Europas Deradikalisierungsprogramme: „Tödlicher Irrglaube“

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Terroranschlag in London am 29. November 2019. Foto Screenshot Youtube
Terroranschlag in London am 29. November 2019. Foto Screenshot Youtube
Lesezeit: 6 Minuten

Es war eine Tragödie der guten Vorsätze. „Jack Merritt starb bei dem Angriff auf der London Bridge. Vergessen sie nicht, wofür er sich einsetzte“, schrieb Emma Goldberg in der New York Times. Merritt war eines der beiden Opfer von Usman Khan, einem islamistischen Terroristen, der am 29. November auf der London Bridge zuschlug. Das andere Opfer war Saskia Jones, eine Studentin auf der Konferenz, gegen die sich der Dschihadist richtete. Sie träumten beide davon, daran zu arbeiten, ihren Mörder zu retten und zu beschützen.

von Giulio Meotti

London hatte den fünften Jahrestag von Learning Together ausgerichtet, eine Veranstaltung bei der ehemalige Gefangene, Mitarbeiter, Studenten und Kriminologen aus dem ganzen Land kamen, um den Erfolg ihrer Initiative zur Deradikalisierung von Dschihadisten zu feiern. Khan war als ein Vorbild für das Rehabilitationsprogramm dabei. Im Jahr 2012 wurde Khan zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil er die Absicht hatte, zuerst die Londoner Börse, dann den damaligen Londoner Bürgermeister Boris Johnson und dann das Riesenrad London Eye in die Luft zu sprengen. Laut dem Daily Telegraph nutzte Learning Together Khan als „Fallstudie„, wie Reintegrationsprogramme in der Gesellschaft funktionieren. Er hatte sogar ein Gedicht und eine Dankesnotiz an die Organisatoren geschrieben, auf einem Computer, der ihm von seinen Betreuern zur Verfügung gestellt wurde.

Merritt, eines der beiden Opfer, hatte mit ihm gearbeitet, während Khan hinter Gittern in Cambridgeshire war. Die Bilder aus der Fischhändlerhalle wenige Minuten vor dem Terroranschlag zeugen vom guten Willen des Rehabilitationsprogramms. Merritt war die erste Person, die versuchte, Khan während seiner Mordtour aufzuhalten. Kurz bevor er angriff, wurde Khan auf einem Foto gezeigt, wie er ruhig in der Konferenzrunde sass. Viele hielten ihn für eine Art „Musterschüler“ des Deradikalisierungsprogramms.

Khan war auch in einem Newsletter von Learning Together zitiert worden, in dem es hiess, dass die Gruppe „einen besonderen Platz in seinem Herzen hat“:

„Es ist mehr als nur eine Organisation die dazu beiträgt, das Lernen einzelner akademischer Fächer zu ermöglichen. Für mich ist der Hauptvorteil, dass Menschen durch das Lernen zusammengebracht werden. Gemeinsam lernen bedeutet, den Verstand zu öffnen, Türen zu öffnen und denen, die verschlossen sind, eine Stimme zu geben, die vor dem Rest von uns verborgen sind. Es hilft, diejenigen einzubeziehen, die generell ausgeschlossen sind. Das ist es, was Learning Together für mich bedeutet“.

Khan gab auch ein Interview in der BBC, bei dem er die Stigmatisierung verurteilte, unter der er litt:

„Ich bin in England geboren und aufgewachsen, in Stoke-On-Trent, in Cobridge, und die ganze Gemeinschaft kennt mich und sie werden wissen, wenn man sie fragt, wie diese Labels die sie über uns sagen, wie Terrorist, dies, das, jenes, sie werden wissen, dass ich kein Terrorist bin“.

Der letzte Angriff in London war eine tödliche Mischung aus religiöser Verstellung und westlicher Naivität. Ausserdem begräbt er auch alle britischen Illusionen der Deradikalisierung von Dschihadisten. Wie die Times berichtete, untersuchte das Behavioural Insights Team (BIT), die sogenannte „Nudge Unit“ die früher Teil des Kabinettsbüros war, 33 Deradikalisierungsprogramme in Grossbritannien und stellte fest, dass nur zwei vermeintlich erfolgreich waren. Der britische Kriminologe Simon Cottee hat „den liberalen Professoren tödliche Illusionen über die Heilung von Terroristen“ vorgeworfen.

Frankreich hatte es bereits ausprobiert. Ein parteiübergreifender Bericht im französischen Senat hatte das französische Deradikalisierungsprogramm als „totales Fiasko“ verurteilt, wie Philippe Bas, ein Senator der Mitte-Rechts-Partei der Republikaner, sagte. Als die beiden leitenden Senatoren Esther Benbassa und Catherine Troendlé das Deradikalisierungszentrum im Château de Pontourny besuchten, fanden sie nur einen Bewohner der Einrichtung.

Frankreich hat auch unter dem Scheitern des Überwachungsmechanismus zu leiden. In den letzten Jahren wurden viele Terroranschläge von Dschihadisten verübt, die bereits in der französischen Spezialdatenbank zur Terrorismusbekämpfung erfasst waren: der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Strassburg, der Anschlag auf die Kirche in der Normandie und der Anschlag auf den Supermarkt in Trèbes, um nur einige zu nennen. Vor kurzem fand ein Dschihad-Angriff im Pariser Polizeipräsidium statt. Der Terrorist Mickaël Harpon arbeitete sogar in der Einheit zur Verfolgung von Terroristen.

