Foto Screenshot SRF Schweizer Radio und Fernsehen.
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Ausgerechnet am Abend des 8. Oktober, dem Beginn des jüdischen Versöhnungstags Jom Kippur, veranstaltete das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) einen Filmabend zum Nahen Osten, bei dem Ressentiments gegen Israel geschürt wurden. Moralischer Tiefpunkt: Ein als „Experte“ ins Studio geladener Israel-Boykott-Unterstützer verhöhnte gemeinsame Filmproduktionen von Arabern und Juden als Kolonisierung.

Wer am 8. Oktober dem Israel gewidmeten Teil der „SRFglobal-Filmnacht: Aufbruch der Jugend“ folgte („Das Ende des Vertrauens in Nahost“), musste – wenn er kein Wissen über die Hintergründe hat – den Eindruck gewinnen, dass Mauern, Zäune und Checkpoints, die Israel nach dem unseligen „Oslo“-Prozess und der daraus resultierenden Mordwelle zum Schutz seiner Bewohner errichten musste, Schikanen seien, die die israelischen „Besatzer“ sich ausgedacht hätten, um das Leben in einigen vom Verlauf des Zauns besonders negativ betroffenen arabischen Dörfern so unangenehm wie möglich zu machen. Aus purer Bosheit. Tatsächlich fiel in diesem Zusammenhang das Wort „Schikane“.

Als „Experten“ eingeladene Studiogäste waren die Irankorrespondentin der deutschen ARD, Natalie Amiri (die aber zum Thema Israel weitgehend stumm blieb) und der im Irak geborene Schweizer Filmemacher Samir (eigentlich Samir Jamal Aldin). Samir posiert auf der Schweizer Website als Unterstützer der antisemitischen und terrornahen Israel-Boykott-Bewegung „BDS“ (Boykott, Desinvestition und Sanktionen). In dem von ihm mitinitiierten Kulturhaus Kosmos in Zürich fanden mehrere „israelkritische“ Veranstaltungen statt, bei denen auch schon mal der Ruf laut wurde, dem „Zionismus das Rückgrat zu brechen“. Dazu schrieb die NZZ am 5. Dezember 2018: „Der Filmemacher Samir steht in der Kritik: Er soll in seinem Kulturzentrum Kosmos eine Kampagne gegen Israel fahren.“

Zum Thema Israel und die Palästinensischen Autonomiegebiete, zeigte das SRF an jenem Abend den Film „Omar“ (2013) des arabisch-palästinensischen Regisseurs Hany Abu-Assad, über den die linksgerichtete israelische Tageszeitung Haaretz schrieb, er stelle die israelische Armee und den israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Beth „als Foltermaschinen dar, die nicht zögern, grausamen psychologischen Druck anzuwenden, um Informationen aus Leuten herauszupressen, die sie verhören“. SRF begnügte sich aber nicht damit, den Film auszustrahlen, sondern präsentierte ein Begleitprogramm mit einer Live-Schaltung in das arabische Dorf Bir Nabala.

SRF-Sonderkorrespondentin Anita Bünter hatte sich für die Live-Übertragung aus Bir Nabala eigens einen Hügel gesucht, von wo aus ein grosses Stück der Sperranlage im Hintergrund zu sehen war. Diese und sonstige angebliche „Schikanen“ waren, was Israel betraf, der einzige Gesprächsgegenstand an diesem Abend. Was der Zweck der Mauer ist – jüdische Menschenleben vor der gewaltsamen Auslöschung zu schützen – fand nur nebenbei Erwähnung und wurde von Anita Bünter als Meinung dargestellt, die man glauben konnte oder eben nicht. Hören wir zu:

Moderatorin Wasiliki Goutziomitros:

„Als nächstes läuft hier ‚Omar’, ein Film über den Nahostkonflikt. Und dazu begrüsse ich unsere Sonderkorrespondentin, Anita Bünter, sie steht in Bir Nabala, das ist ein palästinensisches Dorf in der Nähe von Ramallah. Wir sehen hinter Ihnen die Mauer, dieses Gebiet ist teilweise eingezäunt, diese Mauer spielt eine wichtige Rolle, auch in dem Film, den wir gleich sehen werden, was hat es damit auf sich?“

Anita Bünter:

