Mitten in der Coronavirus-Krise kämpft Israel gleichzeitig gegen Spione im Inland

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Schulungszentrum der Hamas in Gaza-Stadt am 8. Oktober 2019. Foto Majdi Fathi/TPS
Schulungszentrum der Hamas in Gaza-Stadt am 8. Oktober 2019. Foto Majdi Fathi/TPS
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Während nahezu die ganze Welt darauf konzentriert ist, das Coronavirus zu bekämpfen, führt Israel einen Kampf an zwei Fronten, indem es gegen das Virus und den Terrorismus gleichermassen kämpft. Die Feinde Israels nutzen die von der Pandemie verursachte Instabilität auf vielfältige Art und Weise aus. Allein in der vergangenen Woche feuerte die im Gazastreifen ansässige Terrororganisation Hamas Raketen auf Südisrael ab und die im Libanon ansässige Hisbollah drang mit einer Drohne von den Golanhöhen aus in den israelischen Luftraum ein. Zu den Bemühungen der Terrororganisationen, die auf die Zerstörung Israels aus sind, gehört auch die Rekrutierung israelisch-arabischer Spione. 

von Edy Cohen

Die Sicherheitsherausforderungen, denen sich Israel gegenüber sieht, sind weit komplexer, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Sie gehen weit über die Raketen- und Drohnenangriffe, die häufig in den Nachrichten zu sehen sind, hinaus. Tag für Tag findet versteckt unter dem Radar geheime Kriegsführung statt – egal welche globale Krise gerade stattfindet.

Elemente dieses unsichtbaren Kriegs sind Cybersicherheit und -spionage. Auch wenn die Details dieser Art der Kriegsführung hochsensibel und daher geheim sind, werfen die jüngsten Ereignisse ein wenig Licht auf einige der Herausforderungen, denen sich Israel tagtäglich erfolgreich stellt.

In den letzten zwei Monaten wurden zwei israelische Araber wegen Spionagetätigkeit für den Iran und die Hisbollah verhaftet. Israelische Araber sind ein attraktives Ziel für die Rekrutierung durch terroristische Einheiten, da sie die volle israelische Staatsbürgerschaft besitzen und somit ungehinderten Zugang zu öffentlichen Orten geniessen sowie das Recht, sich frei im gesamten Land zu bewegen. Im Gegensatz zu jüdischen Israelis verfügen sie sogar über Zugang zu den von der palästinensischen Autonomiebehörde verwalteten Gebieten im Westjordanland. Für einheimische Informanten ist es eine einfache Aufgabe, Geheimdienstinformationen über israelische Militärstandorte zu beschaffen.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist Geld der zentrale Motivationsfaktor, der diese Menschen zur Spionage bewegt. Ein nicht minderer Beweggrund für einige ist jedoch die tief verwurzelte Ideologie, deren Ziel die Zerstörung des jüdischen Staates ist. Das heisst natürlich nicht, dass hin und wieder nicht auch Juden für die Feinde Israels spionieren. Dennoch zeigt die Statistik, dass die Wahrscheinlichkeit dafür, dass jüdische Bürger dies tun, wesentlich geringer ist, als es bei Arabern der Fall ist.

Spionage für den Iran

Am 16. März wurde ein männlicher Israeli der Spionage für den Iran beschuldigt und verhaftet (ausserdem soll er Kontakte zu der im Libanon ansässigen palästinensischen Terrororganisation „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ unterhalten haben). Angeblich sollen seine iranischen Mittelsmänner die Beschaffung detaillierter Informationen über israelische Sicherheitseinrichtungen, Möglichkeiten der Rekrutierung israelischer Araber, Mittel zur Vertiefung bestehender Gräben in der israelischen Gesellschaft und zur Verübung von Terroranschlägen von ihm verlangt haben. Bei seinen Treffen mit den iranischen Anwerbern im Ausland soll er mit Geldmitteln, Ausbildung und geheimen Verschlüsselungsprogrammen ausgestattet worden sein.

Spionage für die Hamas

Aya Khatir, eine 31-jährige israelische Staatsbürgerin, Einwohnerin von Arara in der Region Wadi Ar und Mutter zweier Kinder, wurde am 17. Februar wegen Spionage für die Hamas verhaftet. Laut den Untersuchungen arbeitete sie für eine Hilfsorganisation, die bedürftige Familien im Gazastreifen unterstützt. Anstatt den mittellosen Einwohnern des Gazastreifens zu helfen, missbrauchte sie jedoch ihre Position, um Geld in die Terror-Infrastruktur der Hamas zu schleusen und die Organisation zum Zweck der Verübung von Terroranschlägen mit Geheimdienstinformationen über israelische Ziele zu versorgen.

Bemühungen der Hamas, die israelische Gesellschaft zu infiltrieren, um deren arabische Bevölkerung zwecks Spionage in ihre Reihen zu rekrutieren, sind nicht selten. Im Januar wurde ein von der Hamas betriebener Spionagering, der mit israelischen Informanten agierte, von den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) aufgedeckt. Die Nachforschungen ergaben, dass Elemente innerhalb des bewaffneten Arms der Hamas israelische Araber für die Zusammenarbeit mit ihrem Geheimdienst angeworben hatten, um entscheidende Informationen für die Verübung von Terroranschlägen innerhalb Israels zu erhalten. Offenbar waren die von der Hamas zur Rekrutierung ausgewählten israelischen Araber nicht zufällig gewählt, sondern basierend auf ihren familiären Verbindungen zum Gazastreifen – dank derer sie die Möglichkeit hatten, den Gazastreifen zu betreten – gezielt ausgewählt worden.

Terrororganisationen wie die Hamas werden ihre Bestrebungen zur Rekrutierung von Spionen voraussichtlich weiterhin verstärken. Social Media-Plattformen vereinfachen dies erheblich, indem sie terroristischen Gruppierungen ermöglichen, israelische Staatsbürger zu erreichen, ohne entdeckt zu werden. Sie unterhalten zahlreiche Fake-Profile auf Facebook und Instagram, mit deren Hilfe sie Personen auf Grundlage der Art und Weise ihrer Posts gezielt ins Visier nehmen.

Dr. Edy Cohen ist Wissenschaftler am BESA Center und Autor des Buches The Holocaust in the Eyes of Mahmoud Abbas (auf Hebräisch). Dies ist die überarbeitete Fassung eines Artikels, der am 16. April 2020 in Israel Today erschienen ist. Übersetzung Audiatur-Online.

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