Max Brym. Foto: RIAS Bayern
Max Brym. Foto: RIAS Bayern
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Am 20. Mai wurde der Maccabi-Trainer Max Brym von einem Impfgegner und Coronaleugner in München antisemitisch beleidigt und für Corona verantwortlich gemacht. Brym trug eine Maccabi-Trainingsjacke, auf der ein Davidstern aufgedruckt ist.

Am 20. Mai 2020 geht Max Brym wie fast jeden Tag mit seinem Hund im Englischen Garten in München spazieren. Nicht weit vom Chinesischen Turm entfernt schnüffelt der kleine Terrier Richy gerade zwischen den Bäumen, als einige Meter entfernt ein Mountainbikefahrer neben einer Brücke stehen bleibt. Der Mann um die 40 brüllt zu Brym: „Ihr jüdischen Schweine seid schuld! Ihr Juden habt das mit dem Corona gemacht! Du jüdischer Dreckskerl!“. Brym trägt eine Trainingsjacke seines Vereins TSV Maccabi München e.V., auf der vorne und hinten auch ein Davidstern aufgedruckt ist. Brym wird wütend, geht auf den Fahrradfahrer zu, der ein T-Shirt mit der Aufschrift „Coronaleugner“ und „Impfgegner“ trägt. Daraufhin fährt der Mann davon.

Bryms Vater überlebte die Schoah, 18 seiner Verwandten wurden ermordet. „Ich war von dem Übergriff sehr betroffen, da kommt vieles aus der persönlichen Familiengeschichte wieder nach oben“, sagt Brym gegenüber der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern). Dem 62-Jährigen ist wichtig, dass der antisemitische Vorfall Öffentlichkeit erfährt. Deshalb hat er das Erlebte über seinen Facebookaccount veröffentlicht, bei der Polizei angezeigt und an RIAS Bayern gemeldet.

Brym ist sich sicher, dass auch andere Menschen den Vorfall mitbekommen haben. Er erinnert sich an ein Pärchen und zwei Senioren, die kurz herüberschauten und dann weitergingen. „Ich wünsche mir, sie hätten sich eingemischt, statt weiterzuspazieren“, sagt Brym. Für ihn kam der Übergriff unerwartet, mit solch einem Erlebnis im Englischen Garten hat er nicht gerechnet. Brym glaubt, dass die bayernweiten Demonstrationen von selbsternannten „Corona-Rebellen“, die sich gegen staatliche Massnahmen im Zuge der Coronapandemie richten, gewisse Antisemiten noch aggressiver machen. „Sie sehen sich mehr als zuvor im gesellschaftlichen Mainstream“, sagt Brym.

„Dieser Übergriff zeigt deutlich, dass und wie sich das Denken, das vielerorts bei den ‚Corona-Demos‘ zum Ausdruck kam auch ganz konkret im Alltag gegen Menschen richtet“, kommentiert Annette Seidel-Arpacı, Leiterin von RIAS Bayern. Man mache ‚die Juden‘ wahlweise verantwortlich für eine Erfindung des Virus, das es angeblich gar nicht gäbe, oder für die Entwicklung eines Impfstoffs zum Zwecke der Kontrolle der Weltbevölkerung. Die Vorstellung einer ‚jüdischen Weltverschwörung‘ ist bei den Protesten weit verbreitet, sei es in der Form, gewählte Regierungen als ‚Marionetten‘ zu bezeichnen, in der Chiffre einer ‚New World Order‘, oder in Bildern, die eine geplante ‚Zwangsimpfung‘ durch ‚zionistische‘ Polizeieinheiten imaginieren. „’Die Juden‘ sind also schuld – und genau das wird dann einem Spaziergänger, der als solcher identifiziert wird, entgegengeschrien“, sagt Seidel-Arpacı.

Für Brym, der bei Maccabi München eine Fussball-C-Jugend-Mannschaft trainiert, war es nicht das erste Mal, dass seine Maccabi-Jacke negative Reaktionen zeitigte. Auf einer Busfahrt zum Training fragten ihn etwa Passagiere, was das denn für ein Verein sei. Als er dann „ein jüdischer Sportclub“ antwortete, hiess es: „Ach sowas, schon wieder irgendwas von den Juden.“

Robby Rajber, Präsident des TSV Maccabi München, betrachtet die antisemitische Attacke gegen Brym mit grosser Sorge, meint jedoch, dass derartige heftige Anfeindungen die Ausnahme darstellen. Am Rand von Fussballspielen sei es leider immer wieder zu antisemitischen Bemerkungen gekommen, die aber unverzüglich und vehement vom Bayerischer Fussball-Verband e.V. geahndet wurden.

„Die jüdische Identität von Maccabi ist ein wesentlicher Bestandteil des Vereins, sowie die Werte der Offenheit und des Aufeinanderzugehens. Wir sind ein jüdischer Verein, offen für Alle. Und wir werden unsere Identität nicht aufgeben und weiterhin zu unserem Logo, dem Maccabi-Davidstern stehen. Offener Antisemitismus, wie er Herrn Brym widerfahren ist, wird uns nicht dazu bewegen, unsere Maccabi-Jacken im Schrank zu lassen. Auch unsere muslimischen, christlichen und buddistischen Mitglieder tragen die Maccabi-Jacken mit Stolz. Bei vielen nichtreligiösen jüdischen Mitgliedern trägt Maccabi einen enorm wichtigen Teil zu ihrer jüdischen Identität bei. Sollte in Zukunft das Tragen von Maccabi-Jacken in der Öffentlichkeit eine Gefahr darstellen, ist es vielleicht an der Zeit sich zu fragen, ob man als Jude noch in Deutschland leben sollte – dann allerdings hätte Hitler gewonnen!“, sagt Rajber.

Max Brym hat sein Verhalten nach dem Übergriff nicht geändert. „Die Jacke bleibt an!“, sagt er im Gespräch mit RIAS Bayern mehrmals. „Ich bin der Meinung, man muss solchen Leuten oder solchen Strömungen offen entgegentreten. Ich versuche, damit umzugehen und ich wehre mich auch persönlich. Da wird das Blut halt heiss, wenn sowas ist“.

Der TSV Maccabi wurde nach der Schoah von Überlebenden in München wieder gegründet. Bundesweit sind jüdische Turn- und Sportvereine im Makkabi Deutschland e.V. organisiert. Eine kurze Geschichte zu jüdischen Turnvereinen und der Maccabiah sind hier zu finden: https://makkabi.de/maccabiah/

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