„Ja, ich stehe hier, wie gesagt, in Bir Nabala, das ist ein Dorf zwischen Ramallah und Jerusalem. Es hat ungefähr 5.000 Einwohner und hier hinter mir sehen wir die Absperrung, die das Dorf von Israel trennt. Und hier auf dieser Seite sind wir im Westjordanland. Früher war das alles hier ein zusammenhängendes Industriegebiet, jetzt wird es von der Absperrung in zwei Teile geteilt. Früher haben auch viel mehr Leute hier gearbeitet und eben diese Mauer, diese Trennmauer, dieser Schutzzaun, wie die Israelis sagen, der ist eben auch Thema im Film, den wir sehen werden. Die Mauer, die sieht aber nicht immer so aus wie da hinter mir, die ist auch nicht zusammenhängend, die ist ungefähr über 700 km lang, an der wird auch immer noch gebaut, es ist keine durchgehende Linie, sondern sie verläuft eben auch teilweise tief ins Land hinein, das von Palästinensern bewohnt wird oder bewohnt wurde, wird deshalb eben auch kritisiert und gerade im Gebiet rund um Jerusalem, wo wir jetzt auch stehen oder bei Ramallah, wo die Palästinensische Behörde ihren Sitz hat, ist die Lage besonders kompliziert, weil die Mauer teilweise mitten durch Dörfer geht, wie wir das hier gesehen haben in diesem Industriegebiet. Sie trennt teilweise Bauern von ihren Feldern und hat eben auch Auswirkungen auf andere Teile des Alltagslebens. Ich habe vor einiger Zeit mit einem Dorfvorsteher gesprochen, der an einer solchen Grenzmauer wohnt, das war in Qalandiya, ein Dorf in der Nähe von Jerusalem, das wird eben zweigeteilt von einer solchen Mauer. Und der Dorfvorsteher ist eben auch betroffen, weil er wohnt ausserhalb der Mauer und um in sein Büro zu kommen im Dorf in Qalandiya, muss er einen weiten Arbeitsweg auf sich nehmen.“

Nun kommt ein Kurzbeitrag über den Dorfvorsteher Raafet Awadallah. Dieser sagt:

„Unser Haus liegt dort drüben, hinter der Trennmauer. Es stehen auch noch andere Häuser da, hinter der Trennmauer, die unser Dorf in zwei Teile teilt.“ (Melancholische Gitarrenmusik) „Das Leben war einfach, bevor die Trennmauer gebaut wurde. Wir konnten ganz leicht nach Jerusalem gehen oder zu unserem Haus. Aber dann wurde das Dorf in zwei Teile geteilt, in einen östlichen und einen westlichen. Mein Haus liegt auf der östlichen Seite. Die Trennmauer macht, dass wir nun viel mehr Zeit benötigen. Früher brauchten wir 15 Minuten, um die Kinder in die Schule zu bringen oder für den Weg ins Spital. Heute brauchen wir dafür über zwei Stunden.“

Statt um 7.30 Uhr müsse er jetzt schon um 6 Uhr morgens das Haus verlassen, um rechtzeitig bei der Arbeit zu sein, erfährt man. An Frieden glaube er nicht mehr, wird auf einer Texttafel eingeblendet. Der Dorfvorsteher darf auch den der Öffentlichkeit bislang völlig unbekannten Nahostplan von US-Präsident Donald Trump kommentieren:

„Der Friedensplan von Trump ist derselbe wie die früheren Friedenspläne. Jene Pläne, die Amerikaner, Europäer und Araber schon früher ausgehandelt haben. Meine persönliche Sicht ist, dass Trumps Plan jegliche Hoffnung auf eine Zwei-Staaten-Lösung zerstören wird.“

Dann ertönt wieder melancholische Gitarrenmusik, der Bericht ist zu Ende.

Manipulative Darstellung

Die Moderatorin fragt die Korrespondentin Anita Bünter:

„Diese Absperrung, wir haben es gerade gesehen, trennt teilweise Palästinenser von Palästinensern, sie trennt Palästinenser aber auch von den Israelis, sie trennt Palästinenser teilweise von ihrem Land. Wie rechtfertigt Israel diesen Mauerbau?