In ganz Europa hat sich keines der Deradikalisierungsprogramme bewährt. „Es gibt nicht genügend zuverlässige Daten, um endgültige Schlussfolgerungen über die kurzfristige, geschweige denn über die langfristige Wirksamkeit der meisten bestehenden Deradikalisierungsprogramme zu ziehen“, schlussfolgerte ein RAND-Bericht.

Was macht man also mit diesen Dschihadisten? Das Vertrauen in sie kann tödlich sein, so wie in London. Sie im Gefängnis zu lassen, könnte bedeuten, sie als Teil von „einem der wichtigsten Orte der Radikalisierung“ zu behalten. Europa verfügt nicht über eine Guantanamo Bay, eine rechtliche Sperrzone, die nach dem 11. September 2001 für den Krieg der USA gegen den Terrorismus nützlich war. Guantanamo könnte auch jetzt nützlich sein, wenn sich Europa mit der massenhaften Rückkehr der ausländischen Kämpfer vom IS auseinandersetzen muss.

Dem Jahresbericht von Europol zufolge sind 45 % der Briten, die nach Syrien und in den Irak gereist sind, um sich dem IS anzuschliessen, bereits in ihr Heimatland zurückgekehrt. Von 714 ehemaligen Gefangenen, die in Guantanamo Bay festgehalten wurden, sind 124 (16,9%) zu terroristischen Aktivitäten zurückgekehrt, während 94 weitere von der Defense Intelligence Agency verdächtigt werden, zum Terrorismus zurückgekehrt zu sein. Die Abschiebung solcher Extremisten aus Europa ist für viele europäische Politiker äusserst kontrovers. Der britische Labour-Parteichef Jeremy Corbyn wurde gefilmt, als er gegen die Auslieferung britischer Terrorverdächtiger protestierte, darunter zwei Helfer für Osama bin Laden. Grossbritannien kämpfte jahrelang mit der EU um die Deportation des radikalen Imams Abu Qatada nach Jordanien.

Was ist also die Lösung für Europa? Die Augen zu schliessen und auf das Beste zu hoffen, ist wahrscheinlich nicht zumutbar. Zu viele Menschen sind bereits auf den Strassen Europas getötet worden.

„Jetzt bin ich viel reifer und will mein Leben als guter Muslim und auch als guter Bürger Grossbritanniens leben“, hatte Khan geschrieben, bevor er zwei junge britische Staatsbürger tötete.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der britischen Regierung warnte davor, dass britische Imame in 48 islamischen Schulen Gewalt und Intoleranz propagierten. Es ist die britische Gesellschaft, die deradikalisiert werden muss, nicht die Dschihadisten. Grossbritanniens bekanntester Hass-Prediger, Anjem Choudary, wurde kürzlich aus dem Gefängnis entlassen und geht nun als freier Mann durch die Strassen Londons. Vor kurzem tauchte ein Bild des London Bridge-Terroristen Usman Khan mit seinem „persönlichen Freund“ Anjem Choudary auf. Der Imam, der vermutlich den Terroristen radikalisiert hat, der den Anschlag im Pariser Polizeipräsidium verübte, lebt in Gonesse und ist immer noch frei um zu predigen.

Die Deradikalisierung funktioniert nur, wenn sie sich der suizidalen westlichen politischen Korrektheit widersetzt, indem sie die tatsächlichen Ursachen für diese Art von Terrorismus angeht, die sich in den islamischen Texten befinden. „Tötet die Ungläubigen, wo immer ihr sie trefft „, sagt der Koran (9,5). Usman Khan sah Jack Merritt und Saskia Jones offenbar als „Ungläubige“, nicht als „Rehabilitierer „. Wenn wir unsere Regeln des Handelns nicht ändern, wird sich mehr davon wiederholen.

Giulio Meotti, Kulturredakteur bei Il Foglio, ist ein italienischer Journalist und Autor. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

2 KOMMENTARE

  1. Suche Rechtsanwalt für Europäisches Recht,
    der mich mit meiner Forderung vertritt.
    Die Herausgeber des Buches in dem „Ungläubiger“ so oft vorkommt (165 mal) muss diesen Ausdruck ändern in „Andersgläubiger“. Dass Kinder mit diesem Religionslehrbuch den Ausdruck „Ungläubiger“ missbrauchen, ist verständlich. Aus diesem Grund muss die Änderung erfolgen. Dieser Ausdruck muss geändert werden in „andersgläubig“ und die Welt wäre ein Stück friedlicher. Ungläubiger ist nach Europäischen Recht diskriminierend und soll gerichtlich verboten werden. Das hat nichts mit Religionsfreiheit zu tun. Übrigens, gottlos ist auch diskriminierend und ist ein Schimpfwort gröbster Art.
    Die weibliche Form von „Ungläubiger, Ungläubigen“ kommt in dem zu verändernden Buch nicht vor. Bitte nachdenken! Selbst das Ändern von Nationalhymnen wird doch schon gefordert.
    Das AGG will Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern bzw. beseitigen.

  2. Es geht doch nicht darum, irgendjemanden zu deradikalisieren. Es geht nur darum, irgendwelche verkrachten Psychologen und Sozialpädagogen auf Steuerzahlerkosten durchzufüttern.

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