*Kippa, Kirchen und Koran: Konfliktherd Jerusalem* Screenshot Youtube / NZZ Format
*Kippa, Kirchen und Koran: Konfliktherd Jerusalem* Screenshot Youtube / NZZ Format
Lesezeit: 8 Minuten

Bedauerlicherweise hat das Schweizer Fernsehen SRF 1 den erstmals am 14. März 2019 ausgestrahlten Film aus der Serie NZZ Format „Kippa, Kirchen und Koran, Konfliktherd Jerusalem“ von Katharina Deuber nochmals ins Programm aufgenommen, und zwar am 9. und 12. Januar 2020. Zwar wurde inzwischen ein einzelner Kurzkommentar umformuliert, ohne jedoch Missverständnisse auszuräumen. Die Verantwortlichen haben es leider unterlassen, sich ernsthaft mit der bereits 2019 geäusserten Kritik zu befassen.  

Bei «Kippa, Kirchen und Koran, Konfliktherd Jerusalem» handelt es sich zwar nicht um einen der Filme, die sich dem „Israel-Bashing“ verschrieben haben. Dafür aber führt er das Publikum grundlegend in die Irre, indem u.a. behauptet wird, der Konflikt um Jerusalem und den Tempelberg sei rein politischer und nicht religiöser Natur. Diese Behauptung ist nicht nur einfach falsch, sie verharmlost diesen bald 100 Jahre alten Konflikt auf eine gefährliche Art und Weise. Zum falschen Bild tragen auch die muslimischen Exponenten mit wenig glaubhaften, allzu konzilianten Äusserungen bei. Die Realität wird ausgeblendet. Dazu zählt die Charta der PLO/Fatah, deren Ziel es ist, Israel auszulöschen.

Ein Kommentar von Hanspeter Büchi

Grundsätzlich akzeptiert der Islam den Staat Israel nicht, weil dieser auf ehemals von Islam beherrschtem Territorium liegt (Dar al-Islam). Der Konflikt ist daher religiöser Natur, auch wenn im Film das Gegenteil behauptet wird. Im Film ist von Juden, Christen und Muslimen die Rede, womit wiederholt diese drei Religionen angesprochen werden, – nicht aber die existierenden, grundlegenden Spannungen mit der islamischen Seite. Dieser Problematik wird auch dadurch ausgewichen, indem sich die Vertreter der muslimischen Seite (Yousef, Natsheh, Sway) im Film auffallend moderat und versöhnlich geben, wohl aus taktischen Gründen. Beim Publikum dürfte dies zweifellos gut ankommen, was wohl auch der Zweck war. Dies umso mehr, als es keine Kontrahenten gab, die auf die antijüdische und antiisraelische Haltung des Islam in Sachen Jerusalem und Tempelberg hinwiesen. Diese Einseitigkeit macht den Film im Grunde genommen unbrauchbar. Dies betrifft auch den gezeigten geschichtlichen Abriss, der keiner Überprüfung standhält. Das vorliegende irreführende Bild des Konflikts kann bei den Menschen mangels besserem Wissen zu falschen Schlussfolgerungen führen.

Der Film spricht wohl den vielleicht sensibelsten Ort auf unserem Planeten an. Er erfordert neben Basiswissen auch Kenntnisse in Sachen Islam, Geschichte und Rechtslage Israels. Die Wahl kompetenter, glaubwürdiger Exponenten steht resp. stünde im Vordergrund. In dieser Beziehung hat der Film mehrheitlich versagt.

Der Islam und das Verhältnis zum Judentum/Christentum

Im Film geben sich die Muslime gegenüber den anderen Religionen wie erwähnt durchwegs moderat und konziliant. Nur ist Haltung des Islam eine völlig andere. Man lasse sich daher nicht verführen, wenn Y. Natsheh meint:  «Wir alle lieben Jerusalem, das leuchtet uns eigentlich ein. Wir sollten den Glauben, die Traditionen und die Herkunft der anderen respektieren. Unsere Mission müsste sein, so gut wie möglich zu werden». Ähnlich milde tönt es von M.A. Sway: « Der Kern der menschlichen Beziehungen ist im Grunde Gerechtigkeit, wir wollen keine Unterdrückung, keine Besetzung oder keinen Kolonialismus sehen. Wir wollen keine Machtstrukturen sehen, die gewisse Gemeinschaften diskriminieren. Wir sollten die Privatsphäre der anderen respektieren. Ich bin Gast bei Dir zuhause, aber es ist Dein Haus…». (Die hier kritisierte Besetzung ist gemäss internationalem Kriegsrecht legal, eine Folge des Sechstagekriegs von 1967, als Israel von Jordanien angegriffen wurde).