Israel muss sich also „rechtfertigen“, sitzt auf der Anklagebank. Andererseits kann sich Israel gar nicht verteidigen, denn Israelis oder Stimmen von Personen, die nicht antiisraelisch sind, kommen den ganzen Abend lang nicht zu Wort. Es bleibt Anita Bünter vorbehalten, das vorzutragen, was sie als die Position Israels ausgibt (Hervorhebungen des Autors):

Anita Bünter:

„Für Israel ist diese Absperrung ein Selbstschutz, sagen sie. Sie sagen, dass sei eine Schutzmauer, um sich vor Terroranschlägen aus dem Westjordanland zu schützen. 2002 wurde mit dem Bau begonnen, das war während der zweiten Intifada, da waren Anschläge, Selbstmordanschläge in Israel fast an der Tagesordnung, es gab Anschläge auf Bars, auf Cafés, Restaurants, auf Busse. Ich habe mit vielen Israelis gesprochen, fast jeder kennt einen Ort oder eine Familie, die betroffen war von einem solchen Selbstmordanschlag, ein junger Israeli hat mir erzählt von seiner Kindheit, dass er sich erinnern kann, dass er jeweils weggeschickt wurde, in den Norden, in die Berge, weil die Eltern gedacht haben, er sei da mehr in Sicherheit. Und für Israel ist das eben die Begründung: den Terror abzuhalten, sie sagen, das garantiere eben die Mauer.“

Ist sie denn wirksam?“, fragt die Moderatorin. Bünters ausweichende Antwort:

„Ja, sie ist wirksam, sagt Israel. Als mit dem Bau begonnen wurde, eben während der zweiten Intifada, da hat Israel gesagt, die Anschläge seien deutlich weniger geworden in Gebieten, wo es eine solche Mauer, eine Absperrung gab.“

Der Vergleich zu dem Teil, in dem es um die negativen Folgen für das Leben der Bewohner von Bir Nabala geht, ist aufschlussreich, wir entdecken viele Unterschiede.

Länge: Zum einen ist er viel kürzer. Nur 70 Sekunden des Beitrags, der mitsamt der Diskussion im Studio 18 Minuten lang ist, beschäftigen sich mit dem Zweck der Sperranlage: Leben zu schützen. Frau Bünter spricht aber nicht etwa vom Zweck, sondern von einer „Begründung“ – so, als sei diese möglicherweise vorgeschoben, um andere, finstere Motive zu verdecken.

Konjunktiv/Indikativ Ein eigenes Urteil mag die Korrespondentin Bünter sich nicht erlauben; wann immer sie von der Schutzfunktion spricht, schiebt sie eilig hinterher, dass das „Israels Begründung“ sei bzw. dass „sie“ (wer?) das „sagen“. Bünter benutzt dabei stets den Konjunktiv („das sei eine Schutzmauer“, „die Anschläge seien deutlich weniger geworden, hat Israel gesagt“), während sie dort, wo sie von den Nachteilen spricht, die die arabische Bevölkerung zu erleiden habe, stets den Indikativ benutzt: Die Mauer trennt Bauern von ihren Feldern, sie hat Auswirkungen auf den Alltag usw. Letzteres markiert Bünter damit als Tatsachen, während sie den Zweck der Sperranlage als Meinung erscheinen lässt, zu der Bünter durch den Gebrauch des Konjunktivs Distanz schafft; auf keinen Fall soll es so aussehen, als würde sie selbst der Absperrung eine Schutzfunktion zuschreiben.

Gesichtloses Israel: Bünter sagt, sie habe „mit vielen Israelis gesprochen“. Warum kommt keiner von ihnen im Film vor? Die arabisch-palästinensische Seite hat einen Namen und ein Gesicht: den Dorfvorsteher Raafet Awadallah, der von seinem Alltag berichtet. Die Meinungen all der Israelis aber, mit den Bünter gesprochen hat, fasst sie mit einem generalisierenden „Israel sagt“ zusammen. Sie bleiben anonym und gesichtslos, dürfen sich anders als der Dorfvorsteher nicht direkt an das Publikum wenden, um über ihre Erfahrungen und Ansichten zu sprechen. Sind sie allesamt kamerascheu? Wohl kaum. Es war offensichtlich eine redaktionelle Entscheidung des Schweizer Fernsehens, keine Israelis vor die Kamera zu lassen – so, wie ja auch kein Israeli ins Studio geladen wurde.

