Symbolbild. Foto Cole Keister/Unsplash
Symbolbild. Foto Cole Keister/Unsplash
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„Die Schuldgeschichte des Antijudaismus der westlichen Christenheit und des Antisemitismus der westlichen Gesellschaften hat zwei katastrophale Folgen gehabt“, erklärt der evangelische Theologe Ulrich Duchrow. Die eine Katastrophe ist der Mord an sechs Millionen Juden. Was ist wohl die andere Katastrophe? Der Theologe wird konkret: „das Schweigen des Westens zu der Art und Weise, wie der von den Vereinten Nationen (Uno) ermöglichte Staat Israel den Beschluss der Teilung Palästinas umsetzte und umsetzt.“

Ein Kommentar von Gerd Buurmann

Es brauchte wohl einen evangelischen Theologen, um diesen Stunt hinzulegen:

Ulrich Duchrow erklärt, der Massenmord an Juden in Europa und der Umgang mit dem Staat Israel in seiner heutigen Form seien die zwei Grundverbrechen des Holocausts.

Deshalb erklärt der deutsche Theologe die Angriffe auf Juden auch zum Widerstand: „In der Tat haben sich über die Jahrzehnte Palästinenser gegen die völkerrechtswidrige Besatzung auch mit Gegengewalt gewehrt.“ Ulrich Duchrow listet „Steinwürfe“, sowie „Messerstiche und einige Raketen gegen israelische Unterdrückung und Provokationen“.

In den letzten Jahren wurden tausende Raketen und Granaten auf Israel abgefeuert. Die Raketen wurden bewusst in die Richtung von Schulen, Hospitälern, Altenheimen und Kindergärten abgefeuert! Das Ziel jeder Rakete war es, so viele Israelis wie möglich zu töten, mögen es Kinder oder Greise sein. Die Motivation für die Angriffe auf Zivilisten benennt die Hamas offen in ihrer Gründungscharta, wo im Artikel 7 die Vernichtung des jüdischen Volks weltweit gefordert wird:

„Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten.“

Die pure Existenz von Juden wird somit als israelische Unterdrückung und Provokation verstanden. Ein deutscher Theologe übernimmt nun genau diese Rhetorik und rechtfertigt so die Taten zur Beendigung jüdischer Existenz als Widerstand. Das ist genau die Rhetorik, mit der auch die Nazis ihre Verbrechen als Widerstand gegen die Juden rechtfertigten. Selten war ein evangelischer Theologe näher dran am Judenhass von Martin Luther, der einst schrieb:

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“

Ulrich Duchrow verklärt die judenfeindliche Kampagne BDS zur „gewaltfreien Initiative zur Beendigung der Besatzung“ und haut Sätze wie diesen raus: „Ein wieder unschuldig gewordenes Deutschland und ein wegen der Opferrolle im Holocaust ewig unschuldig bleibendes Israel unterstützen sich gegenseitig in ihrer Macht.“

Darauf muss man erst mal kommen: Israel benutzt den Holocaust, um ewig unschuldig sein zu können. Die Tatsache, dass ein Verbrechen wie der Holocaust nicht einfach so vergessen werden kann, ist keine zwingende Logik, sondern nur eine böse Absicht der Juden. Gefühle, Ängste, Traumata, all das besitzt der Israeli nicht. Juden erinnern nicht an den Holocaust, weil sie ihn nicht vergessen können, sondern weil sie ihn nicht vergessen wollen. Sie holen den Holocaust wie eine Waffe hervor, kalt, berechnend und emotionslos. Sie sind ein wahrlich „verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding“.

Ulrich Duchrow erklärt den Holocaust zu einer Waffe der Israelis. Der deutsche Siegfried hat sechs Millionen Menschen in seinen Feueröfen zusammengeschmolzen, um daraus ein Schwert für die Juden zu schmieden. Und was machen die Israelis damit? Das was „rechte Teufel“ so tun. Der Theologe wird konkret: „Seither hat Israel alles versucht, so viele Palästinenser wie möglich loszuwerden. (…) So wird alles getan, um Palästinenser zu dezimieren“.

Dass die Bevölkerung der Palästinenser in Israel stetig gewachsen ist, verheimlicht der Theologe. Dafür behauptet er: „Trennt Juden und Palästinenser: Die Separationsmauer in Bethlehem.“

Das ist so falsch, dass nicht mal mehr das Gegenteil stimmt. Der Grenzzaun trennte nicht Juden von Palästinensern. Auf beiden Seiten leben Palästinenser. Der Grenzzaun trennt das Land Israel, in dem Juden und Palästinensern gleichberechtigt nebeneinander leben von dem Bereich, in dem Juden verfolgt werden und Palästinenser um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie sich nicht der Regierung unterwerfen, die keine demokratische Legitimation hat und das eigene Volk seit Jahren knechtet.

Auf der einen Seite des Grenzzauns gilt die israelische Unabhängigkeitserklärung. Dort heißt es: „Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“

Auf der anderen wurde am Tag der 47-Jahr-Feier der Regierungspartei Fatah folgende Worte von Mufti Muhammad Hussein, den Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt hat, in die jubelnde Menge gesprochen: „Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben.“

Dank des Grenzzauns wurden viele Anschläge in Israel verhindert. Für Ulrich Duchrow aber ist der Zaun ein Verbrechen. Den Artikel im Evangelischen Kirchenboten beginnt er mit den Worten: „Zum Thema Palästina vertrat ich lange die Meinung, dass wir uns als Deutsche zurückhalten müssen.“

Diese Zurückhaltung hat er nun beendet. Für ihn ist klar: Die Israelis haben lange genug vom Holocaust profitiert! Obwohl nein, seine Behauptung ist noch viel krasser. Er sagt, Israels Möglichkeit, sich so zu verhalten, wie es sich verhält, sei Teil des Verbrechens, das Holocaust genannt wird.

Gerd Buurmann ist ein deutscher Autor, Schauspieler, Moderator und Regisseur. Zuerst erschienen bei Tapfer im Nirgendwo.

2 KOMMENTARE

  1. Wie kann ein habilitierter Theologe so etwas von sich geben. Hat er nie die Bibel komplett gelesen? Ich empfehle ihm Hesekiel. Da wird speziell in Kapitel 35 und 36 beschrieben was seit hundertvierzig Jahren in Eretz Israel und speziell auf den Bergen Israels, d.h. dem Westjodanland, geschieht. Auch die Zerstörung, Massaker und Vertreibung der Juden aus dem Westjordanland und Ostjerusalem 1948/49 sind dort prophetisch klar beschrieben. Darüber spricht er nicht. Die Palästinenser hätten längst in den arabischen Ländern integriert werden können. Aber sie werden von den arabischen Brudervölkern als Stachel gegen Israel benutzt. Die 800.000 Juden, die nach 1948 aus den arabischen Staaten fliehen mußten sind im kleinen Israel längst integriert. Das Wort Christ ist für viele Juden gleichbedeutend mit Nazi. Edom ist für die Orthodoxen ein Synonym für die Kirche. Hier sehen wir die Bestätigung. Als Christ und Deutscher schäme ich mich. Gerade wir Deutschen müssen endlich echte Verantwortung Israel gegenüber zeigen. Dies jedenfalls ist die moderne Art des Antisemitismus.

  2. Was kann man erwarten von so einem Antisemiten. Das ist nur Vortsetzung und Folge dessen, was schon Luther mit der „neuen“ Kirche angefangen hat!

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