Warum die Hamas die Invasion der Türkei in Nordsyrien unterstützt

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Hamas Kundgebung in Gaza zur Unterstützung Erdogans, Juli 2016. Foto Palestinian Media Agency-ALRAY
Hamas Kundgebung in Gaza zur Unterstützung Erdogans, Juli 2016. Foto Palestinian Media Agency-ALRAY
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Mitte Oktober, nachdem US-Präsident Donald Trump den Rückzug der amerikanischen Truppen aus Nordsyrien angekündigt hatte, drang das Militär des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in das von den Kurden kontrollierte Gebiet ein.

von Omer Demir

Ankara betrachtet die Kurden in Nordsyrien als PKK-nahe Terroristen, die wegen ihres Freiheitswunsches als ernsthafte Bedrohung für die nationale Sicherheit der Türkei angesehen werden. Die Eliminierung der kurdischen Autonomie ist seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges 2011 eine Schlüsselpriorität für Erdoğan.

Der amerikanische Rückzug aus dem Gebiet das an die Türkei grenzt, wurde von Erdoğan offenbar als grünes Licht für eine Invasion wahrgenommen, auf die er fast ein Jahrzehnt lang gewartet hatte. Obwohl es keinen Zweifel an den verheerenden Auswirkungen gibt, die dieser Schritt auf die Kurden hat und weiterhin haben wird, stellt sich die Frage, ob und inwieweit er Israel betrifft, ein Nachbarland, das ein Unterstützer der kurdischen Unabhängigkeit war und zu Recht eine noch grössere iranische Machtübernahme in Syrien befürchtet.

Israels Feinde verteidigten, wenig überraschend, sofort den angekündigten Ausstieg von Trump und lobten die Invasion von Erdoğan. So zum Beispiel die Hamas, die Terrororganisation, die den Gaza-Streifen beherrscht.

Die Hamas strebt, wie die Türkei, nicht nur die Zerstörung Israels an, sondern hat auch enge Verbindungen zur Regierung Erdoğan. Der militärische Flügel der Hamas unterhält ein Büro in Istanbul, trotz des internationalen Drucks auf die Türkei, dieses zu schliessen. Bei einem offiziellen Besuch in London im Mai 2018 erklärte Erdoğan:

„Ich halte die Hamas nicht für eine terroristische Organisation. Hamas ist eine der Widerstandsbewegungen, die sich für die Befreiung der besetzten Gebiete der Palästinenser einsetzen.“

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu reagierte auf den Kommentar auf Twitter und schrieb:

„Erdogan gehört zu den grössten Unterstützern der Hamas und es besteht kein Zweifel, dass er Terrorismus und Gemetzel bestens versteht. Ich schlage vor, dass er uns keine Moralpredigten hält. „

Mit anderen Worten: Die „ideologische Liebesaffäre“ der Türkei mit der Hamas ist kein Geheimnis.

Doch während die Türkei, die Mitglied der NATO ist, möglicherweise ein doppeltes Spiel mit dem Westen spielt – sie unterstützt gleichzeitig die Hamas und betreibt realpolitische Diplomatie mit Washington und Jerusalem – ist sich die Hamas über ihre radikal-islamistische Agenda im Klaren. Wie ihre terroristischen Pendants im gesamten Nahen Osten, von denen viele vom iranischen Regime finanziert werden, will die Hamas Israel nicht nur deshalb vernichten, weil es ein jüdischer Staat ist, sondern weil es die amerikanischen Werte der Freiheit und Demokratie teilt. In den Augen der Hamas sind die Kurden eine Erweiterung dieses westlichen Bündnisses.

Wie Khaled Abu Toameh kürzlich schrieb:

In einer Erklärung der Hamas vom 14. Oktober heisst es, dass die Terrorgruppe „das Recht der Türkei versteht, ihre Grenze zu schützen, sich zu verteidigen und Bedrohungen die der nationalen Sicherheit schaden zu bekämpfen und die Manipulation des zionistischen Mossad in der Region, als Teil von (Israels) Bemühungen, die arabische und islamische nationale Sicherheit zu untergraben, zu beseitigen „.

Die Hamas lobte Erdogan auch für seine „Unterstützung der palästinensischen Sache und die Rechte des palästinensischen Volkes“ und sprach sich gegen „die zionistische und US-amerikanische Präsenz in der Region“ aus.

Sami Abu Zuhri, ein Hamas-Sprecher im Gazastreifen, unterstützte die Türkei. „Die israelische Medienkampagne gegen die Türkei ist unhöflich und inakzeptabel. Israel wird der Feind bleiben und die Türkei wird in den Herzen der Muslime bleiben“, schrieb er auf Twitter.

Ein anderer Hamas-Anführer, Izzar al-Risheq, sagte, dass seine Gruppierung „zuversichtlich ist, dass Präsident Erdogan keine Ambitionen in Syrien hat und er nur die Sicherheit seines Landes wahren will“. Die Muslime müssten „ihre Konflikte beenden, damit sie die Zeit hätten, sich der grossen Herausforderung zu stellen, die sich aus der Präsenz des zionistischen Feindes ergibt“.

Die Unterstützung der Hamas für die türkische Aggression sollte daher ebenso wenig überraschen wie die Kampagne von Erdoğan gegen den Westen und die umfangreichen militärischen Bemühungen um eine regionale Hegemonie.

Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

 

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