Präsident Mahmoud Abbas in Riad mit König Abdullah bin Abdulaziz von Saudi-Arabien, 2010. Foto Omar Al-Rashidi / Wafa
Präsident Mahmoud Abbas in Riad mit König Abdullah bin Abdulaziz von Saudi-Arabien, 2010. Foto Omar Al-Rashidi / Wafa

2009 verkündete der inzwischen verstorbene König Saudi-Arabiens Abdullah ibn Abd al-Aziz den Entschluss seines Landes, 1 Milliarde US-Dollar für den Wiederaufbau im Gazastreifen spenden zu wollen.

 

von Khaled Abu Toameh

Die Ankündigung des Monarchen erfolgte im Rahmen einer arabischen Wirtschaftskonferenz in Kuwait. Die Zusage der Saudis wurde jedoch nie in die Tat umgesetzt, insbesondere wegen des anhaltenden Disputs zwischen der Hamas-Regierung im Gazastreifen und Mahmud Abbas‘ Palästinensischer Autonomiebehörde (PA) im Westjordanland.

Zweifelsohne hatte der König gute Absichten und er wollte seinen palästinensischen Brüdern helfen, vor allem den zwei Millionen Einwohnern des Gazastreifens, die nach wie vor in desolaten Zuständen leben und dringend finanzielle und wirtschaftliche Hilfe benötigen.

Als König Abdullah sechs Jahre später verstarb, machten die Palästinenser keinen Hehl aus ihrer Verachtung für den arabischen Herrscher, der ihnen Hilfe angeboten hatte, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern und den palästinensischen Kindern eine bessere Zukunft zu sichern.

Ihre Verachtung ging soweit, dass palästinensische Gläubige in der al-Aqsa-Moschee in Jerusalem den Prediger Ismail Nawahdeh, der den Tod des saudischen Königs betrauerte, ausbuhten. Als Nawahdeh die Trauerbekundung verlas, begannen Hunderte Palästinenser damit, Parolen zu rufen, in denen sie den verstorbenen Monarchen verunglimpften.

Ein Jahrzehnt ist vergangen, seitdem König Abdullah ibn Abd al-Aziz dem Gazastreifen die 1-Milliarden-Dollar-Spende anbot, aber offensichtlich hat sich in der Welt der Palästinenser nichts verändert. Die Palästinenser sind derzeit schlecht auf Saudi-Arabien und einige andere arabische Staaten zu sprechen, weil diese der Teilnahme an einer unter der Federführung der USA stattfindenden Konferenz in Bahrain zugestimmt haben. Hauptzweck der unter dem Motto „Frieden zu Wohlstand“ stehenden Konferenz ist es, die Palästinenser beim Aufbau einer florierenden und vitalen Gesellschaft zu unterstützen. „Der Plan hat das Potenzial, in einem Zeitraum von 10 Jahren neue Investitionen in Höhe von mehr als 50 Milliarden US-Dollar auf den Weg zu bringen und stellt damit die bislang ambitionierteste und umfangreichste internationale Anstrengung für das palästinensische Volk dar“, so der am 22. Juni veröffentlichte Plan, der den Teilnehmern anlässlich der bevorstehenden Wirtschaftskonferenz in Bahrain vorgestellt werden soll.

Verachtung für arabische Regierungen

Wie zu erwarten war, haben die Palästinenser, die die Konferenz in Bahrain boykottieren, den Plan abgelehnt. Sie bezeichnen ihn als einen „Bestechungsversuch“, der die Palästinenser zur Aufgabe ihrer „nationalen Rechte“ verleiten soll. Auch wenn die palästinensische Ablehnung des Plans keine Überraschung war, so ist ihre scharfe Verurteilung der arabischen Staaten, die ihre Teilnahme an der Konferenz in Bahrain zugesagt haben, ein Zeichen für die Verachtung, die die Palästinenser für arabische Staatsoberhäupter und Regierungen empfinden.

In der vergangenen Woche richteten offizielle palästinensische Vertreter und Gruppierungen einen einstimmigen Last-Minute-Appell an die arabischen Staaten, den palästinensischen Aufruf zum Boykott der Wirtschaftskonferenz in Manama in Bahrain zu befolgen. Die grösste palästinensische Gruppierung, die von Mahmud Abbas angeführte Fatah, verkündete in mehreren Erklärungen, dass jeder Teilnehmer der Konferenz als Verräter betrachtet werde. Die Fatah ging sogar noch weiter, indem sie Araber drängte, vor den Botschaften Bahrains in ihren Hauptstädten zu demonstrieren.

Die palästinensische Strategie ist ganz offensichtlich, die arabischen Massen gegen ihre Staatsoberhäupter und Regierungen aufzuhetzen. Die Angriffe der Palästinenser richten sich nicht länger gegen US-Präsident Donald Trump und seine „zionistischen“ Berater, Jared Kushner, Jason Greenblatt und den US-Botschafter in Israel, David Friedman. Jetzt sind die arabischen Staatsoberhäupter ihre Zielscheibe, insbesondere jene, von denen die Palästinenser denken, dass sie in geheimem Einvernehmen mit Israel und der Trump-Regierung stehen.

Obwohl der verstorbene saudi-arabische König Abdullah ibn Abd al-Aziz den Wunsch und den Ehrgeiz hatte, den Palästinensern zu einem besseren Leben zu verhelfen, wurde er nach seinem Tod verhöhnt. Die palästinensische Weigerung, ihn beim muslimischen Gebet in der al-Aqsa-Moschee zu betrauern, ist die erniedrigendste Behandlung, die ein Muslim einem anderen zuteil werden lassen kann.

