Konferenz der Basidsch-Mitglieder im Azadi-Stadion am 4. Oktober 2018. Die Basidsch-e Mostaz'afin (persisch بسيج مستضعفين‚ Mobilisierte der Unterdrückten‘, kurz Basidsch) sind eine als inoffizielle Hilfspolizei eingesetzte paramilitärische Miliz des Iran, die sich aus tausenden Freiwilligen rekrutiert. Foto http://farsi.khamenei.ir/photo-album?id=40633#i, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73424569
Konferenz der Basidsch-Mitglieder im Azadi-Stadion am 4. Oktober 2018. Die Basidsch-e Mostaz'afin (persisch بسيج مستضعفين‚ Mobilisierte der Unterdrückten‘, kurz Basidsch) sind eine als inoffizielle Hilfspolizei eingesetzte paramilitärische Miliz des Iran, die sich aus tausenden Freiwilligen rekrutiert. Foto http://farsi.khamenei.ir/photo-album?id=40633#i, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73424569
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Die Vorgehensweise des islamistischen Regimes im Iran gegenüber Israel basiert nicht auf einer materialistischen Kosten-Nutzen-Analyse, wie sie in der Politik im Westen und den meisten anderen Teilen der Welt üblich ist. Vielmehr handelt es sich um eine apokalyptische Haltung, die in einer verschleierten (und manchmal nicht so verschleierten) Form des postmodernen Antisemitismus verwurzelt ist, der sich treffend als Dschihad gegen Juden definieren lässt.

von Reza Parchizadeh

Diese zeitgenössische Art von Antisemitismus wird von einem globalen Konglomerat von Islamisten und Linken betrieben, die Israel als die angestammte Heimat des jüdischen Volkes ins Visier nehmen. Die Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionsbewegung (BDS) ist die offenkundigste Manifestation dieser Zweckehe, aber das antiisraelische Bündnis zwischen Islamisten und Linken hat tiefere Wurzeln und reicht viel weiter zurück.

Im Eifer des Israelophobismus der Nasseriten in den 1960er Jahren begaben sich viele sympathisierende iranische Islamisten und Linke auf eine abenteuerliche Reise in die Levante, insbesondere nach Syrien und in den Libanon, um einerseits Israel zu bekämpfen und andererseits das Schicksal der schiitischen Bevölkerung zu beeinflussen. Als König Hussein von Jordanien Jassir Arafat und seine Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) wegen des Versuchs, die Haschemitische Monarchie zu stürzen, aus dem Land vertrieb, verlegte die Terrorgruppe durch Vermittlung anderer arabischer Führer ihr Hauptquartier nach Beirut.

Dort verbündeten sich die radikalen iranischen Islamisten und Linken, die Israel (aus verschiedenen Gründen) auslöschen wollten, mit Arafat und führten einen Kampf mit pro-westlichen und pro-israelischen maronitischen Christen. Dies führte zu dem verheerenden libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990), dem bisher längsten Bürgerkrieg in der Zeitgeschichte des Nahen Ostens.

Export der Revolution

Der libanesische Bürgerkrieg erwies sich als einer der Schlüsselfaktoren, der die Islamisten im Iran an die Macht brachte. Die Teilnahme an diesem Krieg stärkte die islamistischen und linken Kämpfer, die ihre neu erworbenen strategischen und militärischen Fähigkeiten nutzen wollten, um das vom Westen unterstützte Regime des Schahs zu stürzen. Während und unmittelbar nach der Islamischen Revolution von 1979 im Iran bildeten diese Rückkehrer den so genannten „linken Flügel“ der jungen Islamischen Republik. Aufgrund ihrer Nähe zu Khomeini besser bekannt als die „Linie des Imam“, waren sie eine unerbittlich antiisraelische und antiwestliche Fraktion, die um jeden Preis den „Export der Revolution“ über die iranischen Grenzen hinaus anstrebte.

Kaum hatten sie das Pahlavi-Regime gestürzt, brachten sie Arafat in den Iran und liessen Khomeini bedingungslose Unterstützung für Arafat zusichern. Etwas später, Anfang der 1980er Jahre, riefen sie mit Hilfe des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) die Hisbollah im Libanon ins Leben.

