Die Araber und der Holocaust

0
799
Die Delegation in Auschwitz. Foto Islamische Weltliga / themwl.org
Die Delegation in Auschwitz. Foto Islamische Weltliga / themwl.org
Lesezeit: 5 Minuten

Führende Persönlichkeiten aus aller Welt besuchten kürzlich Israel, um des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz zu gedenken. Gleichzeitig mit diesem Besuch fand ein weiterer wichtiger historischer Besuch statt: Zum ersten Mal besuchte eine Delegation führender Araber das nationalsozialistische Vernichtungslager.

von Dr. Edy Cohen

Der Vorsitzende der Islamischen Weltliga, der saudische Scheich Muhammad Issa, besuchte Auschwitz am 23. Januar mit einer Delegation führender muslimischer Gelehrter. Einer der prominentesten war der libanesische Schiitenführer Dr. Muhammad Ali Husseini, der in einer Erklärung die Ermordung der Juden im Holocaust verurteilte. „Der Besuch in Auschwitz ist ein Ausdruck islamischer Verurteilung der Naziverbrechen im Holocaust“, sagte er. „Dies sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir lehnen jede Art von religiöser Unterdrückung ab, weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft.“

Husseini könnte für diese Aussagen einen hohen Preis bezahlen. Am Tag nach diesen Äusserungen am bekanntesten Ort des nationalsozialistischen Völkermordanschlags, reichte eine Gruppe von libanesischen Journalisten aus dem Umfeld der Hisbollah, bei den libanesischen Gerichten eine Klage gegen ihn ein. Sie beschuldigten ihn unter anderem des Kontakts mit dem zionistischen Feind, der Verachtung der islamischen Religion und der Aufwiegelung des Krieges zwischen Muslimen.

Alles wegen seines Besuchs in Auschwitz.

 

Warum dauerte es 75 Jahre, bis einige arabische Führer den Holocaust anerkannten, während der grösste Teil der arabischen Welt den Völkermord am jüdischen Volk immer noch leugnet? Bevor wir uns mit diesem Phänomen befassen, ist es aufschlussreich, die Definition der Holocaust-Leugnung zu untersuchen.

Die Leugnung des Holocaust bedeutet nicht unbedingt, dass man leugnet, dass der Holocaust jemals stattgefunden hat. Vielmehr geht es darum, Lügen oder Halbwahrheiten zu verbreiten und sie als Mittel zu benutzen, um dem jüdischen Volk und dem Staat Israel zu schaden.Zu diesen Lügen gehören die Geringschätzung des Holocausts, die Minimierung der Opferzahlen oder die Verbreitung falscher Behauptungen über die Umstände ihres Todes, insbesondere die Leugnung der Existenz von Gaskammern.

Die schwerstwiegendste Art der Verleugnung ist der Vorwurf, die Juden seien verantwortlich für den Holocaust. Adolf Eichmann versuchte dies, als er als Verbrecher in Argentinien auf der Flucht war und viele Araber haben seither seine verdrehte Erzählung übernommen. Die Nazis waren natürlich die ersten, die den Holocaust leugneten, als sie sich weigerten die Verantwortung für ihre Verbrechen zu übernehmen.

In der Regel ist es in der arabischen Welt des 20. Jahrhunderts verboten, Mitleid mit dem „jüdischen Feind“ zu empfinden oder mit den Juden über den Holocaust mitzufühlen. Viele, wenn nicht sogar die meisten Araber sehen den Völkermord nur im Hinblick auf die Probleme, die er angeblich den Arabern verursachte, nämlich den Verlust des „Landes“, das die Palästinenser nie hatten, als die aus Europa fliehenden Juden in ihre alte Heimat zurückkehrten.

Einer der ersten Fälle öffentlicher arabischer Leugnung des Holocaust war, als sie Druck auf Westdeutschland in der Frage der deutschen Reparationen an Holocaust-Überlebende und den Staat Israel ausübten. In einer seltenen Demonstration der Einheit forderten die arabischen Staaten, dass Bonn nicht einzelne Juden oder Israel entschädigen, sondern das Geld den Palästinensern geben sollte.

Die Arabische Liga drohte sogar damit, die Beziehungen zu Westdeutschland abzubrechen und zu boykottieren, indem sie behaupteten, die Juden seien für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich. Der westdeutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer liess sich von den Drohungen nicht beirren und unterzeichnete das Entschädigungsabkommen im September 1952.