Im Film bemerkt M. Brugnyar «Für Muslime ist Jesus natürlich ein Prophet…für Juden ist Jesus einer der ihren…«. Leichtfertig ist die Reaktion der Sprecherin: «Umso unverständlicher, dass sich die drei monotheistischen Religionen seit Jahrhunderten bekämpfen, denn sie teilen ihren Ursprung. Das Alte Testament oder die Torah, wie das Buch bei den Juden heisst, bilden bei allen die Grundlage. Und Abraham ist Stammvater für Juden, Christen und Muslime». Falsch kombiniert! Der Koran ist die Heilige Schrift der Muslime, die Torah resp. Bibel ist die der Juden und Christen. Abraham hatte 2 Söhne, Ismael und Isaak. Den ewigen Bund einschliesslich der Landzusage machte Gott mit Abraham, Isaak, Jakob und dessen Nachkommen (Psalm 105). Allzu leichtfertig resp. irreführend im Film auch die Aussage von Rabbiner Sperber«Der Islam akzeptiert das sog. Alte Testament, die hebräische Bibel, obwohl es gewisse Änderungen gibt; sie (die Muslime) akzeptieren auch die hebräischen Propheten wie Abraham, Moses und Mohammed als letzten Propheten». Sperber verschweigt dabei, dass Mohammed den Juden und Christen später vorwarf, sie hätten die Schriften verfälscht. Zudem, wie Professor Moshe Sharon erklärt, betrachtet der Islam die biblischen Propheten als Muslime, was auch für Jesus, für Adam gilt. Die Sprecherin fährt fort «Bei all den Gemeinsamkeiten müssten alle drei Religionen an den gleichen Gott glauben, oder nicht? In seiner Antwort drückt sich Sperber aus wie es zahlreiche ungläubige Theologen in unseren Breitengraden tun würden: «Ich bin überzeugt, dass Judentum und Islam an den gleichen Gott glauben». Falsch, Allah und der Gott der Juden und Christen sind nicht derselbe. Mark A. Gabriel (Pseudonym) schreibt in seinem Buch «Swislam»: «Das Wort «Islam» bedeutet Unterwerfung und nicht Frieden. Der Islam ist auch keine friedliche Religion, sondern ruft Muslime auf, alle Ungläubigen zu töten. Die meisten friedlichen Verse, die im Koran zu finden sind, wurden durch den «Vers des Schwertes» ausser Kraft gesetzt und ersetzt.». Der Aufruf des Muftis von Jerusalem im Jahr 2012, die Juden zu töten, ist nur ein Beispiel von vielen. Zu verweisen ist diesbezüglich auf die Links www.palwatch.org und  Saat des Hasses D – YouTube.

Mit Erstaunen hört man daher im Film Aussagen wie u.a. von Mustafa Abu Sway: «Wir sollten an den gleichen Gott glauben, wir müssen an den gleichen Gott glauben, es gibt nur 1 Gott (aus seiner Sicht wohl Allah). Die Unterschiede bestehen darin, wie wir uns selber einbringen. Gott ist der gleiche, seine Botschaft auch, wir sind eingeladen, Gottes Worte als liebe Deinen Gott und liebe Deinen Nächsten zu verstehen». Ähnlich  Omar Yousef: «Die Juden flohen vor der Verfolgung in Europa (auch) ins Osmanische Reich. Es war nicht das demokratischste System, aber ich denke, dass der Islam eine gewisse Toleranz hat, weil er als letzte Religion kam. Darum anerkennt er die anderen». Nun, auch diese Schalmeienklänge entsprechen eben nicht den Tatsachen, was nicht ausschliesst, dass es im kleinen Kreis zwischen Muslimen und Juden gute Kontakte geben kann. Der Islam und seine Führer haben jedoch ein anderes Ziel vor Augen. Im Koran steht z.B. in Sure 61.9. «Er ist es, der seinen Gesandten geschickt hat mit der Führung und der Religion der Wahrheit, auf dass er sie obsiegen lasse über alle Religionen, auch wenn die Götzendiener es hassen».

Geschichte und Rechtslage Israels

Der Film vermittelt den folgenden rudimentären historische Abriss des Konflikts, leider eine völlig fehlerhafte Darstellung:

«Mit dem ersten Weltkrieg änderten sich die Verhältnisse in Jerusalem. Die Stadt kam unter britisches Mandat. Nach dem Holocaust im 2. Weltkrieg wurde der Druck immer grösser, den Juden einen eigenen Staat zu geben. 1948 wurde Israel gegründet und Jerusalem geteilt in einen israelischen West- und einen palästinensischen Ostteil. Die Teilung war vom 1. Tag an umstritten, führte zu Flüchtlingen auf beiden Seiten und bis heute zu gewalttätige Auseinandersetzungen. Im Sechstagekrieg von 1967 eroberte Israel schliesslich nach 1900 Jahren den Tempelberg zurück.»

