Ayaan Hirsi Ali: „Dalia Al-Aqidi fordert Ilhan Omar heraus. Ich bin mit Dalia.“

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Sie ist eine im Irak geborene amerikanische Muslimin und unterstützt die Aussenpolitik von US-Präsident Donald Trump: Dalia Al-Aqidi (51), die 1988 im Alter von 20 Jahren aus dem Reich Saddam Husseins floh, will im November bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus im 5. Distrikt von Minneapolis die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar (37) schlagen. Vor wenigen Tagen kündigte Al-Aqidi an, bei den im August stattfindenden Vorwahlen der Republikaner anzutreten.

In ihrer Journalistenkarriere hat Al-Aqidi u.a. für Voice of America gearbeitet und war Korrespondentin im Weissen Haus für den von den USA finanzierten arabischsprachigen Fernsehsender Al-Hurra. Im Irak beriet sie 2007 laut ihrer Website die Regierung beim Aufbau von Informationsdiensten und dem professionellen Umgang mit Medienvertretern.

Sollte sie die Vorwahlen der Republikaner gewinnen, wäre ihr grosse Medienaufmerksamkeit sicher, denn dann würde sie bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus um den Sitz der wohl umstrittensten Kongeessabgeordneten der USA kämpfen. Ilhan Omar sorgt mit ihren oft radikalen und teilweise antisemitischen Äusserungen regelmässig für Schlagzeilen.

Als Audiatur-Online im Oktober 2018 – vor den Wahlen, bei denen Omar in den Kongress einzog – davor warnte, dass fanatische Israelhasser wie Ilhan Omar auf den Capitol Hill zusteuern, hätte wohl kaum jemand vermutet, dass Nancy Pelosi, die Sprecherin der Demokraten und Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, die neugewählte Abgeordnete Ilhan Omar auch gleich zum Mitglied im aussenpolitischen Ausschuss ernennen würde. Nun sitzt in dem wichtigen Ausschuss jemand, der behauptet, Israel würde die Welt „hypnotisieren“, damit niemand Israels „bösartige Taten“ sehe.

Anfang 2019 suggerierte Omar, die israelfreundliche Haltung, die die meisten Kongressabgeordneten beider Parteien auszeichnet, sei bloss auf Bestechung zurückzuführen. US-Politiker, so die Unterstellung, würden nicht die Interessen des eigenen Landes vertreten, sondern seien in Wahrheit von proisraelischen Lobbyisten gekauft. It’s all about the Benjamins, baby, twitterte sie. „Benjamins“ ist ein Slangbegriff für Geld (weil Benjamin Franklin auf der 100-Dollar-Note abgebildet ist). Dass Omar unter Dutzenden Synonymen von „Geld“ einen wählte, der auch gleichzeitig ein biblischer jüdischer Vorname ist, war wohl kein Zufall. So wurde aus dem Satz ein Wortspiel; er kann bedeuten: „Es geht nur ums Geld“, aber auch „Es geht nur um die Juden“.

Ilhan Omar selbst hatte im Wahlkampf 2018 Spenden von etlichen Lobbyorganisationen und Organisationen und Einzelpersonen erhalten, die mit Omars Wahlkreis in Minnesota nichts zu tun haben, dafür aber der Muslimbruderschaft nahestehen. So hatte etwa die islamistische Organisation CAIR, die für Omar die Werbetrommel rührt, Treffen mit Spendern in Kalifornien organisiert. Manche sagen, Omar sei selbst Mitglied der Bruderschaft. Im Repräsentantenhaus stimmte sie gegen eine Resolution, die den Völkermord an den Armeniern anerkennt. Boykotte gegen Diktaturen wie die in Venezuela lehnt Omar ab. Selbstverständlich ist sie auch gegen die Sanktionen gegen die Türkei, die die USA wegen des türkischen Einmarschs und Bombardements in Syrien beschlossen haben. Das einzige Land, das sie mit Sanktionen belegen möchte, ist Israel.

Dalia Al-Aqidi präsentiert sich als das Gegenteil von Ilhan Omar. In einem Wahlkampfspot auf ihrer Website sagt sie:

„Ich habe einen langen Weg zurückgelegt, von dem Ort, wo ich angefangen habe. Als ich ein Mädchen war, flohen meine Mutter und ich von zu Hause. Wir flohen aus einem Land ohne Freiheit, regiert von einem brutalen Diktator [im Bild: Saddam Hussein; S.F.], wo die zynische Lüge, dass die Regierung für alles sorgen wird, zu Unterdrückung, Krieg und Massenmord führte. Wir reisten weit – in die Vereinigten Staaten von Amerika [im Bild: die Freiheitsstatue], die, wie Sie wissen werden, die Courage hatten, gegen Tyrannen aufzustehen [im Bild: der Sturz des Saddam-Hussein-Denkmals auf dem Bagdader Firdaus-Platz im Jahr 2003] und menschliche Freiheit und Chancen zu fördern. Ich wurde vom Flüchtling zur Journalistin, kam von Kriegsgebieten ins Weisse Haus. Ich wurde von einem verängstigten Mädchen zu einer entschlossenen Kämpferin gegen Unterdrückung, wo immer ich sie finde [im Bild: Dalia Al-Aqidi mit einem Sturmgewehr vor einem Saddam-Wandgemälde]. Manchmal ist das näher, als wir denken.“

