Holländischer Oberrabbiner Jacobs: „Die europäischen Juden dürfen ihre Identität nicht verbergen“.

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Der niederländische Oberrabbiner Binyomin Jacobs. Foto Rabbinical Centre of Europe (RCE).
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Zwei Vorsitzende der litauischen jüdischen Gemeinde, Rabbiner Haim Kanievsky und Rabbiner Gershon Edelstein, haben die Juden in Europa aufgerufen, sich wegen der zunehmenden Zahl antisemitischer Vorfälle „nicht durch Worte und Taten von den anderen zu unterscheiden“. „In einer Zeit, in der sich der Antisemitismus an vielen Orten ausbreitet, müssen sich die Juden sich bedeckt halten und nicht durch ihre Worte und Taten auffallen. Es ist traurig, dass wir eine solche Situation erreicht haben“, schreiben die beiden litauischen Rabbiner.

Der Vorstand der Konferenz der europäischen Rabbiner befasste sich letzte Woche bei einem Treffen in Genf mit dem Aufruf der zwei litauischen Rabbiner.

Der niederländische Oberrabbiner Binyomin Jacobs widerspricht seinen litauischen Kollegen Kanievsky und Edelstein. Jacobs versteht zwar ihren Standpunkt, ist aber trotzdem bestürzt. Er will genau das Gegenteil von dem, was seine litauischen Kollegen zu erreichen versuchen.

Jacobs (70) denkt dabei an die Vergangenheit; schon vor und während des Zweiten Weltkriegs mussten sich die europäischen Juden verstecken, um nicht der Vernichtung ausgeliefert zu werden. „Meine Eltern mussten sich verstecken, aber ich tat es nie und werde es nie tun“, sagte Jacobs gegenüber niederländischen Medien.

Am 17. November enthüllte Jacobs ein Denkmal für 1500 deportierte Juden in Arnheim. Die steinerne Statue hat auf ihrem Sockel eine Schriftrolle mit dem Text „Vergesst nie, was ihnen angetan wurde“ und einen Koffer.

In der Vergangenheit hatte Jacobs auch negativ auf den Rat des deutschen Antisemitismuskoordinators reagiert, dass man in Deutschland wegen der Gefahr von Antisemitismus an bestimmten Orten keine Kippa tragen sollte.

Rabbiner Jacobs: „Niemand sollte uns auffordern, uns zu verstecken. Wir müssen den Antisemitismus bekämpfen, nicht die Opfer!“

In seiner Rede vor den Delegierten in Genf, warnte Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Konferenz der europäischen Rabbiner, seine europäischen Kollegen, dass „überall in Europa unsere religiöse Praxis ernsthaft gefährdet ist“.

Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt (Mitte) Foto CER Conference of European Rabbis
Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt (Mitte) Foto CER Conference of European Rabbis

Anlässlich des Meetings in Genf sagte Oberrabbiner Goldschmidt weiter: „Im Mittelpunkt unserer Gespräche stand die Bedeutung des Schutzes des jüdischen Lebens in Europa – etwas, das im heutigen politischen und sozialen Klima von grösster Bedeutung ist. Die Zukunft der Juden in Europa wird wieder einmal in Frage gestellt. Viele haben grosse Angst davor, ob sie weiterhin auf diesem Kontinent leben können.“

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