Symbolbild. Studenten an der Hebrew University of Jerusalem. Foto Yonatan Sindel/Flash90
Symbolbild. Studenten an der Hebrew University of Jerusalem. Foto Yonatan Sindel/Flash90

Eine Universität ist wie ein Zauberwald. Man geht mit speziellen Erwartungen, mit Vorwissen und Wissensdurst in ein Seminar, oder in eine Vorlesung und kommt im besten Falle mit einer völlig neuen Sichtweise und einem erweiterten Wissensumfang wieder heraus. In einer Universität wird diskutiert und wenn man wie ich, ganz besonderes Glück und ein dementsprechendes Bachelor Zeugnis, sowie Engagement zeigt, wird man anschliessend an einer der besten Universitäten für seinen Master Studiengang angenommen.

 

In meinem Fall war es die Tel Aviv University und der Master in Middle Eastern Studies. Das Studienprogramm steht in enger Verbindung zu dem bekannten Moshe Dayan Centre for Middle Eastern and African Studies, welcher eines, wenn nicht gar das, beste Forschungsinstitut der Welt auf seinem Gebiet ist. Der Forschungsleiter des Moshe Dayan Centre, Dr. Brandon Friedman, unterrichtet die Studenten genauso, wie der Leiter des Middle Eastern Studies Program, Prof. Dr. Meir Litvak. Letztgenannter schloss seinen Bachelor mit Summa Cum Laude ab und promovierte in Harvard über die Shiʻi ʻUlama‘ von Najaf und Karbala‘, (1793-1904).

Keine Frage bleibt unbeantwortet

Prof. Litvak unterrichtet ebenfalls den Arabisch-Israelischen Konflikt im zweiten Semester meines Studienganges und es überkommt einen das Gefühl, dass man, selbst wenn man sich mit dem Themengebiet vorher intensiv beschäftigt hat, immer noch unendlich viel Neues dazu lernen kann, insbesondere von solch einem Experten in seinem Gebiet. Keine Frage und sei sie noch so kontrovers, bleibt unbeantwortet und die Antwort an sich ist stets frei von Einseitigkeit, denn einzig wissenschaftliche Fakten zählen in Litvaks Kurs. Ein Student führte an, dass es keine Palästinenser gäbe, da der Name erst in den 1960er Jahren mehr oder weniger eingeführt wurde. Professor Litvak antwortete, dass dies zwar grundsätzlich nicht falsch wäre, aber es keinen Sinn machen würde, diesen Ansatz weiter zu verfolgen, wenn man eine Friedenslösung anstrebt. Er sagt, dass es egal wäre wie sich eine Bevölkerungsgruppe nennt, denn wenn sie sich wie eine Einheit fühlen und eine Nationalbewegung hervorbringen kann, muss dies Ernst genommen werden. Die Palästinenser sind heute genau so eine Tatsache wie der Staat Israel und eine Diskussion darüber, wie man eine Gruppe nennt oder nicht, ist genauso hilfreich wie die Diskussion unter den Palästinensern, dass Juden kein Anrecht auf Israel haben, da sie kein Volk wären – also gar nicht.

Es gibt allerdings auch andere Dozenten, denen es nicht gelingt, einzig Fakten für sich sprechen zu lassen. Areen Hawari ist eine solche Dozentin. Eine ehemalige Kommilitonin und Freundin aus Deutschland absolvierte gerade während ihres Auslandssemester an der Hebrew University in Jerusalem ihren Kurs „Palästinenser in Israel“. Immer wieder unterhielten wir uns über die Themenkomplexe unserer beiden Kurse, die sich oft überschnitten und doch so grundlegend unterschiedlich behandelt wurden. Hawari selbst ist Palästinenserin und schreibt derzeit an ihrer Dissertation. Sie beschäftigt sich vor allem mit Gender Studies, weswegen sie unter anderem über palästinensische Frauen in Israel schreibt und deren geringe Quote auf dem Arbeitsmarkt beklagt, was auch ein Thema in ihrem Seminar war. Die Schuld wird hierbei aber vor allem Israel gegeben, da Israel die palästinensischen Frauen diskriminiere. Dies ist bemerkenswert, denn Hawari höchstselbst studierte als palästinensische Frau an einer Israelischen Universität und nicht etwa im Westjordanland und schreibt ebenfalls gerade in Israel an ihrer Dissertation. Palästinensische und israelisch-arabische Frauen sitzen in der Knesset, arbeiten in der Polizei, an Universitäten, als Ärzte in Krankenhäusern und in praktisch allen anderen Berufen auch. Die einzige Demokratie im Nahen Osten garantiert gleiche Rechte für alle, dass hierbei die arabischen Städte und Dörfer meist eine schlechtere Schuldbildung aufweisen und der Druck der Familienclans auf die Töchter grösser ist, kann wohl kaum dem Staat Israel angelastet werden.

