner sich dem Regime jemals aus moralischen Gründen, sondern lediglich wegen des Geldes widersetzen würde. 

Der Zeitpunkt der Hinrichtung, nach einer Welle mysteriöser Zwischenfälle im Iran und nach Zarifs Irak-Besuch, könnte so gewählt sein, dass er den Gegnern im Iran folgende Botschaft übermittelt: die iranischen Geheimdienste gehen gegen verschiedene Netzwerke vor und der Iran ist bereit, die von ihm Beschuldigten hinzurichten.

Dabei bleibt unklar, ob der Iran Menschen aufgrund von tatsächlichen Beweisen hinrichtet oder wegen anderer Verbrechen oder wegen angeblicher Spionage in der Vergangenheit, die erst jetzt enthüllt wurde, um zu demonstrieren, dass das Regime jemanden zur Verantwortung gezogen hat.

Seth Frantzman ist Ginsburg-Milstein Writing Fellow beim Middle East Forum und leitender Nahost-Korrespondent der Jerusalem Post. Dies ist eine gekürzte und leicht redigierte Version eines Artikels, der ursprünglich unter dem Titel „Iran Executes ‚US and Israeli Spy‘ as a Message to Washington“ erschien. Übersetzung Audiatur-Online.

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