Symbolbild. Foto Gilles Lambert on Unsplash
Symbolbild. Foto Gilles Lambert on Unsplash.com
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Die Social-Media-Plattform TikTok ist laut einem neuen Bericht eine wachsende Brutstätte von Antisemitismus.

Unter der Leitung der Forscher Gabriel Weimann, Professor für Kommunikation an der Universität Haifa und leitender Wissenschaftler am Institut für Terrorismusbekämpfung (ICT), und Natalie Masri, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am ICT, untersuchte der Bericht „Spreading Hate on TikTok“ die Plattform anhand einer systematischen Inhaltsanalyse nach rechtsextremen Inhalten.

Von Februar bis Mai 2020 wurden zahlreiche TikTok-Videos untersucht, dabei konnten 196 Postings enthüllt werden, die mit Rechtsextremismus zu tun hatten. Die am stärksten verbreitete Kategorie rechtsextremer Postings auf TikTok betraf Antisemitismus und Holocaust-Leugnung; die Studie verzeichnete 43 Postings dieser Art, was mehr als einem Fünftel der gesamten Postings entsprach.

Die Forscher entdeckten auch 14 Postings von Adolf Hitlers Reden, 11 Postings mit dem von den Nazis benutzten Siegesgruss „Sieg Heil“, 17 Videos, die zu Gewalt ermutigen und Nazi- oder Neonazi-Symbole wie das Hakenkreuz und das Sonnenrad zeigten, und 26 Konten, die in ihrem Benutzernamen die Nummer „88“ trugen, einen Zahlencode für „Heil Hitler“.

Andere in der Studie dokumentierte extremistische Posts umfassten rechtsextreme Ideologien wie Faschismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Aktivitäten der Postings reichten von Gewaltbefürwortung über die Verbreitung von Verschwörungstheorien bis hin zur Verherrlichung von Terroristen.

TikTok wurde von der chinesischen Firma ByteDance entwickelt und ermöglicht es seinen 1,5 Milliarden aktiven Nutzern, bis zu 60 Sekunden lang Videos mit einer Vielzahl kreativer und interaktiver Funktionen hochzuladen.

Die Forscher erklären jedoch, dass die App auch „eine dunklere Seite hat“, insbesondere im Hinblick auf die Beliebtheit von TikTok bei der jüngeren Generation. Etwa 41 Prozent der TikTok-Nutzer sind zwischen 16 und 24 Jahre alt, und obwohl die Nutzungsbedingungen Nutzer unter 13 Jahren verbieten, sind viele Nutzer, die in Videos erscheinen, deutlich jünger. Dies kann ein Umfeld der Gefährdung schaffen, welches von extremistischen Gruppen ausgenutzt wird.

„Erstens sind die Nutzer von TikTok im Gegensatz zu allen anderen sozialen Medien fast ausschliesslich Kinder und Jugendliche, die naiver und leichtgläubiger sind, wenn es um bösartige Inhalte geht“, heisst es in der Studie, die erstmals in der Zeitschrift Studies in Conflict & Terrorism erschien. „Zweitens ist TikTok die neueste Plattform und liegt damit weit hinter seinen Konkurrenten zurück, die mehr Zeit hatten, sich damit auseinanderzusetzen, wie sie ihre Nutzer vor verstörenden und schädlichen Inhalten schützen können.“

«Dennoch hätte TikTok aus den Erfahrungen dieser anderen Plattformen lernen und die eigenen Nutzungsbedingungen von TikTok anwenden sollen, die keine Postings zulassen, welche absichtlich darauf ausgelegt sind, Menschen zu belästigen, zu verletzen, zu verängstigen, zu bedrängen, in Verlegenheit zu bringen oder die Drohungen mit körperlicher Gewalt enthalten.“

Im Rahmen der Methodik dieser Studie identifizierten Weimann und Masri zunächst TikTok-Bilder bekannter extremistischer Gruppen. Dann sammelten sie Beiträge mit Hashtags, die mit extremistischen Bewegungen in Verbindung gebracht wurden. Schliesslich untersuchten sie die oben genannten Konten und Beiträge sowie Konten, die Interesse am Extremismus zeigten, indem sie die Berichte mit einem Like versahen, kommentierten oder dem Kanal folgten.

„Während der Grossteil der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit, die sich auf soziale Medien konzentrierte, Inhalte von führenden Plattformen wie Twitter, Facebook oder Instagram untersuchte, waren Antisemitismus und andere Formen des Extremismus auf Plattformen wie TikTok bis zu dieser neuen Studie weitgehend unbemerkt geblieben“, sagte Karen Berman, CEO der American Society der Universität Haifa. „Die in dem Bericht veröffentlichten Erkenntnisse und Daten werden die Bemühungen von Social-Media-Plattformen, Regulierungsbehörden und der breiten Öffentlichkeit, Hass und Extremismus aus dem Internet zu verbannen, beeinflussen.“

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