Detail aus einem Mosaik beim Ausgrabungsprojekt Hippos-Sussita im Susita-Nationalpark, Sommer 2019. Foto zVg / Times of Israel
Detail aus einem Mosaik beim Ausgrabungsprojekt Hippos-Sussita im Susita-Nationalpark, Sommer 2019. Foto zVg / Times of Israel
Lesezeit: 3 Minuten

Hippos, östlich des See Genezareth, ist eine Fundgrube für Archäologen. Der Name bedeutet Pferd wegen der Form des Hügels zu Füssen der Golanhöhen. Jetzt melden israelische Archäologen aus Haifa, auf dem Fussboden einer byzantinischen Kirche zahlreiche „christliche Motive“ gefunden zu haben, darunter einen Korb mit Brotlaiben, einem Pfau und Fisch. Hippos, auf Hebräisch auch Susita genannt, war eine Stadt, die unter anderem von Herodes dem Grossen regiert wurde. Als wohlhabende Stadt gab es in ihr Hunderte Säulen aus rotem ägyptischem Granit. Im Neuen Testament ist oft die Rede von einer „auf einem Hügel liegender Stadt“, womit Hippos gemeint sein könnte.

Die „verbrannte Kirche“ ist eine byzantinische Kirche, die israelische, polnische und amerikanische Archäologen im Nationalpark Hippos seit 1993 untersuchen. Wahrscheinlich ist die Kirche während der Eroberung der Stadt durch die Sassaniden im Jahre 614 n. Chr. in Brand gesteckt worden. Das Sassanidische Reich war das letzte persische Reich vor der Ankunft des Islam und der Araber im Nahen Osten.

Für die Ausgräber war der zerstörerische Brand ein Segen. Denn so wurden die kostbaren Mosaiken mit einer dicken Ascheschicht bedeckt, weshalb sie unversehrt bestens erhalten geblieben sind. Der gesamte Innenbereich der Kirche auf einer Fläche von 10×15 Metern wurde freigelegt. Dabei wurden auch Türklopfer aus Bronzeguss in der Form brüllender Löwen gefunden.

Das Ausgrabungsprojekt Hippos-Sussita im Nationalpark Susita von oben, Sommer 2019. Foto zVg

Die Ausgrabungen werden von Dr. Michael Eisenberg betreut, im Auftrag des Instituts für Archäologie an der Universität Haifa.

Nachdem die Mosaiken auf dem Fussboden der Kirche gereinigt und konserviert waren, konnten die Experten auch zwei griechische Inschriften prüfen und entziffern. Die erste erzählt von den Kirchenvätern Theodoros und Petros, die ein Heiligtum für einen Märtyrer bauten, während die zweite sich in einem Medaillon in der Mitte des Mosaiks befindet und den Namen des Märtyrers Theodoros enthält.

Die Abbildung der Brotlaibe könnte ein Hinweis auf das im Neuen Testament beschriebene Wunder sein, wie Jesus Tausende Menschen mit fünf Brotlaiben und zwei Fischen versorgt. Andere Mosaike zeigen 12 Körbe voller Brot. Das Neue Testament beschreibt, wie die Jünger Jesu nicht nur alle ernähren konnten, sondern nach dem Wunder jeweils einen vollen Korb besassen.

Möglicher Brotkorb aus einem Mosaik beim Ausgrabungsprojekt Hippos-Sussita im Nationalpark Susita, Sommer 2019. Foto Michael Eisenberg

Vorsichtig mit endgültiger Interpretation

Die Abbildungen in Hippos, auf dem Hügel östlich des See Genezareth werfen Fragen auf zu anderen Stätten im Westen des See Genezareth auf, wo die gleichen Wunder Jesu auf alten Mosaiken dargestellt sind. Berühmt und bekannt ist die „Brotvermehrungskirche“ in Tabgha, wo im Altbereich ein frühchristliches Mosaik mit einem Brotkorb zu sehen ist. Ob nun das Wunder Jesu im Osten oder Westen des See Genezareth stattgefunden hat, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben, weshalb auch der Grabungsleiter Eisenberg vorsichtig ist mit einer endgültigen Interpretation der neuen Funde. „Heutzutage neigen wir dazu, die Kirche der Vervielfältigung in Tabgha im Nordwesten des Sees von Galiläa als Ort des Wunders zu betrachten. Aber bei sorgfältiger Lektüre des Neuen Testaments ist offensichtlich, dass das Wunder nördlich von Hippos in der Stadt stattgefunden haben könnte“, sagte er. „Die Fische haben in der christlichen Welt eine zusätzliche symbolische Bedeutung“, so Eisenberg weiter. „Es kann sicherlich unterschiedliche Erklärungen für die Beschreibungen von Broten und Fischen im Mosaik geben, aber man kann die Ähnlichkeit mit der Beschreibung im Neuen Testament nicht ignorieren.“

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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