In ihrem Kurs an der Hebrew University unterrichtet sie die Studenten ebenfalls eindeutig in einer politisch einseitigen und voreingenommenen Sichtweise. Dies ist schon allein an dem Kursmaterial zu erkennen, welches die Studenten zur Vorbereitung lesen müssen. Hier sind z. B. Autoren wie Ilan Pappe zu finden, der unter anderem ein BDS Unterstützer ist und Kommentare wie: „An die Familie des eintausendsten Opfers des israelischen Völkermordes in Gaza“ schreibt.

„Judaisierung“ der palästinensischen Gesellschaft

Hawari zeigte in ihrem Kurs ebenfalls einen Film, in dem Palästinensische Kinder die Hatikva, die israelische Nationalhymne, in der Schule sangen. Sie empfand dies als unangebracht, da es sich nicht um ein arabische Lied handelt. Kein Mensch würde jemals auf die Idee kommen und sich darüber beschweren, dass in Deutschland die Nationalhymne auf deutsch und nicht etwa auf türkisch gesungen wird, da die grösste Minorität in Deutschland Türken sind. In ähnlichen Zusammenhängen sprach sie auch immer wieder gern von der „Judaisierung“ der palästinensischen Gesellschaft und den Gebieten. Ein Ausspruch, der nicht ohne Grund an u.a. eine der dunkelsten Zeiten der Geschichte des Nationalsozialismus erinnert.

Areen Hawari war ebenfalls eine Unterzeichnerin der Haifa Deklaration, die den Staat Israel zu Folgendem aufruft:

„Diese Versöhnung erfordert, dass der Staat Israel die historische Ungerechtigkeit, die er gegenüber dem palästinensischen Volk durch seine Gründung begangen hat, anerkennt, sowie die Verantwortung für die Nakba, die alle Teile des palästinensischen Volkes befallen und auch für die Kriegsverbrechen und Besatzungsverbrechen, die es in den besetzten Gebieten begangen hat, übernimmt.“

Hierbei scheint völlig vergessen worden zu sein, dass die UN sowohl einen jüdischen Staat, als auch einen arabischen Staat beschloss. Die im Mandatsgebiet Palästina ansässigen Araber lehnten dies jedoch ab und führten lieber einen Angriffskrieg gegen den neu geborenen jüdischen Staat, den sie verloren und deswegen vor dem Ausbruch des Krieges (hierbei meist die intellektuelle und reiche Oberschicht), oder nach dem Ende des Krieges das Land verliessen. Was hierbei demnach eine historische Ungerechtigkeit darstellen soll ist mehr als fraglich.

Redefreiheit und Gleichberechtigung machen es möglich

All dies wird in Hawaris Kurs unterrichtet und Studenten, die keinerlei Vorwissen besitzen, nehmen diese Informationen nach ihrem Austauschsemester mit nach Haus und berichten von „historischen Ungerechtigkeiten“ und der „Judaisierung“ der palästinensischen Gesellschaft, ganz so, als wären es Fakten. Israel und seine Universitäten machen dies als Demokratie mit Redefreiheit und Gleichberechtigung möglich und eine akademische Diversität ist das Herz einer jeden Hochschule. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass die in Bälde abgesendeten Evaluationsbögen eventuell aufzeigen werden, dass in Areen Hawaris Kursen mehr als eine Prise Voreingenommenheit und Propaganda mitschwingen und dass eine Politik der Meinungsmache betrieben wird, die mehr als einmal historischen und soziologischen Fakten widerspricht. Die Einstellung einer Dozentin, die u.a. an anti-israelischen Veranstaltungen teilnimmt, die Vorträge wie „Der Plan Jerusalem zu judaisieren“ anbietet, oder „Der ‚gefährliche Araber‘: Das Bild der Palästinenser in israelischen Schulen“, sollte womöglich neu überdacht werden.

Über Tina Adcock

Tina Adcock ist Religionswissenschaftlerin und schreibt gerade in der Tel Aviv University an ihrer Masterarbeit für „Middle Eastern Studies“.

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