Hamas Vertreter Mushir al-Masri überreichte 2012 dem damaligen Grünen Nationalrat Geri Müller eine Skulptur der Al-Aqsa-Moschee, Foto Facebook / Mushir al-Masri
Hamas Vertreter Mushir al-Masri überreichte 2012 dem damaligen Grünen Nationalrat Geri Müller eine Skulptur der Al-Aqsa-Moschee, Foto Facebook / Mushir al-Masri
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Das jüdische Magazin «Tachles» hängt dem grünen Palästinenserfreund an den Lippen, wenn es um die Beurteilung der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Israel geht. Man staunt.

von Max Meyer 

Würde man den Absender nicht kennen, wäre wohl jeder Leser überzeugt, dass es sich um jemanden handeln muss, der sich vorbehaltlos für die Sache Palästinas und der Palästinenser einsetzt. So steht schon im Lead des Textes (Artikel online nicht mehr frei verfügbar), um den es hier geht, dass die Gruppe Schweiz-Israel nun bald «Gegenwind bekommen» könnte. Vermeldet wird das im Sinn einer Jubelmeldung.

Screenshot Tachles.ch

Und so geht es weiter: Als Kronzeuge für die Thesen des Artikels und ausführlich zitierter Interviewpartner wird Geri Müller genannt, abgewählter Nationalrat (Grüne) und ehemaliger Stadtpräsident von Baden. Müller ist Präsident der Gesellschaft Schweiz-Palästina und bekannt für seine palästinenserfreundliche und – gelinde gesagt – israelkritische Haltung. In dieser Funktion hat er verschiedentlich für Aufsehen gesorgt, indem er etwa so militante Personen wie Shawan Jabarin, Chef der palästinensischen Organisation Al-Haq, oder hochrangige Vertreter der Terrororganisation Hamas in die Schweiz und sogar ins Bundeshaus einlud. Im September 2018 wollte Müllers Gesellschaft Schweiz-Palästina gar einen Anlass mit einer Terror-Befürworterin und Antisemitin durchführen. Kurz: Der schillernde Ex-Politiker ist vieles, aber sicher kein objektiver und neutraler Beobachter der Nahostpolitik. Die merkwürdigen journalistischen Methoden, von denen hier zu berichten ist, werden allerdings noch sonderbarer, wenn wir nun den Schleier lüften, wo der einseitige Artikel erschienen ist: Im «Tachles», das sich im Untertitel «Das jüdische Wochenmagazin» nennt. Man staunt.

Belege dafür, dass sich das «Tachles» praktisch eins zu eins mit der Haltung von Geri Müller bezüglich der Nahostpolitik identifiziert, finden sich im Artikel von A bis Z. So ventiliert der Bericht noch im letzten Satz ungefiltert und zustimmend die Ansichten der Parlamentarischen Gruppe Schweiz-Palästina, für welche die von Müller präsidierte gleichnamige Gesellschaft das Sekretariat führt.

Der von Geri Müller eingeladene und durchs Bundeshaus begleitete Hamas-Vertreter Mushir Al-Masri schwingt im Oktober 2015 das Messer und ruft Tausende Palästinenser auf, sich der „Jerusalem-Intifada“ anzuschliessen.  

Auch sonst fällt der «Tachles»-Beitrag durch seine Schlagseite und weitere kuriose Thesen auf. So stösst er sich etwa daran, dass die Fraktion der Schweizerischen Volkspartei (SVP) in der Gruppe Schweiz-Israel stark vertreten sei. Immerhin ist die SVP die mit Abstand grösste Schweizer Partei. Und man fragt sich: Was hat denn ein jüdisches Magazin dagegen einzuwenden, wenn sich die stärkste politische Kraft der Schweiz für gute Beziehungen zum jüdischen Staat einsetzt? In anderen Ländern fallen rechte Parteien durch antisemitische und antiisraelische Parolen auf. Hier durch eine israelfreundliche Einstellung. Und dem «jüdische Wochenmagazin» fällt nichts Besseres ein, als dies zu beklagen? Man staunt ein weiteres Mal.

Screenshot Tachles.ch

Haben Christen die Pest?

Natürlich sind neben SVP-Parlamentariern auch Politiker anderer, vor allem bürgerlicher Parteien in der Gruppe Schweiz-Israel vertreten. Der einzige, den das «Tachles» aber erwähnt, ist der Sozialdemokratische (SP) Ständerat Daniel Jositisch. Er bedaure, dass nicht mehr Linke in der Gruppe vertreten seien, so Jositsch. Da kann man ihm nur zustimmen. Was das «Tachles» allerdings nicht erwähnt, ist eine mögliche Ursache für die weitgehende Absenz der Linken beim Engagement für bessere Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel. Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Linke oft schwertun mit dem jüdischen Staat und beispielsweise gern an vorderster Front mitmachen, wenn geschichtsblinde Fanatiker wieder einmal zum Boykott israelischer Waren aufrufen. «Kauf nicht beim Juden», hiess es im nationalsozialistischen Deutschen Reich

Der Artikel im «Tachles» moniert nicht nur, dass sich die SVP für den jüdischen Staat starkmacht, er kritisiert zudem, dass sich unter den in der Gruppe Schweiz-Israel vertretenen Parlamentariern auch einige Christen fänden, die «religiös unterwegs» seien. Das «Tachles» schreibt über diese gläubigen Christen, als ob sie die Pest hätten. Ist es ihnen denn untersagt, sich für eine Politik der guten Verständigung mit Israel einzusetzen? Müsste man nicht eher die Alarmglocke ziehen, wenn es umgekehrt wäre und der alte katholische oder reformierte Antijudaismus wieder aufflammte? Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.  

1 KOMMENTAR

  1. Ich bin Jude aus der Schweiz,und kann nur eines sagen:Ich kenne Herr Müller und er ist sehr Israelfeindlich eingestellt.So auch die Schweiz und Ihre Regierung.Shabbat Shalom ve AM ISRAEL CHAI.

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