Symbolbild. Foto B'Tselem/CC BY 4.0
Symbolbild. Foto B'Tselem/CC BY 4.0
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Der Verein „Frieden und Gerechtigkeit in Palästina“ hat am Samstag 5. Oktober 2019 zum Vortrag und zur Diskussion zum Thema „30 Jahre B’Tselem – Israelische Besatzung: Never ending Sory?“ ins Casa d‘ Italia in Bern eingeladen. Als Stargast war der palästinensische Aktivist Abdulkarim Sadi von der NGO B’Tselem angekündigt. Gekommen sind alle: Antisemiten, Antizionisten, Israelhasser und vermeintliche Israelkritiker.

Ein Kommentar

Würde man das Bingo der „Israelkritik“ spielen, hätte man an dem Abend so richtig abgeräumt. Egal ob Apartheids- und Rassismusvorwürfe, Nazivergleiche, oder das Bild des gewalttätigen israelischen Soldaten – alles ‘kam zur Sprache‘.  Dabei standen sich Referent und Publikum in einer anschliessenden Diskussionsrunde in nichts nach.

Es ist nicht sonderlich überraschend, dass bei Veranstaltungen mit B’Tselem-Aktivisten solche Klischees und Gruselgeschichten über Israel erzählt werden. Das war in der Vergangenheit schon immer so. Dennoch ist man jedes Mal aufs Neue schockiert. Abdulkarim Sadi stand seinen Kollegen dahingehend in nichts nach. Da half es auch wenig, dass er während seines Vortrages nicht müde wurde, seine politische Neutralität zu betonen. Er ging gar noch weiter und bezeichnete sich als gänzlich unpolitisch. Ein Mann, der seit 16 Jahren für eine NGO arbeitet und dessen Familie nach eigener Aussage selbst vom „Landraub“ durch Israel betroffen ist, will also neutral und unpolitisch sein?

Im Vortrag, organisiert vom Verein Gerechtigkeit und Frieden in Palästina, der Verein ist übrigens auch ein Unterstützer von BDS, war davon jedenfalls nichts zu spüren. Schliesslich gehört es fast schon zum ‘guten Ton‘ des selbsternannten „israelischen Informationszentrum für Menschenrechte in den besetzen Gebieten“, ausschliesslich die israelische Seite zu kritisieren.

Frage aus dem Publikum während der Diskussionsrunde:

„Oder nehmen sie Deutschland. Was jetzt in Deutschland passiert, wenn sie Israel kritisieren. Wie jetzt auch in Wien. Wissen sie. Auch wenn sie Jude sind. Wissen sie. Sie riskieren in Europa vielleicht nicht ins Gefängnis zu kommen, aber sie werden als Antisemit bezeichnet usw, usw. Das ist warum meine Frage lautet, warum sagen sie dauernd, sie seien nicht politisch? Ich meine sie sind sehr politisch! Sogar eindeutig und gerade heraus politisch und was sie tun ist politisch. Also ich denke hier in einem Land wie der Schweiz oder Deutschland heutzutage, sollten sie zum Punkt kommen; sie sind politisch, sie kämpfen gegen einen rassistischen Apartheidstaat, sie stehen gegenüber und lassen Sie uns ehrlich sein was es ist, der kolonialen Siedlerbewegung, also einer völkischen Bewegung wie bei den Nazis, als sie Osteuropa kolonialisierten. Sie können hier solche Dinge sagen!“

Soldaten, Israelis oder Juden – Hauptsache negativ

Die meiste Kritik richtete Sadi an israelische Soldaten. Aus Angst vor Palästinensern seien sie sehr schiesswütig. Das liege vor allem an der israelischen Politik, erklärte der Aktivist. In Israel herrsche das Bild vor, dass Palästinenser keine Menschen seien. So würden sich dann auch die Soldaten verhalten. Jede Begegnung mit einem Soldaten sei daher und grundsätzlich ein bedrohliches Szenario für jeden Palästinenser.

Trotz der inhaltlich sehr fragwürdigen, gar gänzlich falschen Aussagen im Vortrag, bemühte sich Sadi um politisch korrekte Termini. Das gelang ihm durchaus – etwa zehn Minuten. Danach wurden aus Soldaten Israelis und später aus Israelis Juden. Nun machte sich also nicht mehr das Militär an Palästinensern schuldig, sondern ‚‘der Jude‘ an sich. Die 50-60 Gäste nickten zustimmend.

Rechtfertigung für Messerangriffe

Dass B’Tselem sich gegen israelische Sicherheitskräfte stellt, ist grundsätzlich nicht überraschend. Neu ist allerdings, dass man die Angriffe von Terroristen auf Sicherheitspersonal als logische Konsequenz auf deren Anwesenheit darstellt. Für Jugendliche sei das Steinewerfen auf Soldaten nur ein Spiel, erklärte Sadi weiterhin. Das würde nicht den Einsatz von Tränengas rechtfertigen. Diese „Ungerechtigkeit“ führe dann dazu, dass Palästinenser Messerattentate auf israelische Soldaten durchführen. Hinzu käme noch, dass Israel ein Apartheidstaat sei. Auch das sei eine Ursache für palästinensische „Verstösse“. Würde Sadi seinen Schutzmantel des ‘ Unpolitisch-Seins‘ ablegen, wäre auch er in der Lage zu erkennen, dass Araber in Israel wählen dürfen, dass es arabische Parteien in Israel gibt und dass in Israel alle Diversitäten in Freiheit zusammenleben. Ganz im Sinne von Bertold Brecht, als er schrieb: „Wer die Wahrheit nicht weiss, der ist bloss ein Dummkopf. Aber wer sie weiss und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“

Um es auf den Punkt zu bringen: Eine NGO, die Menschenrechtsverletzungen aufzeigen möchte, legitimiert Attentate. Ein Publikum, welches „die Wahrheit benennen möchte“ unterstützt antisemitische Propaganda. Deutschland, dessen Staatsräson die Sicherheit Israels ist, ist einer der grössten Geldgeber B’Tselems. Auch aus der Schweiz bekam B’Tselem in den letzten Jahren immer wieder einen finanziellen Zustupf. All das hält der Staat Israel aus, weil er eine Demokratie ist, in der jeder in Freiheit seine Meinung leben darf. Ist sie auch noch so abstrus.

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