Symbolbild. Foto Nik Shuliahin on Unsplash
Symbolbild. Foto Nik Shuliahin on Unsplash
Lesezeit: 4 Minuten

Wenn Sie zu den 10 Prozent der Weltbevölkerung gehören, die unglücklicherweise an Migräne leiden, kennen Sie nur zu gut das Gefühl von starken pochenden oder pulsierenden Schmerzen, die oft von Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und extremer Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräusche begleitet werden.

von Abigail Klein Leichman

Diese übermässig starken Kopfschmerzen können so lähmend sein, dass Sie selbst nach der Einnahme von Medikamenten in einem dunklen Raum einfach ins Bett kriechen und alles überspringen müssen, was Sie an diesem Tag tun sollten.

Kein Wunder, dass Menschen die Migräne bekommen – die als als die dritthäufigste Krankheit der Welt gilt – laut der in den USA ansässigen Migraine Research Foundation häufiger auch unter Angst, Depression und Schlafstörungen leiden.

Verschiedene Querdenker in Israel haben nach Wegen gesucht, um Migräne-Kopfschmerzen zu bekämpfen. Hier sind einige Ansätze in verschiedenen Entwicklungsstadien:

  1. Die in Netanya ansässige Theranica Bioelectronics entwickelte das Nerivio Migra Neuromodulationspflaster, das kürzlich von der US Food & Drug Administration freigegeben wurde.

Winzige Elektroden im Inneren des batteriebetriebenen Pflasters liefern elektrische Nervenstimulationen, um die Schmerzwahrnehmung durch die Migräne zu reduzieren. Am Arm getragen, kommuniziert Nerivio Migra drahtlos über Bluetooth mit Ihrem Smartphone, welches die elektrischen Impulse und die Dauer der Behandlung steuert.

In den klinischen Studien in den USA und Israel berichteten etwa zwei Drittel der Teilnehmer über eine signifikante Schmerzlinderung und 30 Prozent gaben an, dass sie schmerzfrei waren, obwohl der Effekt vorübergehend ist. Das Unternehmen sagt, dass eine 45-minütige Behandlung bis zu zwei Tage lang Abhilfe schaffen kann.

Das Nerivio Migra Neuromodulationspflaster. Foto zVg

Nerivio Migra wird Ende 2019 in limitierter Menge erhältlich sein, mit einer breiteren Vermarktung ab Anfang 2020.

Das Gerät ist für die akute Behandlung von Migräne mit oder ohne Aura für erwachsene Patienten indiziert, die keine chronische Migräne haben. (Das Aura-Gefühl, das vorübergehend das Sehen, Koordinieren und Sprechen beeinträchtigt, tritt bei etwa 20% der Menschen mit wiederkehrender Migräne auf.)

  1. Neurolief, ebenfalls mit Sitz in Netanya, erhielt kürzlich das europäische CE-Zeichen für sein Relivion Kopf-Neuromodulationsgerät zur Behandlung von Migräne und Depressionen, ADHS und Schlaflosigkeit.

Relivion bietet eine einzigartige schmerzstillende Hinterkopfbehandlung und eine nicht-invasive Nervenstimulation für zu Hause, ohne Rezept. In einer willkürlichen, doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Studie im vergangenen Jahr erzielten 76% der Teilnehmer nach nur einer Relivion-Behandlung eine Linderung der Migräne-Kopfschmerzen.

Der wiederaufladbare Neuromodulator stimuliert sechs Nervenäste, die Schmerzen und Stimmung regulieren, verhindert die Freisetzung von Gehirnchemikalien, die Schmerzen auslösen. Er moduliert die „Aktivierungsschwelle“ des Neuronalsystems, um die zukünftigen Auswirkungen von Migräneauslösern wie Stress, Schokolade, Käse oder Wein zu mindern.

Das faltbare tragbare Relivion verbindet sich mit einer Mobiltelefon-App und Cloud-basierten Analysen, um die effektivste Stimulation für jeden Benutzer zu bestimmen. Das Gerät wird mit 10 Behandlungen vorinstalliert verkauft; Benutzer können weitere Inhalte über das Internet laden.

  1. Teva Pharmaceuticals aus Jerusalem erhielt sowohl die FDA- als auch die CE-Zulassung für Ajovy (Fremanezumab), ein injizierbares Migränevorbeugungsmittel, das monatlich oder vierteljährlich bei Erwachsenen verabreicht wird, welche mindestens vier Migränetage pro Monat haben. Etwa 40% der Migränepatienten können Kandidaten für Ajovy sein.

In klinischen Studien erfuhren viele Patienten mit Ajovy eine Verringerung der Anzahl der monatlichen Migränetage um mindestens 50%, beginnend bereits in der ersten Woche. Ajovy kann von einem Arzt oder zu Hause von einem ausgebildeten Patienten oder Pflegepersonal verabreicht werden.

  1. Vor mehr als einem Jahrzehnt entwickelte der israelische Neurologe Dr. Yaron River mit Occiflex ein Robotergerät für Physiotherapeuten zur Behandlung von Hals- und Kopfschmerzen.

River sagt: „Das Gerät ist nicht direkt für die Behandlung von Migräne bestimmt. Bei chronischer Migräne können jedoch die damit verbundenen Nackenschmerzen gelindert werden, was wiederum die Schwere und Häufigkeit der Migräne vermindert.“

Kopf und Nacken des Patienten ruhen in einer verstellbaren, computergesteuerten Halterung, die an einem Behandlungstisch befestigt ist. Die Halterung bewegt den Kopf sanft entlang eines vordefinierten dreidimensionalen Weges. Dies entspannt die Muskeln und die Schmerzen können in der 20-minütigen Sitzung gelindert werden. Die Behandlung dauert in der Regel dreimal pro Woche für ein bis zwei Monate.

Das System wurde von Headway Medical in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Hersteller von medizinischen Rehabilitations- und Physiotherapiegeräten Enraf-Nonius entwickelt und vermarktet, welcher Occiflex exklusiv in Europa vertreibt.

  1. Eine potenzielle pharmazeutische Therapie für neurologische Erkrankungen einschliesslich Migränekopfschmerzen wurde kürzlich von BGN Technologies, dem Technologietransferunternehmen der Ben-Gurion University of the Negev, vorgestellt.

Das Verfahren kombiniert zwei von der FDA zugelassene Medikamente, Memantine und Losartan, welche die Blut-Hirn-Schranke schützen und so die Entwicklung verschiedener neurologischer Erkrankungen verhindern.

Störungen der Blut-Hirn-Schranke sind ein wichtiger Faktor bei neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, neurodegenerativen Erkrankungen, Hirntumoren und Hirninfektionen. Vorklinische Studien zeigen, dass die Kombinationsbehandlung die Funktionsfähigkeit der Blut-Hirn-Schranke schützt.

Auf Englisch zuerst erschienen bei Israel21c. Übersetzung Audiatur-Online.

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