Foto Facebook / Vismooil'n
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Die Organisatoren des Karneval-Umzuges in der belgischen Stadt Aalst, der im März dieses Jahres zu einem internationalem Aufruhr wegen antisemitischen Darstellungen führte, veröffentlichten 150 Karikaturen, für die gleiche Veranstaltung im nächsten Jahr, die sich über Juden lustig machen. Die Karnevalsveranstaltung von Aalst wurde 2010 in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Die Karikaturen, darunter orthodoxe Juden mit roten, hakenförmigen Nasen und goldenen Zähnen, wurden auf Schleifen gedruckt, die für die Teilnehmer der jährlichen Veranstaltung bestimmt sind.

Die Proteste im März im Zusammenhang mit dem diesjährigen Umzug, kamen unter anderem von jüdischen Gruppen und der UNESCO wegen der Ausstattung eines Wagen mit riesigen orthodoxen jüdischen Figuren, die Geld in der Hand hielten und grinsten. Einer von ihnen hatte eine Ratte auf der Schulter. Der niederländische Oberrabbiner Binyomin Jacobs verurteilte die Darstellung als „schockierend“. Sie enthält „typische, antisemitische Karikaturen von 1939“, sagte er gegenüber der Jewish Telegraphic Agency.

Karikaturen von orthodoxen Juden, die von den Organisatoren im Vorfeld des Karnevals Aalst 2020 verteilt wurden. Foto Kris Vonck / Brussels Times

Der Gestalter der Karikaturen für 2020, sagte gegenüber der belgischen Zeitung Het Laatste Nieuws: „Es gibt keine schlimmen Sachen an ihnen. Es geht ja nicht um Vergasung oder Konzentrationslager. Wir machen uns nicht wirklich direkt über Juden lustig. Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf die UNESCO und nicht auf Juden“. Eine Karikatur zeigt einen rothaarigen orthodoxen Juden mit goldenen Zähnen und ist mit Bildunterschriften versehen: „UNESCO, was für ein Witz.“

Manifestation des Antisemitismus

Die Juden werden auf stereotypische Weise mit Hut, Locken, einer hakenförmigen Nase und goldenen Zähnen dargestellt. „Der Spott ist gegen die UNESCO gerichtet, aber es ist ziemlich schwierig, ein lustiges Bild dafür zu finden. Also haben wir uns für Juden entschieden“, fügte der Gestalter hinzu.

Hans Knoop, Sprecher des Forums Jüdischer Organisationen der Flämischen Region Belgiens, nannte die Karikaturen 2020 „eine reine Provokation“ und eine „Manifestation des Antisemitismus“.

Schon im Jahr 2013 ging eine Karnevalsgruppe als SS-Offiziere gekleidet mit Dosen von Zyklon B an den Umzug und machten alle möglichen Anspielungen auf den Zweiten Weltkrieg.

Im Dezember 2019 wird die UNESCO entscheiden, ob der Karneval von Aalst auf der Liste des Weltkulturerbes verbleibt oder nicht. Der Vorsitzende der European Jewish Association, Rabbi Menachem Margolin teilte mit, es sei nun klar, dass die UNESCO – die im Dezember eine Entscheidung darüber treffen werde, ob der Karneval weiterhin auf der Liste des Weltkulturerbes stehen soll – jede Verbindung oder Unterstützung des Karnevals beenden müsse.

3 KOMMENTARE

  1. Es ist nachzutragen, dass dieses Wiederaufflammen vom sogenannten Antisemitismus, der in Wahrheit Judenhass ist, eine Fortsetzung ist vom ersten „Brudermord“, nämlich von Kain und Abel.

  2. Eine Morgenandacht vor ein paar Tagen im Deutschlandfunk endete mit der Frage, was ich von Judentum und/oder Antisemitismus halte. Dazu möchte ich fünferlei loswerden.

    1. Der erste Antisemit war Gott, indem er „die Juden“ durch Aussonderung vom Gemenge anderer semitischer Stämme vorbereitete für die Geburt Jesu….und für die Stunde Null unseres Kalenders.

    2. Christlicher ‚Antisemitismus‘ ist schlichter Judenhass und nicht eine Erfindung erst von Luther oder etwa der Nazis. Es ist (nur) eine Quittung dafür, dass die Mehrzahl jüdischer Zeitgenossen von Jesus das sich bildende Christentum ausgrenzten. Der berühmte jüdische Saulus trachtete den Christen nach dem Leben, und nachdem er zum Paulus „mutierte“, sollte er „dafür“ von orthodoxen Juden in Damaskus umgebracht werden. (Ihm gelang die Flucht, weil Freunde ihm halfen).

    3. Die Verwendung des Begriffs Antisemitismus vernebelt, dass Judenhass auch von Nicht-Christen praktiziert wird. Sogar von Mitgliedern anderer semitischer Kulturen.

    4. Die „ganze Geschichte“ ist die Fortschreibung jener Ereignisse, wonach durch ‚die Menschwerdung Gottes‘ eigentlich das auserwählte Volk der Juden hatte reformiert werden sollen – zum Segen der gesamten Schöpfung.

    5. An der ‚Menschwerdung Gottes‘ darf sich der Mensch orientieren, damit ‚Menschwerdung des Menschen‘ am Ende auch die mythologische Ebenbildlichkeit konkretisiert.

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