Tödlicher Wintersturm über Israel

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Ein Militärfahrzeug befördert am 8. Januar 2020 Menschen auf einer überfluteten Strasse in der nördlichen Stadt Nahariya. Foto Meir Vaknin/Flash90
Ein Militärfahrzeug befördert am 8. Januar 2020 Menschen auf einer überfluteten Strasse in der nördlichen Stadt Nahariya. Foto Meir Vaknin/Flash90
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Schwere Regenfälle und Stürme haben in ganz Israel zu Katastrophenalarm geführt. In der vergangenen Woche hatte es Tel Aviv getroffen. 80 mm Regen sind innerhalb einer halben Stunde niedergegangen. Keine noch so gute Kanalisation hätte solchen Wassermengen bewältigen können. Im Tikwa-Viertel sind zwei Menschen ertrunken, als ihr Aufzug im Untergeschoss vermutlich wegen eines Kurzschlusses stecken geblieben war. Hilfe kam zu spät, weil die Telefonzentralen von Polizei und Feuerwehr mit über tausend Anrufen pro Stunde zusammengebrochen waren.

Am Mittwoch traf es die nordisraelische Stadt Naharia und Aschdod nahe dem Gazastreifen. Durch die Stadt Nahariah fliesst der ansonsten malerische Gaatonfluss. Doch jetzt fliesst aller Regen von Galiläa durch die Stadt. Die Strassen erinnern an Venedig. Eine Schule war von so viel Wasser umgeben, dass die Kinder stundenlang auf ihre Evakuierung mit Lastwagen warten mussten.

Im Gaaton-Fluss gab es am Mittwoch das siebente Todesopfer dieser Winterstürme. Ein 38 Jahre alter Isreli sprang ins Wasser, um einer Familie zu helfen, deren Auto weggeschwemmt wurde. Doch die Fluten rissen den mutigen jungen Mann mit. Seine Leiche wurde wenig später beim Ausfluss des Gaaton ins Mittelmeer entdeckt. Andere konnte die in Not geratene Familie in dem weggeschwemmten Auto retten.

Schwere Regenfälle gab es am Mittwoch entlang der ganzen Mittelmeerküste Israel. Deshalb kam es in der südlichen Hafenstadt Aschdod zu Stromausfällen. Gemäss Medienberichten waren 60.000 Menschen bei eisiger Kälte ohne Möglichkeit, ihre Wohnungen zu heizen.

Der schwere Wintersturm soll noch bis Freitag andauern. Die Bürger mancher Städte sind aufgefordert worden, ihre Wohnung nicht zu verlassen und unter keinen Umständen zu versuchen, mit ihren Autos überschwemmte Strassen zu durchqueren. Diese Warnungen gelten vor allem für Haifa und die umliegenden Städte im Norden des Landes, wo die Rettungsdienste ohnehin schon überfordert sind, Menschen aus Einkaufszentren und überfluteten Wohnungen zu evakuieren.

Der Minister für öffentliche Sicherheit und strategische Angelegenheiten Gilad Erdan sagte am Donnerstagmorgen, dass er ein Treffen mit Premierminister Benjamin Netanjahu und den Leitern der Rettungsorganisationen abhalten werde, um sich auf das anhaltende extreme Wetter vorzubereiten.

In manchen Teilen des Landes sind Durchgangsstrassen gesperrt worden. Im Norden musste auch der Eisenbahnverkehr wegen Überflutung zeitweilig eingestellt werden.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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