Türkei: Hetze gegen Christen und Juden

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Hetze gegen Juden und Christen auf einem Plakat in Konya. Foto Twitter / kumtemir_ahmet
Hetze gegen Juden und Christen auf einem Plakat in Konya. Foto Twitter / kumtemir_ahmet
Lesezeit: 3 Minuten

Plakatwände mit Bildern von blutbespritzten Kreuzen und Davidsternen waren an Bushaltestellen in der Zentraltürkei im Oktober zu sehen. Nach der empörten Beschwerde eines Parlamentsabgeordneten der Opposition und einer Beschwerde der wichtigsten Menschenrechtsorganisation des Landes wurden sie erst vor kurzem entfernt.

von Sezen Şahin

Die verstörenden Bilder auf den Werbetafeln – sie stammen von der islamistischen Jugendorganisation Anadolu und der Nationalen Jugendstiftung, die zur islamistischen Saadet Partisi (türkisch für „Partei der Glückseligkeit“) gehören – wurden von dem Koran-Vers 5:51 begleitet:

„Oh Gläubige, nehmt keine Juden und Christen als Freunde; sie sind Freunde voneinander. Wer von euch sie zu seinen Freunden macht, ist einer von ihnen. Gott leitet nicht das Volk der Übeltäter.“

„Ey iman edenler! Yahudileri ve Hristiyanları dost edinmeyin. Onlar birbirlerinin dostudurlarve sizden kim onlarıdost edinirse, O’da onlardandır. Allah zalimler topluluğunu doğru yola eriştirmez.“

In einer dem Innenministerium vorgelegten Motion stellte Garo Paylan, ein Abgeordneter der oppositionellen Demokratischen Partei (HDP), die Frage, wie solche Plakate von der Gemeinde Konya gezeigt oder genehmigt worden sein konnten. Paylan wies auch darauf hin, dass die Regierung von Recep Tayyip Erdoğan es nicht nur völlig versäumt hat, etwas gegen solche Hassreden zu unternehmen, sondern selbst zu ihrer Verbreitung beigetragen hat.

Zur selben Zeit reichte das Komitee gegen Rassismus und Diskriminierung der türkischen Menschenrechtsorganisation eine Strafanzeige gegen den Bürgermeister von Konya und die islamistischen Gruppen ein, die die Plakate angebracht hatten. Die Werbetafeln wurden in der Zwischenzeit zwar entfernt, doch bis jetzt hat das Innenministerium die parlamentarischen Fragen von Paylan nicht beantwortet.

Die antisemitischen und antichristlichen Werbetafeln gehören zu den vielen öffentlichen Manifestationen von Hassreden in der Türkei, insbesondere in den Medien. Laut einer Studie der Hrant Dink Foundation gab es 2018 4.839 Leitartikel und Nachrichten, die sich gegen bestimmte nationale, ethnische und religiöse Gruppen richteten. Die Hauptzielgruppe waren Juden und Armenier. Die verbalen Angriffe auf diese Gruppen haben offensichtlich konkrete Folgen.

So berichteten türkische Medien am 6. Oktober, dass ein türkisches Gericht das Innenministerium und das Gouvernement Malatya im Fall des Zirve-Verlags in der Stadt Malatya von jeglicher Schuld freigesprochen hat. In dem Fall geht es um drei Christen – den Deutschen Tilmann Geske und die beiden türkischen Staatsbürger Necati Aydın und Uğur Yüksel –, die bei einem Überfall von fünf Muslimen am 18. April 2007 brutal ermordet worden waren.

Das Verwaltungsgericht von Malatya hatte 2015 festgestellt, dass die Opfer ermordet wurden, „weil sie Christen waren und Bücher über ihren Glauben veröffentlicht hatten“, und dass die Morde darauf abzielten, „die Freiheit zu zerstören, an eine andere Religion zu glauben und diese Religion zu verbreiten“. Das Gericht machte das Innenministerium und das Gouvernement von Malatya verantwortlich und verhängte gegen beide Institutionen eine Geldbusse von insgesamt 900.000 Lira (158.000 USD) für immaterielle Schäden. Nach dem neuen Urteil sind die Familienangehörigen der Opfer nun verpflichtet, die erhaltene Entschädigung mit Zinsen zurückzuzahlen.

Zudem begannen im September mit Zustimmung der türkischen Behörden Ausgrabungen in einem ehemaligen armenischen und jüdischen Gebiet der Stadt Kahramanmaraş. Dort wird nach vermeintlich vergrabenen Schätzen gegraben. Diese Art der „Schatzsuche“ in ehemaligen christlichen und jüdischen Gebieten – etwa in und um Gotteshäuser und auf Friedhöfen – verursacht häufig Schäden und zerstört kulturelle und religiöse Gebäude und Artefakte.