Tatsächlich geschah im 20. Jahrhundert folgendes:

1917 verpflichtete sich die britische Regierung in der sog. Balfour-Erklärung, sich für eine Nationale Heimstätte für das jüdische Volk im damals Palästina genannten Gebiet einzusetzen, ehemals Teil des besiegten Osmanischen Reichs. 1922 beauftragte der Völkerbund die Briten, diese Heimstätte im Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer inkl. (ganz) Jerusalem zu errichten. Da war Platz für alle, für Muslime, Juden, Christen. Das Gebiet galt als unentwickelt und unterbevölkert. Doch unter Führung von Amin Al-Husseini (dem späteren Freund Hitlers) bekämpften die Muslime ab 1920 die geplante jüdischen Heimstätte. 1947 lehnten die Araber den UNO-Teilungsplan ab und griffen 1948 den soeben gegründeten Staat Israel an. Dessen noch heute gültige Grundlagen bilden die Balfour-Erklärung und das Völkerbundmandat. Israel konnte sich behaupten, doch besetzte Jordanien widerrechtlich Judäa/Samaria (sog. Westjordanland) und den Ostteil Jerusalems mit Altstadt und Tempelberg. Jener Krieg führte zu Flüchtlingen auf beiden Seiten. Im Sechstagekrieg von 1967 von Jordanien angegriffen eroberte Israel diese Gebiete zurück. Erstmals seit 1948 konnten die Juden wieder an der Klagemauer beten. Trotz Oslo und Israels Friedensofferten von 2000 und 2008, dauern Hetze und Terror gegen Israel fort, ein religiöser Konflikt.

Der Direktor des American Colony Hotel Jerusalem, der Schweizer Guy Lindt, spricht im Film davon, das Hotel befinde sich im palästinensischen Teil Jerusalems, mitten auf palästinensischem Gebiet. Da erst seit einigen Monaten im Amt ist er mit den Fakten offenbar nicht vertraut. Es gibt rechtlich gesehen weder einen palästinensischen Teil Jerusalems, noch palästinensisches Gebiet. Ganz Jerusalem war/ist Teil der sog. Jüdischen Heimstätte gemäss Völkerbundmandat von 1922 (die jordanische Besetzung 1948-67 war illegal).

Busse und Wohnungen

Die Problematik des Getrenntlebens der religiösen Gruppen bewegt die Sprecherin zur Aussage: «Ein Beispiel sind die beiden Bussysteme der Stadt. Die grünen Busse fahren mehrheitlich im jüdischen Teil der Stadt, die weissen in die muslimischen Gebiete. Zum Teil fahren sie auf der gleichen Strecke. Die Haltestellen liegen nur wenige Meter auseinander. Die Menschen der beiden Religionen begegnen sich so kaum». Was soll diese Aussage? Es sind zwei Bussysteme mit verschiedenen Aufgaben. Zudem verkehren die grünen Busse in ganz Jerusalem und befördern – wie das Tram – Vertreter/innen aller Religionen. Nicht korrekt ist auch die Kritik: «Die Balance der Religionen ist fragil. Die jüdischen Bewohner dringen immer stärker in die anderen Quartiere vor. Zum einen kaufen die Juden den Arabern ihre Häuser ab, zum anderen besetzen «ultrareligiöse Siedler» Wohnungen im arabischen Teil und markieren sie mit israelischen Fahnen…etc.»  Diese Darstellung ist nach meinen Informationen falsch, zudem tendenziös, weil nicht «Siedler» sondern Juden – egal ob ultraorthodox oder nicht – im Ostteil legal Wohnungen kaufen dürfen. Warum eigentlich nicht, verdrängt wird niemand. Doch das scheint nicht ins Konzept des Films zu passen…. 1967, am Ende der jordanischen Besetzung lebten in Ostjerusalem etwa 55,000 Muslime, heute sind es über 300,000. Es gibt dort über 50,000 illegal erstellte Wohnungen von Palästinensern, dies, obwohl auch sie Baubewilligungen erhalten. Von all dem ist im Film nicht die Rede.

Fazit: In diesem Film werden unkritisch, einseitig und ohne Sachkenntnis Dinge thematisiert und fragwürdige Aussagen gemacht oder übernommen, die wie erwähnt zu falschen Schlussfolgerungen führen. Das ist im vorliegenden Fall besonders fatal, weil es um einen zentralen religiösen Konflikt geht. 

Im Film kommen unter anderem zu Wort: Rabbiner Daniel Sperber (Jerusalem), Omar Yousef (Architekt, Jerusalem), Yousuf Natsheh (Direktor Islam. Archäologie Haram al-Sharif), Mustafa Abu Sway (Islamwissenschaftler al-Quds Universität), Markus Brugnyar (röm. kath. Priester, Jerusalem), Sarah Bernstein (Rossing Center Jerusalem), Yvonne Friedmann (Bar-Ilan Universität, Ramat Gan), Prof. Dieter Vieweger (Archäologe und Theologe, Jerusalem), Guy Linth (Direktor American Colony Hotel Jerusalem), sowie eine Sprecherin/ein Sprecher.

1 KOMMENTAR

  1. Herr Büchi hat dankenswerter Weise die vielen Falschaussagen und Halbwahrheiten dieses Filmchens in akribischer Weise auseinander genommen. Es ist erstaunlich, was alles einen „Faktencheck“ besteht und durchgewunken wird, solange nur die richtige politische Gesinnung dahinter steckt.

    Mit Unwissen oder gar Dummheit allein lässt sich die Wiederholung dieses Streifens nicht erklären.

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