Der Pojke aus Malmö wurde IDF-Sprecher

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Jonathan Conricus. Foto Screenshot Youtube
Jonathan Conricus. Foto Screenshot Youtube
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500 Mitglieder zählte Malmös jüdische Gemeinde 2018. 20 Jahre zuvor waren es noch fast doppelt so viele. Immer mehr Juden verlassen die Stadt, getrieben von den Anfeindungen durch Neonazis und Dschihadisten.

von Elisabeth Lahusen 

Nach Angaben der jüdischen Gemeinde waren Anfang 2019 nur noch 387 Juden in der Stadt. Einige ziehen um nach Stockholm, wo es zwar auch Antisemitismus gibt, aber eine bessere jüdische Infrastruktur. Viele aber wandern direkt nach Israel aus. Einer von ihnen wurde Sprecher der IDF und Leiter für soziale Medien: Oberstleutnant Jonathan Conricus. Der „Malmöpojke“ (der Junge aus Malmö) hat die IDF nicht nur in allen sozialen Medien sichtbarer gemacht, sondern auch eine neue Serie von Youtube-Shows wie zum Beispiel „Inside the IDF“ gestartet. Sie spiegeln die umfangreichen Aktivitäten der israelischen Armee wider.

Conricus wurde in Malmö geboren und war dort bis zu seinem 13. Lebensjahr. Der Junge aus Malmö ist ein echter Jerusalemer geworden. Er ist verheiratet und Vater von 4 Kindern zwischen 5 und 12 Jahren. Sein erster Einsatz in der Armee war bei der Givati- Brigade, von der Conricus sagte, dass sie perfekt zu ihm passte, weil „ich es mag, Dinge in die Luft zu jagen“. Ein Insiderwitz: Die Givati- Brigade ist an der Grenze zu Gaza stationiert und beschäftigt viele Spezialisten für die Sprengung von Terrortunneln der Hamas.

Später diente Jonathan Conricus als Verbindungsmann zu den Friedenstruppen der Vereinten Nationen im Libanon und auf den Golanhöhen. Major Jonathan Conricus war der erste israelische Offizier, der eine Position bei der UNO innehatte. Der IDF-Offizier im dem Rang eines Majors war still und unauffällig im Department of Peacekeeping Operations der Vereinten Nationen in Manhattan tätig. Seit November 2014 war er Evaluierungsbeauftragter für Geheimdienstinformationen. Die Rolle machte den Offizier verantwortlich für das Sammeln von Informationen für UN-Streitkräfte, die in Kriegsgebieten auf der ganzen Welt stationiert sind und unter anderem an den Kämpfen gegen Boko Haram in Nigeria, Al-Shabaab in Somalia und an dem Krieg in Donbass in der Ukraine teilnehmen.

Humanitäre Delegationen in Katastrophengebiete

Der israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Danny Danon, sagte zu Conricus‘ Dienst: „Wir sind sehr stolz auf die israelischen Vertreter in den UN-Institutionen. Trotz der Versuche anti-israelischer Elemente, Israel zu boykottieren, zeigen seine Bürger weiterhin das wahre Gesicht Israels gegenüber der Welt und tragen in einer Vielzahl von Bereichen zur internationalen Gemeinschaft bei.“ Er sagte weiter: „Technologie zum Schutz von Friedenstruppen, professionelle Konsultation Rechtsfragen und umfangreiche medizinische Hilfe sind nur ein Teil der Hilfe Israels für die humanitären Ziele der Vereinten Nationen.“

Israel hat in der Vergangenheit humanitäre Delegationen in Katastrophengebiete entsandt, beispielsweise ein Feldkrankenhaus in Haiti nach dem Erdbeben. Ein Polizeibeamter, der zu friedenserhaltenden Massnahmen nach Georgien entsandt wurde; Polizeibeamte, die nach Haiti geschickt wurden, um die Ordnung zu überwachen und aufrechtzuerhalten; Such- und Rettungsteams, die nach Erdbeben in die Türkei geschickt wurden; ein Feldkrankenhaus für Menschen, die durch das Erdbeben und den Tsunami in Japan verletzt wurden; und ein Feldkrankenhaus auf den Philippinen nach einem Taifun.

Die Erfahrungen in der UN kann Conricus nun im Dienst der IDF wieder nutzen. Dabei beobachtet er genau, welche Wirkung die UN im Nahen Osten hat und ob ihre Vertreter den eigenen Ansprüchen genügen. Die UNIFIL-Mission (United Nations Interim Force in Lebanon) ist seit 1978 als Beobachtermission der Vereinten Nationen im Libanon tätig.  Sie ist eine der ältesten aktiven UN-Beobachtermissionen. Das Hauptquartier ist seit 1978 in Nakura, am Meer nahe der israelisch-libanesischen Grenze stationiert. Auf die Frage, ob die Unifil auch einen Beitrag zur Sicherheit Israels leistet, antwortete Conricus im August 2018:

„Ich war von der IDF an die Vereinten Nationen ausgeliehen und diente einige Jahre als Verbindungsbeamter zu den Friedenstruppen der Vereinten Nationen. Ich würde sagen, es gibt ein empfindliches Gleichgewicht. Auf der einen Seite muss gesagt werden – und es wird in den internationalen Medien nicht genug gesagt -, dass es die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates gibt, in der eindeutig festgelegt ist, dass der Südlibanon vom Gebiet des Litani-Flusses bis zur Blauen Linie, der Grenze zu Israel, frei von „illegalen Waffen“ sein sollte, ein Begriff, was sich auf Hisbollah-Waffen bezieht. Gemäss der Resolution sollten die einzigen bewaffneten Einheiten die libanesische Armee und die UNIFIL sein. Ist das nun Realität? Leider nicht. Die Hisbollah ist heute mit rund 120.000 Raketen bewaffnet. Die überwiegende Mehrheit davon befindet sich in dieser Zone. Die Realität vor Ort ist, dass die Hisbollah, die im Süden des Libanon regiert, gegen die Resolution 1701 verstösst. UNIFIL ist vor Ort und sie haben Anstrengungen unternommen, um die Situation zu verbessern. Es gibt eine Resolution des UN-Sicherheitsrats, die mit einer Friedenstruppe durchgesetzt werden soll. Die Realität sieht leider anders aus, und das ist natürlich bedauerlich, weil es die gesamte Region gefährdet. (…) Ich würde sagen, die Hisbollah hat wirklich fast alles getan, um ihre militärische Infrastruktur unter der zivilen Infrastruktur zu verstecken. Es gibt ungefähr 250 Dörfer im Südlibanon, mit Ausnahme von 10 schiitischen Dörfern, die von der Hisbollah kontrolliert werden. Und Sie haben Häuser, in denen es ein Wohnzimmer, ein Kinderzimmer, eine Küche und dann einen Raketenraum, ein Waffenlager oder einen Eingang zu einem Bunker gibt. Die Hisbollah missbraucht die zivile Infrastruktur im Libanon, hauptsächlich im Südlibanon, aber auch in Beirut, für militärische Zwecke. Sie werden mit libanesischer Zivilinfrastruktur auf israelische Zivilisten schiessen und versuchen, israelische Zivilisten zu töten. Dabei müssen wir reagieren, um unsere Zivilisten gegen diese Bedrohung zu verteidigen. Die Hisbollah rechnet dann mit dem so genannten Kollateralschaden, dem Tod von Zivilisten. Es ist ein Doppelkriegsverbrechen, ihre Zivilbevölkerung einzusetzen, um unsere Zivilbevölkerung zu schlagen.“

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