Verschwörungstheorien

Viele Verschwörungstheorien über den Holocaust finden auch heute noch ihren Weg in die arabische Welt. Die erste und heimtückischste ist die Idee, dass die europäischen Länder Adolf Hitler baten, die Juden wegen ihres Verrats und ihres bösen Einflusses auf die örtliche Gesellschaft, der sich in so üblen Machenschaften wie Prostitution, Glücksspiel und Wucher manifestierte, zu vernichten.

Dann gibt es die Idee, dass die Juden nach dem Zweiten Weltkrieg für überhöhte Opferzahlen sorgten, um die Gunst der internationalen Gemeinschaft zu gewinnen und Deutschland finanziell zu erpressen.

Eine dritte Verschwörungstheorie stammt von muslimischen Extremisten wie dem alten Kleriker Yusuf Qaradawi, der den Holocaust damit rechtfertigt, dass er als „angemessene Bestrafung“ definiert wird, die Allah den Juden wegen ihrer üblen Taten im Laufe der Geschichte auferlegt hat, nicht zuletzt wegen ihrer Weigerung, zum Islam zu konvertieren, während der Zeit Mohammeds.

Die vierte und am weitesten verbreitete Theorie gehört zur Lehre von Mahmoud Abbas, dem Vorsitzenden der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). In den 1980er Jahren schrieb Abbas als Student an der Patrice Lumumba-Universität in Moskau seine Doktorarbeit über den Holocaust. Das Ergebnis war weniger eine Dissertation als vielmehr ein Stück sowjetischer Propaganda, die darauf abzielte, Israel zu verleumden.

Der Titel von Abbas‘ grotesker Dissertation lautet „Die andere Seite: Die geheime Beziehung zwischen Nazismus und Zionismus“. Darin behauptet Abbas, dass der Holocaust eine jüdische Verschwörung war, die begann, als Israels erster Premierminister, David Ben-Gurion, mit Hitler kollaborierte, um so viele Juden wie möglich zu töten, um die Gründung eines jüdischen Staates im Land Israel zu rechtfertigen. Er fährt fort, indem er die Zahl der jüdischen Todesopfer auf weniger als eine Million herabsetzt und behauptet, sie seien nicht als Folge eines von den Nazis verübten Holocaust, sondern als normale Folge des Krieges (d.h. durch Krankheit, Hunger usw.) gestorben.

Leider glauben viele Araber in Ermangelung einer angemessenen Ausbildung zumindest eine dieser Verschwörungstheorien. In den arabischen Ländern lehren sie nicht nur nicht die Wahrheit über den Holocaust, sondern sie fördern auch das Misstrauen gegenüber allen Büchern und Geschichten, die sich mit dem Thema befassen.

Der Besuch der muslimischen Delegation im Vernichtungslager wurde noch vor wenigen Jahren für unmöglich gehalten. Es besteht kein Zweifel, dass die neue Offenheit in den Beziehungen Israels zu den Golfstaaten dazu beigetragen hat, dieses historische Ereignis Wirklichkeit werden zu lassen.

Die regionale Aggression des Irans ermutigt die arabischen Führer in gewisser Weise, sich Israel und den USA anzunähern. Die arabische Welt beginnt auch, die Geduld mit der Unnachgiebigkeit und Korruption der palästinensischen Führung zu verlieren und sieht den israelisch-palästinensischen Konflikt nicht mehr als Grund, die Beziehungen zum jüdischen Staat zu meiden. Einige Araber beginnen, Israel als ein Beispiel für den Erfolg des Westens in ihrer Mitte zu sehen und sind nicht mehr blind für die enormen Erfolge, die Israel und die Juden für die Region erzielen können.

Diese Entwicklungen ebneten den Weg für den historischen Besuch in Polen. Was die rechtlichen Konsequenzen für Scheich Husseini in seinem Heimatland Libanon betrifft, sollten die westlichen Länder ihm und seiner Familie unverzüglich politisches Asyl gewähren, da er Gefahr läuft, einen hohen Preis für seine Bemühungen um Frieden und Koexistenz zwischen Juden und Arabern zu zahlen.

Dr. Edy Cohen ist Wissenschaftler am BESA Center und Autor des Buches The Holocaust in the Eyes of Mahmoud Abbas (Hebräisch). Dies ist die überarbeitete Fassung eines Artikels, der am 27. Januar 2020 in Israel Today erschienen ist. Übersetzung Audiatur-Online.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.