Von der Vergangenheit im Irak schwenkt der Spot zur amerikanischen Gegenwart. Im Bild erscheint die Kuppel des Kapitols, wo der amerikanische Kongress seinen Sitz hat. Nun geht es um Feinde der Freiheit wie Ilhan Omar:

„In unserem eigenen Kongress zerreissen Agenten der Wut und der Zwietracht Amerika von innen. Wie Ilhan Omar. Wir sind einander scheinbar ähnlich: Beide Muslime, beide Frauen, beide Flüchtlinge. Doch wir könnten nicht weiter voneinander entfernt sein.“

An dieser Stelle wird ein Screenshot des CNN-Programms eingeblendet, die Meldung, dass US-Streitkräfte den iranischen Terrorgeneral Qassem Soleimani getötet haben. Es geht weiter mit den Worten:

„Als Präsident Trump die Mordserie von Qassem Soleimani beendete, einem bösartigen Terroristen – da war Ilhan Omar empört, attackierte den Präsidenten und verteidigte den Terroristen, trieb uns mehr und mehr auseinander. Sie behauptet, für alle Muslime zu sprechen, doch sie spricht nicht für mich.

Der dritte Teil des Spots verbindet die Tötung Soleimanis mit Dalias Lebensgeschichte:

„Als Amerikanerin, die im Irak geboren wurde, ist es für mich etwas Persönliches. Ich war so stolz: Mein Land, mein Präsident entfernt etwas so Böses aus der Welt. Als ich amerikanische Bürgerin wurde, leistete ich einen Eid, die Verfassung zu unterstützen und gegen alle Feinde von aussen und von innen zu verteidigen [im Bild: die Verfassung]. Das ist der Grund, warum ich für den Kongress kandidiere. Mein Name ist Dalia Al-Aqidi. Ich habe aus nächster Nähe die Folgen dessen gesehen, was Ilhan Omar tut [im Bild: der Angriff schiitischer Milizen auf die US-Botschaft in Bagdad und Vertreter des iranischen Regimes, die „Tod Amerika!“  brüllen]: Konflikt, Spaltung, Unterdrückung. Ich bin dieser Welt einmal entkommen und werde nicht zulassen, dass es hier geschieht. Ich kandidiere, weil wir alle nicht so weit voneinander entfernt sind, wie sie uns glauben machen will. Ich kandidiere, um uns enger zusammenzubringen.“

Es erscheint der Name Dalia, mit einem roten Sternchen als i-Punkt, darunter der Schriftzug: Al-Aqidi For Congress. Sollte Al-Aqidi sich gegen ihre innerparteilichen Konkurrenten durchsetzen, wie sind dann ihre Chancen, im November Ilhan Omar zu schlagen? Auf dem Papier sehr gering. Omar gewann den Sitz 2018 mit 78 Prozent der Stimmen. Minnesota ist eine Bastion der Demokraten, der einzige Bundesstaat, den Walter Mondale 1984 gegen Ronald Reagan gewann. Der letzte republikanische Präsidentschaftsbewerber, der in Minnesota erfolgreich war, war Richard Nixon 1972. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um einen urbanen Wahlkreis handelt, der zum grossen Teil in Minneapolis liegt, eine Hochburg der Demokraten. Ilhan Omar hat starken Rückhalt im – wachsenden – linken Parteiflügel und wird ihre Anhänger zu mobilisieren wissen. Al-Aqidis Chance ist, dass Omar mit ihren radikalen Äusserungen und ihrem Auftreten viele Moderate verprellt, zudem ist sie erwiesenermassen eine Lügnerin: Im Wahlkampf 2018 behauptete sie, sie unterstütze die Boykottbewegung gegen Israel nicht, kurz nach den Wahlen bekannte sie sich zu der BDS-Kampagne, die von in den USA verbotenen Terrorgruppen wie der Hamas und der PFLP gesteuert wird.

Unterstützung erhält Al-Aqidi von der Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali. Nach der Bekanntgabe von Al-Aqidis Kandidatur twitterte sie:

„An all meine Mitamerikaner, bitte erkundigt euch nach dieser tapferen und patriotischen Frau: Dalia Al-Aqidi. Hier ist ein Zitat von ihr: ‚Ich bin loyal zu dem Land, das mir eine Chance und eine bessere Zukunft gegeben hat.’ Dalia fordert Ilhan Omar heraus. Ich bin mit Dalia.“

Ilhan Omar hingegen wird vom türkischen Präsidenten Erdogan und dem amerikanischen Neonazi David Duke unterstützt.

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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