Vermeidung von Konkretem, wenn es um Israelis geht: Der Fall des palästinensisch-arabischen Dorfvorstehers Raafet Awadallah ist so konkret wie möglich: Wir erfahren, wann er aus dem Haus geht, wo er wohnt, wo er arbeitet, dass die Mauer zu einem deutlich längeren Pendelverkehr zwischen Beruf und Arbeit führt und dass er nun nicht mehr an Frieden glauben will (woran offenbar nicht die Hetze von Mahmud Abbas und das nie endende Pogrom gegen Juden schuld sind, sondern Israel). Wenn es auf der anderen Seite um die Terroranschläge auf Juden geht, dann wird kein einziger dieser Fälle vorgestellt. Dabei gäbe es hier Anknüpfungspunkte zu den Orten, wo Frau Bünter sich umgetan hat.

Hochburgen des Terrors

Qalandiya gilt seit langem als Brutstätte des Terrors und wird von bewaffneten Banden regiert. Sowohl israelische Sicherheitskräfte als auch die der Palästinensischen Autonomiebehörde trauen sich laut israelischen Medienberichten nur selten dorthin. Erst im September gab es am Checkpoint Qalandiya einen versuchten Terroranschlag. Auch das scheinbar so beschauliche Bir Nabala, von wo Bünter berichtet, hat einige berüchtigte Terroristen hervorgebracht. Im Oktober 1994 – noch während des Oslo-Prozesses also – wurde der israelische Soldat Nachshon Waxman von vier als religiöse Juden verkleideten Hamas-Terroristen entführt, in ein Haus in Bir Nabala gebracht und ermordet. Aus Bir Nabala stammt auch Mona Jaud Awana, die Drahtzieherin eines Mords, der Israel im Jahr 2001 besonders schockierte. Sie hatte über den Internetmessengerdienst ICQ den 16-jährigen jüdischen Schüler Ofir Rahum kontaktiert, sich als marokkanische Jüdin namens „Sally“ ausgegeben und über Wochen mit Ofir geflirtet, um ihn dazu zu bringen, sie in Ramallah zu treffen. Dort lockte sie Ofir in einen Hinterhalt, wo er von Jassir Arafats Terroristen aus kurzer Distanz erschossen wurde, während sie zuschaute.

Mit solchen Tatsachen will Anita Bünter die Zuschauer nicht behelligen. Sie zitiert nur Meinungen, die als ein Gerücht erscheinen, welches sie nicht einmal einer Person zuordnen kann, sondern nur einem ominösen Sprecher namens „Israel“. Dann stellt sie das, was „Israel sagt“ auch noch mit dem (von Ulrich Sahm an dieser Stelle so trefflich kommentierten) Gemeinplatz in Frage, dass die „Absperrung“ „nicht wirklich Frieden gebracht“ habe:

„Aber man darf nicht vergessen: Ruhig ist es hier natürlich nicht. Es gibt immer wieder Konflikte, gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis, besonders um die israelischen Siedlungen herum im Westjordanland oder an den Checkpoints. Oder 2015 und 2016 gab es die Messerattacken, also ruhig ist es nicht wirklich und es ist auch nicht so, dass es wirklich Frieden gebracht hat, diese Absperrung, gerade letzte Woche ist eine Umfrage publiziert worden, da kam heraus, dass rund die Hälfte der Palästinenser dafür ist, die Intifada wiederaufzunehmen.“

Wenn das so ist, wäre das kein Argument gegen die Sperranlage, sondern würde dafür sprechen, sie noch höher zu bauen.