Viele Entwicklungen zeigen, dass die Hassreden und der Druck auf nichtmuslimische Orte der Religionsausübung in der Türkei nicht nur vonseiten der Politik und des Staates kommen, sondern auch aus der Gesellschaft selbst. So wurde im November bekannt, dass eine nicht namentlich genannte Person aus der südöstlichen Stadt Diyarbakir beim türkischen Parlament eine Petition eingereicht hat, in der die Schliessung der dortigen Kirchen gefordert wurde. Der Beschwerdeführer behauptete, dass „protestantische Kirchen und Vereinigungen missionarische Aktivitäten ausüben“. Die Petition wurde vom Petitionsausschuss des Parlaments zur Bewertung angenommen. Das Komitee holte dann Rat bei mehreren staatlichen Institutionen ein. Die staatlichen Institutionen antworteten, indem sie die Bedingungen und den Prozess für die Eröffnung neuer religiöser Stätten sowie die Anzahl der bestehenden Kirchen und Synagogen im Land erklärten. Das Besorgniserregende ist, dass die Forderung des Beschwerdeführers vom Ausschuss des Parlaments nicht kritisiert wurde. Es wurde ausgewertet und beantwortet, als wäre es eine normale Anfrage.

Wenn US-Präsident Donald J. Trump diese Woche mit Erdoğan im Weissen Haus zusammentrifft, stellt er vielleicht die Frage des Abgeordneten Paylan: Welche Aktivitäten unternimmt Ihre Regierung, um Hassreden zu verhindern?

Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

2 KOMMENTARE

  1. Hmm, wollte Mohammed den Islam nicht als Alternative zum Christentum stiften und nicht eine zweite extrem intolerante Religion mit Anspruch auf Weltherrschaft und Allmacht gründen? Offenbar war Konstantin II leider ein gelungenes Beispiel, seufz. Wie auch immer, in der Türkei kämpfen mehrere rechtsextreme Gruppen um die Macht. Dazu gehört auch der Allmacht Anspruch – Morde und Massentötungen sind in der Türkei leider nichts neues. Da aber die EU handlungsunfähig ist und das Problem Rechtsextreme mit grünem Buch immer noch unterschätzt wird, ganz besonders in der Türkei, kann nur Druck auf die Abgeordneten ausgeübt werden. Solche Morde und eklantanter Rechtsbruch wird aber leider noch oft zu beklagen sein, denn in der Türkei ist das ein Symbol für Macht und Herrschaftsanspruch der zahllosen rechtsextremen Parteien. Ähnlich wie einst die spanische Inquisition, die jeden dem reinigenden Feuer übergab, der nicht katholisch genug war. Dennoch muss die Türkei aus der NATO ausgeschlossen werden, es muss einen harten Boykott gegen sie geben ebenso wie gegen Iran und am besten gleich die Bundeswehr als Katastrophenschutz mit allen NATO Armeen, die bereit sind und in Rohaja stationieren. BZw. seinen traurigen Resten. Dafür kann Frankreich seine Unterstützung für den putschenden libyschen General einstellen und etwas sinnvolles unternehmen. Und in Mali aufhören, die Franc-Zone wieder einführen zu wollen.

    • „Ähnlich wie einst die spanische Inquisition, die jeden dem reinigenden Feuer übergab, der nicht katholisch genug war.“

      Die Morde an Christen und Juden sind sind möglich und wurden möglich gemacht durch den Geist dieser anti-christlichen und anti-katholischen Verbalinjurien, mit denen die Opfer der modernen Christenverfolgung zum Abschuß frei gegeben werden.

      Alle Opfer der katholischen Inquisition über 800 Jahre hinweg machen weniger als 20.000 aus und dass diese Inquisition „jeden dem reinigenden Feuer übergab, der nicht katholisch genug war.“ ist einfach nur Blödsinn und Ergebnis einer allgemeinen Dumpfheit, die sich nicht für historische Tatsachen interessiert. Die spanische Inquisition hat mehr Leute aufgehängt, die sich als Hexenverfolger betätigt haben, als sie jemals sich an Hexenverfolgungen beteiligt hat.

      Christen sind heutzutage die meiste verfolgte Gruppe der Welt und sie werden im Stich gelassen und zum Abschuss frei gegeben,, weil sich der Zeitgeist darauf geeinigt hat sie als Untermenschen zu betrachten.

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