Höhle der Patriarchen / Höhle der Machpela. Foto Oren Rozen, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54424116
Höhle der Patriarchen / Höhle der Machpela. Foto Oren Rozen, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54424116
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Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) hat einen israelischen Plan, die Höhle der Patriarchen in Hebron mit einem Zugang für Rollstuhlfahrer auszustatten, als „Verjudung“ bezeichnet und dagegen protestiert. Das meldet Palestinian Media Watch (PMW), eine israelische NGO, die Politikerreden, Medienberichte und Kommentare aus den Palästinensischen Autonomiegebieten ins Englische übersetzt.

Derzeit haben Besucher der religiösen Stätte Dutzende von Stufen zu erklimmen. Rollstuhlfahrer müssen entweder auf den Besuch verzichten oder getragen werden. Der zu installierende Aufzug wird sowohl den jüdischen als auch muslimischen und christlichen Besuchern der heiligen Stätte zugute kommen.

Die von Juden auch Höhle der Machpela – was so viel wie „Höhle der Doppelgräber“ heisst – genannte Grabstätte, in der die drei biblischen Erzväter Abraham, Isaak und Jakob mit ihren Frauen Sarah, Rebekka und Lea begraben sind, ist eine der wichtigsten heiligen Stätten und Pilgerorte des Judentums. In 1. Mose 23 ist beschrieben, wie Abraham einem Hetiter namens Efron, dem der Acker, auf dem die Höhle steht, gehörte, diesen mitsamt der Höhle abkaufte, um darin seine gerade verstorbene Frau Sara zu begraben. Dies war der erste Grundstückskauf für das jüdische Volk im Land Israel. Die Beerdigung Sarahs wiederum war die erste Bestattung, die die Bibel erwähnt. Später wurde Abraham selbst in der Höhle begraben, dann sein Sohn Isaak und dessen Frau Rebekka sowie Isaaks Sohn Jakob und dessen Frau Lea.

Zwischen 31 und 4. v. Chr. liess der judäische König Herodes der Grosse ein hohes rechteckiges Gebäude über der Höhle errichten. Während der byzantinischen Zeit wurde an der Höhle eine Basilika errichtet, Hebron wurde eine wichtige christliche Pilgerstätte. Nach der arabischen Invasion im 7. Jahrhundert wurde auf der Ruine der Basilika eine Moschee erbaut. Der gesamte Komplex wird von Muslimen als Ibrahims-Moschee bezeichnet. Der nördliche Teil ist Muslimen, der südliche Juden zum Gebet vorbehalten. Es gibt zwei verschiedene Eingänge, doch sowohl Juden als auch Muslime müssen die steilen Stufen steigen. 700.000 Menschen besuchen den Ort jedes Jahr.

Rollstuhlfahrer können ein tragbares Treppensteigegerät nutzen, dieses kann jedoch nicht am Schabbat oder an Feiertagen verwendet werden und muss im Voraus angefordert werden. Im Juli 2018, als der an den Rohlstuhl gebundene Rabbi Eliyahu Bakshi-Doron, der ehemalige sephardische Oberrabbiner Israels, die Stätte besuchte, musste er die Stufen heraufgetragen werden. Beim Tragen von Rollstuhlfahrern kam es in der Vergangenheit Berichten zufolge schon einmal vor, dass ein Rollstuhlfahrer fiel und sich verletzte.

Die Ministerin für soziale Gleichstellung, Gila Gamliel, setzte das Thema vor zwei Jahren auf die politische Tagesordnung, als sie in einem Brief an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und den damaligen Verteidigungsminister Avigdor Lieberman um die Genehmigung für den Bau eines Aufzugs bat. „Dies ist eine zivile Angelegenheit“, erklärte sie, „der Aufzug kann sowohl jüdischen als auch muslimischen behinderten Menschen dienen. Am 51. Jahrestag der Befreiung von Judäa und Samaria ist es an der Zeit, einen Aufzug am Eingang zur Höhle der Patriarchen zu bauen.“

Im Februar 2020 äusserte sich der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung, Gabi Ashkenazi vom oppositionellen Bündnis „Blau und Weiss“ mit den Worten, es handle sich hier um eine „humanitäre“ und keine „politische“ Angelegenheit. In den letzten zwei Jahren habe es bereits zwei Ausschussdiskussionen zu diesem Thema gegeben, sagte er. Es sei „inakzeptabel“, dass es keinen behindertengerechten Zugang zum Grab der Patriarchen gibt, so Ashkenazi. „Ich verstehe, dass es hier eine gewisse Komplexität gibt. Aber alle Versuche, einen Dialog mit den Palästinensern zu diesem Thema zu führen, sind gescheitert und deshalb müssen wir unabhängig handeln“.

