Natan Sharansky: „Die Idee, dass Juden hinter dem Virus stecken ist nichts Neues“

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Natan Sharansky. Foto Hillel Maeir/TPS
Natan Sharansky. Foto Hillel Maeir/TPS
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Natan Sharansky – der ehemalige sowjetische Dissident und Refusenik, der zwischen 2009 und 2018 die Jewish Agency leitete – hat sich gegen antisemitische Verschwörungstheorien ausgesprochen, die Juden mit der Coronavirus-Pandemie in Verbindung bringen und festgestellt, dass dies leider „nichts Neues“ sei.

In einer Rede vor einer Online-Veranstaltung am Sonntag verwies Sharansky auf die Pest-Epidemie (Schwarzer Tod) des 14. Jahrhunderts als Präzedenzfall für die heutige Misere.

Die Idee, dass Juden hinter dem Virus stecken, dass Juden Märkte zerstören wollen, um Geld zu verdienen oder dass Israel dahinter steckt – das ist nichts Neues“, sagte Sharansky. „Wir haben es während des Schwarzen Todes im Mittelalter gesehen. Es gab den verbreiteten Glauben, dass Juden dahinterstecken.“

In seiner Rede bei der ersten digitalen Preisverleihung der in den USA ansässigen Bewegung zur Bekämpfung des Antisemitismus (CAM) – die wegen der anhaltend schnellen Verbreitung des Virus online stattfand – betonte Sharansky, dass „der Unterschied zwischen damals und heute darin besteht, dass der Staat Israel heute stark ist, wir den Antisemitismus bekämpfen und wir ihn besiegen werden“.

Der Sondergesandte des Aussenministeriums, Elan Carr, der den US-Aussenminister Mike Pompeo in Sachen Antisemitismus berät, sprach ebenfalls vor der Versammlung, bei der die 37 Gewinner eines Wettbewerbs für kreative Vorschläge zur Bekämpfung des Antisemitismus bekannt gegeben wurden.

„Die derzeitige US-Administration ist entschlossen, den Antisemitismus mit Worten und Taten zu bekämpfen“, erklärte Carr. „Die Verwaltung ist verpflichtet, die physische Sicherheit der Juden zu gewährleisten, die Verbreitung von Antisemitismus im Internet zu bekämpfen, die Radikalisierung von Schülern im Nahen Osten durch Schulbücher zu beenden, über Philo-Semitismus aufzuklären und rechtliche Schritte gegen diejenigen zu unternehmen, die Antisemitismus praktizieren“, so Carr.

Sacha Roytman-Dratwa, der Direktor von CAM, betonte wie wichtig es gewesen sei, die Veranstaltung gerade jetzt durchzuführen: „Die Coronavirus-Epidemie bietet einen fruchtbaren Boden für die Verbreitung antisemitischer Propaganda. Aus diesem Grund und angesichts der allgemeinen Zunahme antisemitischer Handlungen in den letzten Monaten fordern wir die Regierungen dringend auf, sich entschieden gegen jegliches Aufkommen von Antisemitismus zu wehren und raten den jüdischen Gemeinden, zusätzliche Vorsichtsmassnahmen zu treffen.“

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