„BDS“-Unterstützer als einziger „Experte“

So eingestimmt, beginnt die Diskussion mit dem im Studio sitzenden Samir Jamal Aldin. Er sagt Sätze wie „Das Hauptproblem ist die Besatzung“ und bezeichnet Araber, die bei israelischen Behörden Aussagen machen, als „Kollaborateure“ – so, als wären die Israelis Nazis. Für Samir haben Israelis nur „Schikane“ im Sinn:

„Was mir auch Eindruck gemacht hat in diesem Film, ist, wie realistisch er das Leben gezeigt hat, also die Schikane, wie diesem Jungen von den Soldaten, den israelischen, einfach gesagt wird: ‚Du stellst dich auf diesen Stein hin, und er muss dann idiotischerweise auf diesem Stein stehen, dabei müsste er eigentlich arbeiten gehen. All diese Details sind sehr subtil gezeichnet, ohne grosse Anklagen zu machen.“

Von der Moderatorin kommt immer wieder ein zustimmendes „Mhmh“. Dann fragt sie, ob es Kontakte zwischen palästinensischen und israelischen Filmemachern gebe. Hier outet sich Samir offenbar als Befürworter der Anti-Friedenskampagne der Fatah, die jegliche Kontakte zwischen Arabern und israelischen Juden unterbinden will, seien es Friedenskonferenzen, Fussballspiele oder gemeinsame Feiern von Arabern und Juden. Samir erklärt, dass es früher etliche israelische Filmproduzenten gegeben habe, die mit palästinensischen Regisseuren zusammengearbeitet hätten. Letztere hätten die Zusammenarbeit aber aufgekündigt:

„Da gibt es keine Zusammenarbeit mehr. Ich kenne etliche israelische Produzentinnen – meistens Frauen, by the way –, die bis vor kurzem noch auch palästinensische Regisseure produziert haben. Aber inzwischen ist die Enttäuschung auf der palästinensischen Seite, und der Wille, sich nicht mehr von den guten Menschen in Israel kolonisieren zu lassen, so gross geworden. Das habe ich in diesem Film interessant gefunden: Hani hat keine israelischen Techniker, er hat auf alles verzichtet, was mit Israel zu tun hat, um seine Eigenständigkeit zu bewahren, auch in seinem Arbeitsprozess.“

Wo er von den „guten Menschen“ spricht, grinst Samir und malt mit den Fingern Anführungsstriche in die Luft. Die „guten“ Menschen in Israel, haha. Dass es in Israel gute Menschen gebe, soll der Zuschauer ja nicht glauben. Wenn eine israelische Filmproduzentin einen palästinensischen Regisseur bittet, einen Film zu machen, will sie ihn doch nur „kolonisieren“. Es klingt, als würde sich Jassir Arafat in der Hölle mit Fidel Castro unterhalten.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, auch sonderbaren und radikalen politischen Meinungen im Fernsehen ein Podium zu bieten – wenn es denn im Rahmen eines Pluralismus geschieht, der bestrebt ist, die gesamte Bandbreite von Meinungen zu zeigen. Was aber das Schweizer Radio und Fernsehen SRF an diesem Abend praktiziert, ist das Gegenteil von Pluralismus. Die Tiraden gegen Israel von Samir Jamal Aldin blieben unwidersprochen.

Ein 2010 von BDS Schweiz lancierter Aufruf für einen Israel-Boykott, unterstützen auch einige Politiker, Kulturschaffende und Journalisten. Mit Bild und Namen aufgeführt sind z.Bsp. die Sozialdemokratischen Nationalräte Margret Kiener Nellen (BE) und Carlo Sommaruga (GE). Ebenfalls dabei: der ehemalige Grüne Nationalrat, Ex-Stadtammann von Baden AG, Geri Müller, der Filmemacher Samir sowie der Journalist Erich Gysling. Foto Screenshot www.bds-info.ch 15.10.2019

Auf eine schriftliche Anfrage von Audiatur-Online, zur Unterstützung der antisemitischen und terrornahen BDS-Bewegung durch Samir Jamal Aldin und dem Fehlen einer israelischen/jüdischen Stimme im Beitrag von «#SRFglobal» vom 8. Oktober 2019, antwortete SRF- Produzent Daniel Blickenstorfer, es sei SRF bekannt, dass Samir Jamal Aldin Unterstützer von BDS ist. Allerdings gebe es keinen Hinweis darauf, dass er terroristische Aktionen gebilligt hätte und von einem Kulturboykott gegen Israel habe er sich distanziert. Der Spielfilm «Omar», zeichnet laut Blickenstorfer „ein differenziertes Bild beider Seiten“ und für die politische Beurteilung des Films sei hauptsächlich die Sonderkorrespondentin verantwortlich. Der Konflikt zwischen Israel und Palästinensern sei im gesamten Programm der Filmnacht im Übrigen in fünf Gesprächsblöcken nur einmal zur Sprache gekommen, aus diesem Grund habe man verzichtet , eine israelische Stimme ins Studio einzuladen.

