Hamas Vertreter Ismail Haniyeh. Foto Abed Rahim Khatib/Flash 90
Hamas Vertreter Ismail Haniyeh. Foto Abed Rahim Khatib/Flash 90

Israels arabische Nachbarn versuchen zunehmend, das Kriegsbeil nach Jahrzehnten eines formellen Zustandes des Krieges zu begraben, nicht aber die Muslimbruderschaft.

 

von John Rossomando

Bahrain ist sich bewusst, dass Israel auf Dauer bleiben wird und will Frieden, sagte Aussenminister Khalid bin Ahmed al-Khalifa am Mittwoch in der Times of Israel.

Sein Kommentar kam, als die Konfliktparteien in Manama, Bahrain, das Für und Wider von Präsident Trumps „Deal des Jahrhunderts“ diskutierten. Die Muslimbruderschaft machte unmissverständlich klar, dass für sie solche Details keine Rolle spielten.

„Die Muslimbruderschaft verurteilt alle Formen der Normalisierung mit dem zionistischen Feind und alle Aktionen, die zum zionistisch-amerikanischen Abkommen führen und bestätigt, dass alle arabischen Regierungen, die am „Deal des Jahrhunderts“ beteiligt sind, anti-arabische Völker und Verräter der palästinensischen Sache sind“, sagte die Muslimbruderschaft am Dienstag auf ihrer Facebook-Seite.

Der US-Vorschlag würde 27,5 Milliarden Dollar für den Aufbau des Westjordanlandes und des Gazastreifens bereitstellen, darunter einen Transportkorridor von 5 Milliarden Dollar, der die Gebiete verbindet. Es ist Teil einer vorgeschlagenen wirtschaftlichen Investition in Höhe von 50 Milliarden Dollar in der Region, die dem Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg nachempfunden ist. Saudi-Arabien behauptet, dass der Plan zu einem völlig unabhängigen palästinensischen Staat führen würde.

„Das ist kein Deal“

Die Internationale Union Muslimischer Gelehrter (IUMS), die jahrelang vom Ideologen der Muslimbruderschaft, Scheich Yusuf Qaradawi, geleitet wurde, hat sich der Muslimbruderschaft angeschlossen und die Manama-Konferenz und den „Deal des Jahrhunderts“ verurteilt und verkündet, dass ein solcher Kompromiss unmöglich sei.

„Das Land Palästina ist vollständig islamisch und kein Zentimeter davon kann aufgegeben oder sein Erbe verkauft werden“, sagte IUMS-Verwalter Sheikh Hassan Ould Aldo in einer Erklärung auf der Website der muslimischen Gelehrtengruppe. „Das ist kein Deal.“

Aldo und die Bruderschaft verwenden eine ähnliche Sprache wie die Hamas in ihrer ursprünglichen Satzung. Sie lehnt jede friedliche Koexistenz ab. Für sie ist Palästina Teil eines Waqf, eines heiligen islamischen Trusts, das kein Mensch wegverhandeln kann.

Die IUMS verwendete eine ähnliche Sprache wie die jüngste Erklärung der Muslimbruderschaft in früheren Fatwas, die die Normalisierung der Beziehungen zu Israel verbot.

„Alle politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen und alle Formen der Normalisierung mit der zionistischen Einheit werden als eine Form der Unterstützung und Erhaltung des Besatzers bei der Besetzung von Land und heiligen Stätten angesehen“, sagte ein IUMS Fatwa von 2009 und bestätigt damit die Verurteilung des „Deal des Jahrhunderts“ durch die Muslimbruderschaft.

Am Montag beschrieb die Hamas, der palästinensische Ableger der Muslimbruderschaft, in einer arabischen Pressemitteilung ganz Israel als „1948 besetzte Gebiete“. Die englische Version dieser Erklärung liess den Hinweis weg, beschrieb den US-Plan aber als „tote Buchstaben, da das palästinensische Volk, das seit mehr als 100 Jahren für seine Freiheit kämpft, nicht dazu verleitet werden wird, als Gegenleistung für den Reichtum der Welt seinen Anspruch auf sein Heimatland zu verleugnen“.

