Auch deutsche Neonazis bei „Lukov-Gedenken“ in Bulgarien

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Deutsche Neonazis bei Lukov-Gedenken in Sofia. Foto Grischa Stanjek/democ. e. V.
Deutsche Neonazis bei Lukov-Gedenken in Sofia. Foto Grischa Stanjek/democ. e. V.
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Rund 250 Neonazis gedachten am Abend des 22 Februar 2020 in Sofia dem bulgarischen Faschisten und NS-Kollaborateur Hristo Lukov. Hristo Nikolow Lukow, Generalleutnant und Führer der „Union der bulgarischen Nationalen Legionen“, der während des Ersten Weltkriegs zum Major aufstieg, kollaborierte während des Zweiten Weltkriegs mit den deutschen Nationalsozialisten.

Die Union der bulgarischen Nationalen Legionen unterstützte unter Lukov das Nationale Verteidigungsgesetz, welches ab 1941 in Bulgarien in Kraft trat. Es handelte sich dabei um ein an den Nürnberger Gesetzen orientiertes Gesetz, welches Juden in Bulgarien die Grundrechte entzog. Es war Teil staatlicher Politik, durch die Juden nicht nur erniedrigt wurden, sondern es ihnen auf finanzieller und ökonomischer Ebene unmöglich gemacht wurde für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Eine Strafsteuer gegen Juden wurde erlassen und männliche Juden wurden zu Zwangsarbeit in Lagern gezwungen. All diese unmenschlichen und grausamen Massnahmen wurden von Lukov, der zu dieser Zeit grossen Einfluss auf die bulgarische Regierung hatte, unterstützt.

Mehrere hunderte Menschen zogen in den vergangenen Jahren jeweils am sogenannten „Lukov-Marsch“, teils uniformiert und mit Fackeln ausgestattet, durch die Strassen Sofias und riefen dabei nationalistische Parolen wie „Frei, sozial und national“.

Der Marsch wurde in diesem Jahr kurzfristig verboten und es wurde lediglich eine Kundgebung erlaubt. Laut „democ. Zentrum Demokratischer Widerspruch e. V.“, nahmen daran unter anderem Rechtsextreme aus Bulgarien (Bulgarische Nationale Union, Byal Front), Deutschland (Die Rechte), Frankreich (Les Nationalistes, Pride France), Skandinavien (Nordic Resistance Movement), Ungarn (Legio Hungaria) und den USA (Rise Above Movement) teil. 

Einer Gruppe aus dem Umfeld der deutschen rechtsextremen, neonazistischen Kleinstpartei „Die Rechte“ wurde im Vorfeld durch deutsche Behörden die Ausreise verweigert. Diese gingen aber gegen das Verbot vor und nahmen an der Kundgebung teil.

 

Der Vorsitzende von „Die Rechte“, Sascha Krolzig, wurde vor kurzem wegen Volksverhetzung und Beleidigung zu einer sechsmonatigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Krolzig hatte den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold im Internet als „frechen Judenfunktionär“ bezeichnet. Krolzig will gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm Verfassungsbeschwerde einlegen.

Veranstaltet wird das Gedenken durch die rechtsextreme „Bulgarische Nationale Union – Edelweiss (BNU)“. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft ein Verbot der Organisation gefordert, da diese eine illegale Militärstruktur gebildet hätten und antisemitische Propaganda betreiben. Bei Hausdurchsuchungen wurden Waffen, Munition sowie Uniformen und nazistische Literatur beschlagnahmt.

Am Nachmittag zogen laut dem Zentrum Demokratischer Widerspruch e. V. rund 300 Menschen durch das Zentrum der bulgarischen Hauptstadt und protestierten gegen das rechtsextreme Gedenken.

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