Die berüchtigte Iran-Contra-Affäre, in deren Verlauf hochrangige US-Beamte Waffen an den Iran verkauften und den Erlös zur Finanzierung der nicaraguanischen Kontras verwendeten, wurde von den linken Gruppierungen als Indikator dafür entlarvt, dass das iranische System sich an die Vereinigten Staaten und Israel verkauft hatte. Zu diesem Zeitpunkt griff Khomeini hart durch, um zu verhindern, dass sich Risse in den Reihen des Regimes auftaten. Die Geschicke der Imam-Linie nahmen von diesem Zeitpunkt an allmählich ab, bis sie nach Khomeinis Tod 1988 von der Chamenei-Fraktion völlig in den Hintergrund gedrängt wurden.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich die meist ideologische Abneigung des islamistischen Regimes gegenüber Israel zu einer grossen politischen Strategie für den Aufbau eines Imperiums im Nahen Osten und darüber hinaus.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich die meist ideologische Abneigung des islamistischen Regimes gegenüber Israel zu einer grossen politischen Strategie für den Aufbau eines Imperiums im Nahen Osten und darüber hinaus. Nach den lang gehegten Bestrebungen der „Wiederbelebung des Dar al-Islam [Haus des Islam]“ und der „Führung der islamischen Welt“, die mit Khomeini begannen und sich unter Khamenei systematischer fortsetzten, nutzt die Islamische Republik die Israelophobie als strategischen Hebel, um ihre Ziele unter den mehrheitlich muslimischen Nationen in der Region und der politischen Linken im Westen voranzubringen.

Unterstützung von Sektierertum, Terrorismus und Krieg

Trotz ihrer Unterschiede sind sowohl schiitische als auch sunnitische Fanatiker in ihrem Hass auf Israel vereint, was sie im Hinblick auf die westliche Linke in ein und dasselbe Boot setzt. Das raffinierte islamistische Regime nutzt diesen Punkt der Annäherung zwischen muslimischen Eiferern und der Linken, um sein Projekt eines ideologischen und territorialen Expansionismus im Nahen Osten voranzutreiben und seine Präsenz im Westen zu festigen. Zu all dem kommen die anhaltenden Versuche des Regimes hinzu, dem arabisch-israelischen Friedensprozess einen Strich durch die Rechnung zu machen, insbesondere durch die Unterstützung von Sektierertum, Terrorismus und Krieg.

Das islamistische Regime betrachtet seinen oft wiederholten Satz „Israel muss vom Angesicht der Erde getilgt werden“ nicht als blossen Slogan. Es hat aus Prinzip danach gehandelt und wird dies auch weiterhin tun. Im Jahr 2006 liess das Regime von der Hisbollah innerhalb eines Monats ein tödliches und zerstörerisches Sperrfeuer von über 4.000 Raketen auf Israel entfesseln, das in Städten im Norden Israels schwere Schäden anrichtete und 165 israelische Militärangehörige und Bürger tötete.

In den letzten zehn Jahren hat das iranische Regime den Syrischen Bürgerkrieg genutzt, um seine Streitkräfte in der Nähe der israelischen Grenze zu stationieren, wo sie ständig in das Gebiet des kleinen Landes eindringen und es mit Drohnen, Raketen und Mörsern bedrohen. In letzter Zeit hat das Regime versucht, die israelische Zivilbevölkerung durch ausgeklügelte Cyberangriffe ins Visier zu nehmen. Im April dieses Jahres führten iranische Hacker einen Cyberangriff auf das israelische Wassermanagementsystem durch, um den Chlorgehalt in der landesweiten Wasserversorgung zu erhöhen mit dem Ziel, eine Massenvergiftung israelischer Bürger zu verursachen.

Zuletzt benutzte der Oberste Führer anlässlich des Quds Day, während er alle Muslime leidenschaftlich zum Dschihad gegen Israel aufrief, den Nazi-Ausdruck „Endlösung“, um zu beschreiben, was seiner Meinung nach das Schicksal des jüdischen Staates sein sollte.

Das islamistische Regime im Iran verfolgt sowohl aus tief verwurzelten ideologischen Gründen als auch aus gross angelegten strategischen Absichten besessen und zielstrebig die Leugnung und, wenn möglich, die vollständige Vernichtung Israels. Deshalb wird das Regime, auch wenn es unter der „Maximaldruck“-Kampagne der Trump-Administration leidet, sein Verhalten nicht ändern. Die Auslöschung Israels ist essentiell für sein Wesen.

Jeder Versuch, das islamistische Regime in der freiheitlichen Weltordnung zu „normalisieren“, ohne die ihm innewohnende Antipathie gegenüber Israel, der bisher einzigen freiheitlichen Demokratie im Nahen Osten, zu berücksichtigen, stellt den jüdischen Staat vor eine existenzielle Bedrohung. In den letzten Jahren konnte Israels taktischer „Krieg zwischen den Kriegen“ den Umfang und die Intensität des Dschihads des islamistischen Regimes gegen Juden erheblich einschränken. Doch wenn er ein für alle Mal gestoppt werden soll, muss der Westen eine konsequente und robuste Strategie entwickeln, um das islamistische Regime im Iran durch eine freiheitliche Demokratie zu ersetzen. Diese Strategie muss sich erst noch herausbilden.

Reza Parchizadeh, Ph.D., ist ein politischer Analyst mit Schwerpunkt Naher Osten, USA, Grossbritannien und Russland. Dieser Artikel wurde zuerst vom Begin-Sadat-Zentrum für strategische Studien (BESA) veröffentlicht. Übersetzung Audiatur-Online.

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