Die Erklärungen machen deutlich, dass das Problem für die Bruderschaft und die Hamas nicht das Handeln oder die Politik der israelischen Regierung ist. Es ist die Existenz des Landes, das in Verhandlungen nie akzeptiert werden kann. Sie glauben, dass Juden die Feinde Allahs sind, wie unzählige Videos in Hamas‘ Al-Aqsa Fernsehsendungen zeigen.

„Die Feinde Allahs“

„Das Töten der Besatzer (Israelis) ist eine Gottesdienst, der Allah zum Gesetz gemacht hat“, heisst es in einem Propagandamusikvideo von 2012, das von Hamas‘ Militärflügel, den Qassam-Brigaden, produziert und von Palestine Media Watch übersetzt wurde. „Juden zu töten ist Anbetung, die uns zu Allah führt“, so lautet ein arabischer Text auf einem Hinweisschild in dem Video.

Die Hamas-Charta zitiert den Gründer der Muslimischen Bruderschaft Hasan al-Banna: „Israel wird existieren und wird weiter existieren, bis der Islam es auslöscht, so wie er andere vor ihm ausgelöscht hat“.

Solche antisemitischen Ansichten gehen auf die Zeit vor der Gründung Israels zurück.

Al-Banna nannte Juden und Zionisten in seinem Buch Fee Qaafilatil-Ikhwaan al-Muslimeen „die Feinde Allahs“.

Er wandte sich 1935 an Scheich Muhammad Amin al-Husseini, damals der Grossmufti von Jerusalem, mit dem Ziel, ihm bei der Bekämpfung der jüdischen Migration zu helfen. Führer der Bruderschaft starteten eine Spendenkampagne für palästinensische Dschihadisten und schickten Waffen zum Einsatz gegen die Juden.

Die Bruderschaft nahm eine starke Pro-Nazi-Haltung ein und schickte Al-Husseini nach Deutschland, um sich mit Adolf Hitler zu treffen. Er sagte Hitler, dass Juden der gemeinsame Feind des Islam und der Nazis seien. Al-Husseini teilte al-Bannas Ideen mit Hitler und diente als Vermittler zwischen dem Gründer der Muslimbruderschaft und dem Nazi-Diktator.

Al-Husseini half, Muslime aus dem Balkan, Ägypten und anderen Ländern für den Kampf für die Nazis zu rekrutieren und wurde SS-General. Frankreich verhaftete später al-Husseini als Kriegsverbrecher, aber die Briten überredeten Frankreich, ihn nach Ägypten zu entlassen, um weitere Gewalt in der muslimischen Welt zu verhindern.

Al-Husseini und die Muslimbruderschaft lehnten den Teilungsplan der Vereinten Nationen von 1947 nach dem Krieg ab, der zwei Staaten geschaffen hätte, einen israelischen und einen palästinensischen. Stattdessen wählte die Muslimbruderschaft den Weg der Gewalt. Mitglieder des Sonderapparates der Muslimbruderschaft kamen im März 1948, zwei Monate vor der Proklamation des Staates Israel, nach Palästina. Die Bruderschaft lehnte wiederholte Waffenstillstandsbeschlüsse der UN ab und schwor zu kämpfen, bis „wir den letzten zionistischen Soldaten ins Meer schiessen“.

Obwohl sich viele im Nahen Osten derzeit mit Israel versöhnen, bleiben die Muslimbrüder und ihre palästinensischen Ableger fest in ihrem Glauben, dass es keinen Frieden geben kann, solange Israel existiert.

John Rossomando ist leitender Analyst bei The Investigative Project on Terrorism. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Investigative Project on Terrorism. Übersetzung Audiatur-Online

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