Palästinenser aus Gaza werden zur medizinischen Versorgung nach Israel über den Grenzübergang Erez gebracht. Foto Kpl. Gal Ashuach, IDF. CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34369916
Palästinenser aus Gaza werden zur medizinischen Versorgung nach Israel über den Grenzübergang Erez gebracht. Foto Kpl. Gal Ashuach, IDF. CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34369916
Lesezeit: 4 Minuten

Es ist nicht gerade eine Top-Neuigkeit, dass die Führer der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) von US-Präsident Donald J. Trump und seiner Regierung besessen sind. Doch diese Anführer haben tatsächlich einen neuen Tiefpunkt erreicht: Sie versuchen nun, die Errichtung eines neuen Krankenhauses für ihre Bevölkerung im Gazastreifen zu verhindern.

 

von Bassam Tawil

Das neue Krankenhaus, bestehend aus 16 Abteilungen, soll in der Nähe des Erez-Grenzübergangs zwischen dem Gazastreifen und Israel entstehen. Das Krankenhaus wurde von Israel als Teil der Waffenstillstandsvereinbarungen genehmigt, die in den letzten Wochen mit der Hamas, unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, Katars und Ägyptens, getroffen wurden.

Das rund 4000 Quadratmeter grosse Krankenhaus wird auf die Infrastruktur, das Fachwissen und die Ressourcen einer internationalen NGO namens „Friendship“ zurückgreifen und soll eine deutliche Verbesserung der medizinischen Versorgung der Palästinenser im Gazastreifen gewährleisten.

Seltsamerweise versuchen Beamte der Palästinensischen Behörde, das Projekt zu vereiteln, während Israel es genehmigt hat. Die Gesundheitsministerin der PA, Mai Kaila, sagte Berichten zufolge während eines Treffens in Ramallah dem stellvertretenden Sonderkoordinator der Vereinten Nationen für den Friedensprozess im Nahen Osten, Jimmy McGoldrick, dass das Krankenhaus Teil eines Plans zur Trennung des Westjordanlandes vom Gazastreifen sei und die PA den Plan zum Bau eines Krankenhauses als „Teil des Deal of the Century“ betrachte.

„Wenn das Ziel der Errichtung dieses Krankenhauses human ist, wäre es besser gewesen, bestehende Krankenhäuser im Gazastreifen zu unterstützen und auszubauen“, sagte die palästinensische Ministerin dem UN-Beamten. „Dieses Projekt strahlt Humanität aus, während es aber einen gefährlichen politischen Aspekt verbirgt.“

Man könnte erwarten, dass die palästinensischen Machthaber ein neues Krankenhaus begrüssen, in dem die zwei Millionen Einwohner des Gazastreifens versorgt werden können Diese Führer haben jedoch kein Problem damit, das Leben palästinensischer Patienten zu opfern und zwar auf dem Altar ihres Hasses auf den Friedensplan.

Beamte der PA haben ihre Ablehnung des Baus des Krankenhauses auch mit dem Argument begründet, dass es dazu bestimmt sei, „das Westjordanland vom Gazastreifen zu trennen“.

„Das Krankenhaus das Israel und die USA an der Nordgrenze des Gazastreifens errichten wollen“, hatte die palästinensische Regierung bereits am 8. Juli erklärt, „ist Teil der laufenden Versuche, die Trennung zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland unter humanitären Vorwänden zu festigen“.

Diese Behauptung ist völlig unbegründet und zwar so sehr, dass sie surreal ist.

Was hat der Bau eines modernen Krankenhauses mit der „Trennung“ des Westjordanlandes vom Gazastreifen zu tun? Seit dem gewaltsamen Sturz des Regimes der PA durch die Hamas im Sommer 2007 im Gazastreifen sind die beiden Einheiten politisch voneinander getrennt. Seitdem hatten die Palästinenser zwei verschiedene Ministaaten, die in der Tat immer kulturell getrennt waren: einen im Westjordanland, früher ein Teil Jordaniens und heute unter der Kontrolle von Präsident Mahmoud Abbas und seiner Palästinensischen Autonomiebehörde; und den anderen im Gazastreifen, früher unter der Verwaltung Ägyptens und heute unter der Kontrolle von Hamas und Islamischem Dschihad.

