Grenzschutzpolizistin die in der Stadt Bnei Brak vorbeifahrende Autofahrer kontrolliert und die Mobilitätsbeschränkungen durchsetzt. 3. April 2020. Foto Kobi Richter/TPS
Grenzschutzpolizistin die in der Stadt Bnei Brak vorbeifahrende Autofahrer kontrolliert und die Mobilitätsbeschränkungen durchsetzt. 3. April 2020. Foto Kobi Richter/TPS
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Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu und Innenminister Aryeh Deri haben sich darauf geeinigt, für den Pessachabend, der am Mittwoch bei Sonnenuntergang beginnt, eine vollständige landesweite Ausgangssperre zu verhängen.

Im Gespräch mit Channel 12 News erklärte Deri: „Wir haben vor einigen Wochen eine Ausgangssperre in Betracht gezogen, aber wir wollten das Land nicht lähmen. Am Pessachfest arbeitet niemand und die Büros sind geschlossen. Besonders in der Sedernacht wollen wir nicht, dass die Menschen von einer Familie zur anderen ziehen. So sehr es uns auch das Herz zerreisst, dieses Jahr darf der Seder nur mit der Kernfamilie gefeiert werden“.

Das israelische Parlament billigte gestern Abend, um den Ausbruch des Coronavirus zu bekämpfen, weitere Massnahmen zur Durchführung von Sperren und Schliessungen in acht israelischen Städten und mehreren Vierteln Jerusalems, viele davon ultra-orthodoxe Gemeinden. Die Schliessungen werden etwas lockerer sein als die in der vergangenen Woche um Bnei Brak verhängte Vollsperrung und werden zunächst sieben Tage dauern.

Die auf der Liste aufgeführten Städte sind: Elad, Modiin Illit, Beitar Illit, Beit Shemesh, Tiberias, Ashkelon, Migdal Haemek und Or Yehuda. Zu den 15 Stadtteilen in Jerusalem gehören: Har Nof, Mea Shearim, Ramot und Givat Mordechai, wobei möglicherweise auch mehrere arabische Stadtteile in Ost-Jerusalem in Zukunft einbezogen werden.

Ähnlich wie bei der Abriegelung um Bnei Brak wird die Durchsetzung von der israelischen Polizei mit Kontrollpunkten, Patrouillen und der Überprüfung von Personen durchgeführt. Das IDF-Heimatfrontkommando wird eine unterstützende Rolle übernehmen, insbesondere bei der Versorgung der Anwohner mit Lebensmitteln. Im Gegensatz zur vollständigen Sperrung um Bnei Brak werden die neuen Beschränkungen in den oben genannten Gebieten den Bewohnern weiterhin die Ein- und Ausfahrt zur Arbeit ermöglichen.

Das Gesundheitsministerium meldete am Montag 8’611 bestätigte Fälle von Coronavirus in Israel, mit bisher 56 Todesfällen. Insgesamt seien 141 Patienten in kritischem Zustand, von denen 107 an ein Beatmungsgerät angeschlossen sind. Weitere 191 Personen befinden sich in moderatem Zustand. Die überwiegende Mehrheit sind leichte Fälle, nämlich 7’643.

Das exponentielle Wachstum hat sich in Israel verlangsamt, so dass einige die Einschätzung vertreten, dass es dem Land gelingt, „die Kurve abzuflachen“. Die meisten Experten warnten jedoch davor, dass die bevorstehenden Pessach-, Oster- und Ramadan-Feiertage alle Erfolge, die nach fast vier Wochen der nationalen Abschottung erzielt wurden, zunichte machen könnten. 

Kritiker sowohl in der Regierung, als auch in der Opposition, hoben weiterhin das niedrige Niveau der nationalen Tests hervor. In den letzten Tagen schwankte die Zahl der täglich durchgeführten Tests zwischen 5’000 und 7’000 und lag damit deutlich unter den von den Gesundheitsbehörden versprochenen 10’000. Der Grund für die Verzögerung wurde auf einen Mangel an Abstrichmaterialien zurückgeführt, die für die Tests notwendig sind.

 

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