Jüdisches Leben braucht Schutz

Der SRF-Filmabend fand nicht nur zu Beginn des höchsten jüdischen Feiertages Jom Kippur statt, sondern auch – was freilich zu diesem Zeitpunkt niemand wissen konnte – am Vorabend jenes Tages, an dem ein Neonaziterrorist in der deutschen Stadt Halle an der Saale zwei Menschen ermordete, nachdem er zuvor vergeblich versucht hatte, sich gewaltsam Zutritt zum Inneren des Gotteshauses zu verschaffen. Ein Blutbad unter den Gläubigen in der Synagoge – ähnlich dem in der Kehillat-Bnei-Torah-Synagoge in Jerusalem im November 2014 oder dem in der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh im Oktober 2018 – wurde nur deshalb verhindert, weil eine stabile Tür und stabile Mauern dem Täter den Weg zu den potenziellen Opfern versperrten. „Man sieht, wie wichtig jede Tür ist, wie wichtig jeder Zaun“, sagte Hamburgs Landesrabbiner Shlomo Bistritzky in einem Interview. Während die Behörden in Deutschland nun besseren Schutz für jüdische Einrichtungen geloben, richtete das SRF an jenem Abend eine propagandistische Breitseite gegen die Sicherheitsanlage, die in Israel Tag für Tag das Leben von jüdischen Männern, Frauen und Kindern schützt – vor Monstern, die nicht einmal davor zurückschrecken, nachts in die Kinderzimmer 13-jähriger Mädchen einzubrechen, um sie im Schlaf zu ermorden. Das ist der Grund, warum Juden überall auf der Welt Zäune, Mauern und stabile Türen brauchen, um sich vor denen zu schützen, die jede Nachlässigkeit ausnutzen würden, wenn sie irgendwo die Gelegenheit sähen, einen Juden zu ermorden. SRF, das an diesem Abend keinen Juden zu Wort kommen liess, lieferte ein böswilliges Sich-dumm-stellen: Die Sprecher taten so, als könnten Juden in der heutigen Welt ebenso sorglos leben wie Nichtjuden, ohne Schutzmassnahmen ergreifen zu müssen. Das nennt man: zum Schaden den Spott fügen. Für die Angehörigen des jüdischen Volkes, denen auch fast 75 Jahre nach Auschwitz noch nach dem Leben getrachtet wird, zeigten weder die Moderatorin Wasiliki Goutziomitros noch Korrespondentin Anita Bünter – von Samir Jamal Aldin gar nicht zu reden – an diesem „globalen Filmabend“ einen Funken Empathie. Der Beginn des Versöhnungsfestes Jom Kippur geriet im SRF zu einem Anti-Israel-Fest.

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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13 KOMMENTARE

  1. Das (gar nicht) lustige ist, dass Synagogen und tw. andere jüdische und israelische Einrichtungen in Deutschland und anderen EU Staaten, inzwischen verstärkte Türen, schusssichere Fenster, Zäune, polizeilichen Schutz und Einlasskontrollen brauchen. Wg Kolonisierung und Apartheid? Oder weil die umgebende Mehrheitsgesellschaft feindselig ist?
    Wer fordert die Israelis sollten ihre Grenzsicherung beseitigen, der sollte sich fragen, wieso wir in Europa vergleichbares zum Schutz von Juden und Israelis installieren müssen. Wenn es sie nicht nicht gäbe: man kann sich vorstellen wie viele Anschläge, vom Farbbeutel bis zur Bombe, „passieren“ würden.
    Aber der Zaun in Israel wurde nur zur Schikane der Araber errichtet!?

  2. Schön wie die Kommentatoren hier glauben mit Rechthaberei Israel und dem jüdischen Leben allgemein einen Dienst zu erweisen.

    • Unschön dagegen, wenn sich bei dem erklärten Rechtsradikalen schnider hansruedi, abends gegen 22:00 Uhr sein GröFaZ im Hinterstübchen meldet und befielt: Tu was!, worauf hasruedi gehorsamst gegen 22:13 Uhr obigen Sermon absondert und danach stolz meldet: Befehl ausgeführt, mein Führer!