Im staatlichen Fernsehen der Palästinensischen Autonomiebehörde wurden die Pläne nicht nur in scharfen Worten verurteilt, sondern so dargestellt, als wolle Israel die Moschee übernehmen. Ein Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu vor Ort wurde als „Invasion“ bezeichnet. Laut der englischen Übersetzung von Palestinian Media Watch sagte der Nachrichtensprecher des offiziellen PA-Fernsehens:

„Der Rechtsberater der [israelischen] Regierung hat eine Entscheidung zur Übernahme des Landes der heiligen Ibrahimi-Moschee (d.h. der Höhle der Patriarchen) in Hebron genehmigt. Diese Entscheidung steht im Zeichen der Expansion, es geht darum, das Land der Ibrahimi-Moschee zu übernehmen … „

Der PA-Fernsehreporter vor Ort sagte:

„Dies ist die Fertigstellung eines Plans, den der [israelische] Premierminister [Benjamin] Netanjahu während seiner letzten Invasion in Hebron vorgelegt hat. Dessen Ergebnisse werden darin bestehen, das Land der [Ibrahimi] -Moschee zu übernehmen und einen elektrischen Aufzug innerhalb der Moschee zu bauen, als Dienstleistung für die Siedler, die die Siedlung in diesem Gebiet stärken wollen… Die Besatzungsregierung nutzt die Umstände der Ausbreitung der Coronavirus-Epidemie aus, um ihre Epidemie der Verjudung und Besiedlung der Altstadt [von Hebron] und der Ibrahimi-Moschee auszuweiten.“

 

In der Art und Weise, wie die PA religiöse und archäologische Stätten für ihre Propaganda gegen Israel benutzt, gibt es seit Jahren wiederkehrende Muster:

  1. Jüdische Stätten, auf denen irgendwann einmal eine Moschee erbaut wurde (Tempelberg, Höhle der Patriarchen oder auch Rahels Grab), werden als exklusiv islamisch dargestellt.
  2. Jeder Jude wird als Siedler bezeichnet, jeder Besuch eines Juden in der betreffenden heiligen Stätte wird als „Invasion“ oder als „Stürmen“ bezeichnet.
  3. Die Bezeichnung „Moschee“ wird auf das ganze Gebiet ausgeweitet. Wenn also etwa Juden den Tempelberg besuchen, heisst es, „jüdische Siedler“ hätten die „Al-Aksa-Moschee gestürmt“.

Zudem wird jede Massnahme, die Israel vorschlägt, schon allein deshalb abgelehnt, weil sie von Israel kommt. Ein bekanntes Beispiel ist die Mughrabi-Brücke in Jerusalem, der einzige Zugang zum Tempelberg, den Nichtmuslime benutzen dürfen. Die frühere Rampe war 2004 durch heftiges Unwetter teilweise eingestürzt, so dass an ihrer Stelle eine hölzerne Behelfskonstruktion errichtet wurde. Israelische Vorschläge, sie durch eine permanente Konstruktion – mit einem Fussboden, der bei Regen weniger rutschig ist – zu ersetzen, wurden von der jordanischen Waqf-Stiftung und arabischen Kommentatoren als angebliche Gefährung der Al-Aqsa-Moschee brüsk zurückgewiesen. Die „Al-Aqsa-in-Gefahr“-Lüge wurde auch benutzt, als Israel die 1948 von jordanischen Truppen niedergebrannte Hurva-Synagoge im alten jüdischen Viertel von Jerusalem wiederaufbaute. Diese wurde 2010 wiedereingeweiht. Damals gab es Proteste, die teilweise mit dem abwegigen Argument begründet wurden, die Al-Aqsa-Moschee werde durch die – 400 Meter entfernte! –  Synagoge gefährdet. Der damalige Hamas-Führer Khaled Meschaal sagte: „Wir warnen vor dieser Aktion des zionistischen Feindes, die Hurva-Synagoge wiederaufzubauen und einzuweihen. Sie bedeutet die Zerstörung der Al-Aqsa-Moschee und den Bau des Tempels.“

2015 hetzte der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, zur Ermordung von Juden auf: Diese würden Al-Aqsa „entweihen“. „Dies werden wir nicht zulassen“, so Abbas. „Al-Aqsa ist unser. Die Grabeskirche ist unser.“ Die Juden hätten „kein Recht, sie mit ihren schmutzigen Füssen zu entweihen, wir werden ihnen das nicht gestatten“.

Er heisse „jeden Tropfen Blut, der für Jerusalem vergossen wird“, „willkommen“, so Abbas. Diese Aufrufe zum Mord basieren auf der Ideologie, wonach Juden in Israel keine heiligen Stätten hätten, sondern es darauf abgesehen hätten, die muslimischen Stätten zur erobern und zu zerstören. Für diese Geschichtsklitterung erhält die PA die Unterstützung der UNESCO. 2017 wurde in einer Resolution jegliche Verbindung zwischen dem Judentum und dem Jerusalemer Tempelberg, einschliesslich der Klagemauer, geleugnet, und die Stätten wurden ausschliesslich bei ihren arabischen Namen genannt: Haram Al Sharif und Al-Buraq-Mauer. Da es der Palästinensischen Autonomiebehörde unter Abbas allein darum geht, den Konflikt um heilige Stätten zu eskalieren und für ihre Zwecke zu nutzen, ist ihr kein Vorwand zu dumm. Da wird der Bau eines Aufzugs für Rollstuhlfahrer rasch zu einer „Epidemie der Verjudung“.

 

 

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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1 KOMMENTAR

  1. Abbas & Co sind wirklich blöd. Als ob das Grab durch die Tatsache, daß die Patriarchen samt Ehefrauen darin liegen, nicht jüdisch genug wären. Wie kann man einen ausgesprochen jüdischen Ort noch jüdischer machen durch einen Lift für Rollstuhlfahrer? Einen Lift, der auch Moslimen und Christen zur Verfügung stehen würde? Das hat nichts mit „Verjudung“ zu tun, sondern nur mit palästinensischem Haß.
    lg
    caruso

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