In den letzten zwei Jahren haben Abbas und andere Führer der PA die Gewohnheit entwickelt, alles, was ihnen nicht gefällt, auf die Trump-Administration und ihren „Deal of the Century“ zu schieben.

Für die PA ist selbst der wirtschaftliche Teil des Trump-Plans, der ihnen Milliarden von Dollar zur Förderung der palästinensischen Wirtschaft und zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen bietet, eine „Verschwörung“ im Zusammenhang mit dem „Deal of the Century“.

Der jüngste Schwindel der Palästinensischen Autonomiebehörde besagt – fälschlicherweise -, dass der Bau des neuen Krankenhauses auch Teil von Trumps „Deal of the Century“ ist.

Die Regierung der PA – angeführt von Mohammed Shtayyeh, den Abbas letzten Monat zum Premierminister ernannt hat – und dabei die Bedürfnisse seiner Bevölkerung im Gazastreifen völlig ausser Acht liess, lehnte das Krankenhausprojekt schnell ab. Shtayyeh und seine Regierung treffen keine Entscheidungen, es sei denn, sie werden von Abbas genehmigt. Diese werden dann später von der Führung der PA (einschliesslich Abbas und seiner PLO- und Fatah-Beamten) bestätigt, die sie dann in ihren offiziellen Medien veröffentlicht.

„Die PA gefährdet das Leben Tausender ihrer Bürger“

Die Kampagne der PA gegen das neue Krankenhaus ist ein weiterer Beweis für die verschwörungstheoretische Denkweise, die die palästinensische Führung weiterhin heimsucht. In den letzten zwei Jahren warnen die palästinensischen Führer beispielsweise vor einer US-israelischen „Verschwörung“ zur Auflösung der palästinensischen Sache.

Obwohl bisher keine solche „Verschwörung“ aufgetaucht ist, betrachten die palästinensischen Führer einfach alles, was die Israelis oder Amerikaner ihnen anbieten, als „Verschwörung“.

Seit einigen Jahren beklagen sich die Bewohner des Gazastreifens über den Mangel an Medikamenten und medizinischer Ausrüstung. Wenn das Krankenhaus nicht gebaut wird, dann wird dem palästinensischen Volk im Gazastreifen – von seinen eigenen Führern – eine unschätzbare Hilfe vorenthalten worden sein.

Ausserdem kündigte die Regierung der PA Anfang dieses Jahres an, dass sie die medizinische Überweisung von Palästinensern an israelische Krankenhäuser einstellt. Der verheerende Schritt hat nur das palästinensische Volk getroffen.

Die PA gefährdet das Leben Tausender ihrer Bürger, indem sie die medizinische Überweisung an israelische Krankenhäuser einstellt und ihrer Bevölkerung den Zugang zu einer ausgezeichneten medizinischen Versorgung in Israel vorenthält. Viele Palästinenser haben die Entscheidung als „Fehler“, „überstürzt“ und “ unkalkuliert“ bezeichnet.

Die Führung der PA hat in einem Punkt Recht: Eine Partei in diesem Konflikt nutzt den Konflikt tatsächlich für ihre eigenen Zwecke – aber es ist nicht die Trump-Administration. Die einzige Partei, die eine Schuld trifft, ist Abbas und seine Mitarbeiter. Sie lehnen eine dringend benötigte medizinische Einrichtung ab, nur um weiterhin die Schuld für das Leid der Palästinenser im Gazastreifen bei Israel zu suchen. Abbas scheint zu befürchten, dass ein neues Krankenhaus – das die israelische Zulassung erhalten hat – ihn seiner Behauptung berauben würde, dass Israel für das palästinensische Elend verantwortlich sei.

Die Palästinensische Autonomiebehörde ist wahrscheinlich die einzige Regierung der Welt, die die Einrichtung eines modernen Krankenhauses als „Verschwörung“ betrachtet. Es bleibt abzuwarten, ob die internationale Gemeinschaft der Kampagne von Abbas zustimmen und das Krankenhausprojekt aufgeben wird, oder ob sie sich tatsächlich entscheidet, dem palästinensischen Volk zu helfen, dessen Führer nur wissen, wie sie sich selbst helfen können.

Bassam Tawil ist Muslim und lebt als Wissenschaftler und Journalist im Nahen Osten. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Gekürzte Fassung. Übersetzung Audiatur-Online.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.