      • Im Vergleich zu Ihnen brauche ich mich nicht hinter einem Pseudonym zu verstecken und werfe auch nicht mit verbalen Fäkalien um mich. Nun, jeder macht was er kann. Doch eine Frage stelle ich mir schon: Wie kommen Sie darauf, mich als Rechtsradikal zu bezeichnen. Liegt das an ihrer mangelnder Bildung oder sind Sie schlicht ein extrem einfach gestrickter Provokateur der sich anonym im Netz tummelt? Seien Sie glücklich damit. Wie sagt man so schön: Selig sind die geistig Armen..

        • „Wie kommen Sie darauf …“

          Das habe ich Ihnen schon mal erklärt:
          https://www.audiatur-online.ch/2019/10/10/erschuettert-und-betroffen-israel-verurteilt-antisemitischen-anschlag-von-halle/#comments

          Sie haben sich kurz nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle und zwei Morden wie folgt geäußert:
          „1. Antisemitismus ist ein Problem für die Juden und nicht für die ganze Gesellschaft.“
          „2. Zum Nachdenken: Mir sind keine Anschläge auf buddhistische Klöster bekannt…woran das wohl liegen mag?“

          Ja, woran mag es bloß liegen, dass ich zur Auffassung komme es mit einem Rechtsradikalen zu tun zu haben, wenn Sie damit suggerieren, die Juden seien selber schuld an den Anschlägen auf sie und ihre Beträume? Und sie fortgesetzt hetzen „Schön wie die Kommentatoren hier glauben mit Rechthaberei Israel und dem jüdischen Leben allgemein einen Dienst zu erweisen.“

          Wenn Sie das alles ganz anders gemeint haben, müssen Sie es auch so schreiben. Und vielleicht mal darüber nachdenken, warum man (nicht nur ich) Sie ganz leicht mit einem Antisemiten/Rechtsradikalen verwechselt. Ich sehe allerdings nach wie vor nicht, dass Sie keiner sind. Aber viele Antisemiten mögen es gar nicht, wenn sie als solche bezeichnet werden.

          • Tja, Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut der Demokratie. Wen Sie damit ein Problem haben, bitte. Ich empfehle Ihnen, nicht im Netz anonym Ihren persönlichen Frust an anderen Leuten auszulassen. Agression ist eine schlechte Basis für sinnvolle Dispute!

  3. SRF betrachtet sich als nach men en wissen als seriös und neutral. Es gehört dazu dass man beide Seiten. ins Gespräch bringt und achtet dass beiden auch ungefähr gleiche Zeit gegeben geben wird oder- wenn man nur eine Seite „zur Verfügung hat“ (was hier sicher nicht zutrifft), deutlich betont dass die Meinungen die des Interviewten sind und er für die Richtigkeit verantwortlich ist. Die Redaktion sollte dass betonen, bzw. dass ihre Meinung durch dem Sprecher nicht betreten ist. Tut sie das nicht, gilt der Bericht als parteiisch und voreingenommen.
    Da sist erlaubt wenn die Redaktion offen auf die Neutralität des Berichtes verzichtet und zugibt dass es ihr mehr gefällt oder passt, für die Palästinenser und vor allem gegen die Juden zu sein.

  4. Eigentlich keine Überraschung, diese an Einseitigkeit kaum zu überbietende Sendung „zum Nahen Osten“ des schweizerischen Meinungsmacher TV Senders SRF. Passend zur Sendung, auch die total politisch und geschichtlich inkompetenten Journalistinnen und Journalisten, die an diesen unseriösen Bericht mitgewirkt haben!

  5. Wir können nur zu Gott beten denn sie wissen nicht was sie tun und Gott Bitten Ihre Augen zu Öffnen solange noch Gnadenzeit ist

  6. Ein routiniertes Spiel, wie die sich hier Beteiligten gegenseitig die Betroffenheitsbälle zuspielen. Hat mit antiisraelischer Propaganda sehr viel und mit seriösem Journalismus sehr wenig zu tun. Aber das scheint den Verantwortlichen des SRF völlig gleichgültig zu sein.

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