Symbolbild. Foto Screenshot fra.europa.eu
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Viele junge jüdische Europäerinnen und Europäer sind Belästigungen ausgesetzt, lassen sich aber nicht unterkriegen und bringen ihre jüdische Identität deutlich zum Ausdruck. So lautet die Schlussfolgerung eines Berichts, der gestern von der Europäischen Kommission und der European Union Agency for Fundamental Rights (FRA) veröffentlicht wurde.

 

 

Aus dem Bericht „Young Jews in contemporary Europe“ [Junge Jüdinnen und Juden im heutigen Europa] geht hervor, dass sich junge jüdische Europäerinnen und Europäer weitgehend klar zu ihrer jüdischen Identität bekennen, obwohl sie Antisemitismus noch stärker ausgesetzt sind als die ältere Generation. Der Bericht basiert auf Daten von mehr als 2’700 jungen jüdischen Europäerinnen und Europäern, die 2018 für die Erhebung der FRA „Erfahrungen und Wahrnehmungen von Antisemitismus“ befragt wurden. Er zeigt auch, dass sich diese jungen Menschen der allgemeinen Veränderungen in der Gesellschaft im Hinblick auf die zunehmende Hetze und Intoleranz bewusst sind und sich in Europa generell unsicher fühlen.

Die EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung, Věra Jourová, betont:

Jungen jüdischen Europäerinnen und Europäern ist ihre jüdische Identität sehr wichtig. Es macht mich traurig, zu hören, dass sie um ihre Sicherheit besorgt sind, sich nicht trauen, eine Kippa zu tragen und einige sogar eine Auswanderung in Erwägung ziehen. Wir müssen rasch handeln, um den Antisemitismus in Europa zu bekämpfen und unsere Anstrengungen bündeln, um die Sicherheit unserer jungen Menschen zu gewährleisten. Wir möchten, dass junge Menschen jüdischen Glaubens in Europa so aufwachsen, dass sie sich vollständig zugehörig fühlen. Antisemitismus stellt eine Bedrohung für unsere europäischen Werte dar. Deshalb gehört seine Bekämpfung zu unseren Prioritäten und arbeiten wir eng mit den Mitgliedstaaten zusammen, um dafür zu sorgen, dass diese jungen Menschen vollständiger Teil unserer Union sind.“

Antisemitismus in Europa ist wie ein hartnäckiger Fleck, der nicht rausgeht“, sagt der Direktor der FRA ,Michael O’Flaherty. „Wir sind es allen Jüdinnen und Juden und insbesondere den künftigen Generationen schuldig, diesen Fleck ein für allemal zu entfernen, indem wir abgestimmte Massnahmen auf EU- und nationaler Ebene ergreifen und eng mit den jüdischen Gemeinschaften zusammenarbeiten.

Basierend auf den Daten der FRA-Erhebung gelangt der Bericht zu folgenden Ergebnissen:

  • 81 % der jungen jüdischen Europäerinnen und Europäer bekennen sich zu einer starken jüdischen Identität.
  • Vier von fünf jungen jüdischen Europäerinnen und Europäern sagen, dass Antisemitismus in ihren Ländern ein Problem ist und sind der Ansicht, dass Antisemitismus in den letzten fünf Jahren zugenommen hat.
  • 81 % der jungen jüdischen Europäerinnen und Europäer sind der Ansicht, dass Rassismus in ihren Ländern ein Problem ist, und 74 % bemerken speziell eine Zunahme von Hass gegenüber Muslimen.
  • Das Gedenken an den Holocaust ist der wichtigste Faktor für die jüdische Identität der jungen jüdischen Europäerinnen und Europäer (95 %).
  • Während die „Unterstützung Israels“ bei der Identität der jungen jüdischen Europäerinnen und Europäer eine geringere Rolle spielt als für die ältere Generation, geben 85 % der Befragten an, dass ihnen in ihren Ländern zumindest „gelegentlich“ die Schuld für das geben wird, was von der israelischen Regierung unternommen wird.
  • 44 % der jungen jüdischen Europäerinnen und Europäer erfuhren antisemitische Belästigungen; dies sind 12 % mehr als in der älteren Generation. 80 % der jungen Opfer melden Belästigungen nicht bei der Polizei oder einer anderen Behörde.
  • 45 % der jungen jüdischen Europäerinnen und Europäer entscheiden sich dafür, in der Öffentlichkeit keine erkennbaren jüdischen Gegenstände zu tragen, mitzuführen oder sichtbar zu machen, da sie über ihre Sicherheit besorgt sind.
  • 41 % zogen die Auswanderung in Erwägung, da sie sich in ihrem Land als Person jüdischen Glaubens nicht sicher fühlen.
  • 48 % sind der Ansicht, dass sie von ihrer Regierung angemessen geschützt werden, und nur 17 % finden, dass Antisemitismus in ihrem Land wirksam bekämpft wird.

Der Präsident des European Jewish Congress, Dr. Moshe Kantor, sagte in Reaktion auf die Umfrage: „Dieser Bericht ist sehr beunruhigend, weil er deutlich zeigt, dass die Position unserer Jugend, der jüdischen Zukunft Europas, im Moment sehr schwach ist“.

„Die Tatsache, dass fast die Hälfte erwägt, auszuwandern und keine Zeichen ihres jüdischen Hintergrunds zeigt, deutet auf einen Zerfall ihres Vertrauens hin, sowohl offen als auch stolz jüdisch in ihrem lokalen Umfeld zu sein“, fügte er hinzu.

Kantor bemerkte jedoch auch die positiven Ergebnisse: „Die Tatsache, dass über vier Fünftel der jüdischen Jugendlichen in Europa die Bedeutung ihrer jüdischen Identität für hoch halten, ist sicherlich positiv und bedeutet, dass trotz der Herausforderungen die nächste Generation jüdischer Führungspersönlichkeiten motiviert ist, ihre jüdische Identität zu bewahren, und das ist sicherlich Grund zu grossem Optimismus“.

Die Ergebnisse beziehen sich auf die mehr als 2’700 Jüdinnen und Juden im Alter von 16 bis 34 Jahren, die an der von der FRA durchgeführten Erhebung unter der jüdischen Bevölkerung in 12 Mitgliedstaaten, in denen schätzungsweise über 96 % der jüdischen Bevölkerung der EU leben, teilnahmen.

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