Fundort der Kirche in Ramat Beit Shemesh im Oktober 2019. Foto Asaf Peretz, Israel Antiquitätenbehörde
Fundort der Kirche in Ramat Beit Shemesh im Oktober 2019. Foto Asaf Peretz, Israel Antiquitätenbehörde
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Eine prachtvolle 1500 Jahre alte Kirche, verziert mit spektakulären Mosaikböden und griechischen Inschriften, wurde in Ramat Beit Shemesh entdeckt, auf halber Strecke zwischen Jerusalem und Tel Aviv. Es wurde eine Mosaikinschrift gefunden, die den Ort einem ungenannten „glorreichen Märtyrer“ widmet. Eine zusätzliche Inschrift erwähnt eine Spende von Kaiser Tiberius II. Ein einzigartiges kreuzförmiges Taufbecken wurde ebenfalls enthüllt. Die archäologische Ausgrabung der Israel Antiquitätenbehörde wurde vom israelischen Ministerium für Bau und Wohnungswesen finanziert, um den Ausbau der Stadt Beit Shemesh im neuen Stadtteil „Neve Shamir 2“ vorzubereiten.

Eine neue Ausstellung, im Bible Lands Museum Jerusalem (BLMJ), präsentiert der Öffentlichkeit ausgewählte Funde aus der Grabung. Wer war der „Glorreiche Märtyrer“, der durch die griechische Inschrift verewigt wurde, an dessen Andenken diese prächtige Kirche gebaut und später unter der Schirmherrschaft des byzantinischen Kaisers Tiberius II. erweitert wurde? Dieses Geheimnis hat Archäologen der Israel Antiquitätenbehörde in den letzten drei Jahren bei Ausgrabungen in Ramat Beit Shemesh beschäftigt. Das Ministerium für Bauwesen und Wohnungswesen hat rund NIS 70 Mio. (etwa EUR 20 Mio.) in die Ausgrabung, Erhaltung und Entwicklung archäologischer Parks im Rahmen des Baus des neuen Stadtteils investiert, von denen rund NIS 7 Mio. für die Ausgrabung bereitgestellt wurden. Die Ausgrabungen zeigten Reste einer beeindruckenden byzantinischen Kirche, die vor etwa 1.500 Jahren gegründet wurde. Die Kirche war mit Mosaiken geschmückt, die aufwendig mit Blättern, Früchten, Vögeln und Pflanzen gestaltet waren. Die Wände der Kirche waren mit bunten Fresken und hohen Säulen geschmückt, die von beeindruckenden Kapitellen gekrönt waren, von denen einige importiert worden sein könnten.

Der Adler, Symbol des Byzantinischen Reiches, wurde im Oktober 2019 in einem byzantinischen Kirchenkomplex in Ramat Beit Shemesh entdeckt. Foto Asaf Peretz, Israel Antiquitätenbehörde

Bei den Ausgrabungen wurde ein Architekturkomplex freigelegt, der sich über rund 1500 Quadradmeter erstreckt. Ausgrabungen in der Mitte des Geländes ergaben eine Kirche, die nach dem Plan einer Basilika gebaut wurde – ein langgestreckter Baukörper, der von zwei Säulenreihen gesäumt wurde, die den Innenraum in drei Abschnitte teilten – ein Mittelschiff, das von zwei Hallen flankiert wurde. Ein geräumiger Innenhof (Atrium) wurde direkt vor dem Eingang der Kirche gefunden. Die Hauptphase des Kirchenbaus erfolgte während der Herrschaft von Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert n. Chr. (527-565). Später, während der Herrschaft von Kaiser Tiberius II. Konstantin, wurde eine exquisite Seitenkapelle hinzugefügt. Eine Inschrift, die im Innenhof intakt gefunden wurde, widmete die Kirche einem „glorreichen Märtyrer“. Laut Benjamin Storchan, Direktor der Ausgrabung im Auftrag der Israel Antiquities Authority, „ist die Identität des Märtyrers nicht bekannt, aber die aussergewöhnliche Pracht der Struktur und ihrer Inschriften zeigen, dass diese Person eine wichtige Figur war.“ Storchan fügt hinzu: „Nur wenige Kirchen in Israel wurden mit vollständig intakten Krypten entdeckt. Die Krypta diente als unterirdische Grabkammer, in der anscheinend die Überreste des Märtyrers untergebracht waren. Der Zugang zur Krypta erfolgte über parallele Treppen – eine führt in die Kammer hinunter, die andere wieder hinauf in die Gebetshalle. So konnten grosse Gruppen von Pilgern den Ort besuchen.“

Einzigartiges kreuzförmiges Taufbecken in der byzantinischen Kirche in Ramat Beit Shemesh. Foto Asaf Peretz, Israelische Antiquitätenbehörde.

Die Krypta selbst war einst mit Marmorplatten ausgekleidet, was ihr ein beeindruckendes Aussehen verlieh. Die Bedeutung des Standortes wird laut Storchan durch die unter der Schirmherrschaft von Kaiser Tiberius II. Konstantin (574-582 n. Chr.) durchgeführte Erweiterung bestätigt. Eine griechische Inschrift an der Stelle besagt, dass der Ausbau der Kirche mit seiner finanziellen Unterstützung abgeschlossen wurde. „Zahlreiche schriftliche Quellen belegen die imperiale Finanzierung von Kirchen in Israel, aber aus archäologischen Beweisen wie Widmungsinschriften wie der in Beit Shemesh ist wenig bekannt“, sagt Storchan. „Die imperiale Beteiligung an der Expansion des Gebäudes wird auch durch das Bild eines grossen Adlers mit ausgebreiteten Flügeln – dem Symbol des Byzantinischen Reiches – hervorgerufen, das in einem der Mosaike erscheint.“ Bei Ausgrabungen wurden Tausende Objekte entdeckt, und es scheint die vollständigste Sammlung byzantinischer Glasfenster und Lampen zu sein, die je an einem einzigen Ort in Israel gefunden wurde. Zusätzlich wurde in einem der Räume der Kirche ein einzigartiges Taufbecken in Form eines Kreuzes gefunden, das aus einer Art Calcitstein besteht, der sich in Stalaktitenhöhlen bildet.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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