Es ist als ob die Palästinenser sagten, König Abdullah ibn Abd al-Aziz sei ein schlechter Moslem und ein Verräter – und als solcher verdiene er es nicht, dass man ihm in einer Moschee die Ehre erweist. Eine derartige Schmach bleibt im allgemeinen jenen Moslems vorbehalten, die die schlimmsten Sünden und Verbrechen begangen haben.

Als die Palästinenser die Araber für ihre Teilnahme an der Bahrain-Konferenz verurteilten, wiederholten die palästinensischen Anführer erneut ihren Aufruf zu Finanzhilfen an die arabischen Staaten. Auf der einen Seite verurteilen die Palästinenser die arabischen Länder für die Teilnahme an einer Konferenz, deren Ziel es ist, die palästinensische Wirtschaft zu fördern und die Lebensbedingungen im Westjordanland und dem Gazastreifen zu verbessern. Auf der anderen Seite haben die Palästinenserführer jedoch kein Problem damit, ihre arabischen Brüder um dringend erforderliche Finanzhilfen anzubetteln.

Die Araber ihrerseits scheinen allmählich mit der Taktik der Palästinenser vertraut zu sein und sind – ausser im Rahmen von blossen Lippenbekenntnissen – nicht bereit, sich in naher Zukunft zugunsten der Palästinenser von ihrem Geld zu trennen.

Für den 23. Juni war ein Treffen der arabischen Aussenminister in Kairo anberaumt, um über den palästinensischen Aufruf zu einem „finanziellen Sicherheitsnetz“ durch die arabischen Staaten zu diskutieren. Als Grund diente der Vorwand, Abbas und seine Regierung stünden vor einer ernsten Finanzkrise und seien nicht in der Lage, ihren Angestellten ordnungsgemässe Gehälter zu zahlen. Dies ist nicht das erste Mal, dass die Mehrheit der arabischen Staaten zusammenkommt, um über die bevorstehende „Finanzkrise“ der Palästinenser zu diskutieren.

Die Palästinenser setzen allerdings keine grossen Hoffnungen in die Araber, insbesondere angesichts nicht eingehaltener früherer Versprechungen finanzieller Hilfen. Die Palästinenser bitten die Araber um monatliche Zahlungen in Höhe von 100 Millionen US-Dollar, um dem „politischen und finanziellen Druck [durch Israel und die US-Regierung] standhalten“ zu können.

Es ist zu erwarten, dass die Palästinenser in den kommenden Tagen ihre Angriffe auf die arabischen Staaten sowie ihre Anschuldigungen, diese stünden in geheimem Einvernehmen mit Israel und der Trump-Regierung, verstärken werden. Auch bei den im Westjordanland und dem Gazastreifen geplanten Massenprotesten während der Bahrain-Konferenz werden die Palästinenser arabische „Verräter“, die an dem Wirtschafts-Workshop teilnehmen, aufs Schärfste verurteilen.

Die Palästinenser haben erkannt, dass einige der wichtigsten arabischen Länder, darunter Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate, nicht länger bereit sind, auf sie zu warten und sich entschieden haben, auf den Zug aufzuspringen, an dessen Ziel sowohl auf Palästinenser als auch auf Araber Wohlstand und wirtschaftliche Chancen warten.

Der Beginn einer „Scheidung“ ?

Die Konferenz in Bahrain könnte den Beginn einer „Scheidung“ zwischen den Palästinensern und zahlreichen arabischen Ländern markieren. Bald schon könnten die Palästinenser erkennen, dass ihre arabischen Brüder Prioritäten haben, die wichtiger sind als die unaufhörliche finanzielle Selbstverbrennung der Palästinenser – Prioritäten, wie etwa die Bedrohung durch den Iran und ihre eigene neue wirtschaftliche Unsicherheit.

Die Palästinenser hätten nichts zu verlieren gehabt, wenn sie an der Konferenz in Bahrain teilgenommen oder den Wirtschaftsplan akzeptiert hätten. Stattdessen haben sie sich dafür entschieden, die Milliarden US-Dollar, die ihnen der Wirtschaftsplan der USA darbietet, auszuschlagen und ihr Volk gegen Israel und die Trump-Regierung aufzuwiegeln. Was noch schwerwiegender ist, sind die palästinensischen Bestrebungen, die arabischen Massen gegen ihre Staatsoberhäupter aufzuhetzen – ein Schritt, der die Spannungen zwischen den Palästinensern und der arabischen Welt sicherlich weiter verschärfen wird.

In einem Szenario, das man bestenfalls als grotesk bezeichnen kann, erfolgt die palästinensische Verunglimpfung arabischer Staatsoberhäupter als Verräter zum gleichen Zeitpunkt, da sie an deren Türen hämmern und um Geld betteln.

Dieses Mal jedoch weigern sich die arabischen Herrscher, sich von den Palästinensern für dumm verkaufen zu lassen. Die posthume Demütigung des verstorbenen saudischen Königs ist ein Bild, das nur schwer zu vergessen ist.

Der Entschluss sechs arabischer Staaten, trotz des palästinensischen Boykottaufrufs an der Konferenz in Bahrain teilzunehmen, zeigt, dass die Araber sich entschieden haben, eine neue Richtung einzuschlagen – eine, bei der die Palästinenser in einer selbstgeschaffenen Hölle auf sich alleine gestellt sein werden. Da sie sich entschieden haben, nicht nur den USA sondern auch einflussreichen arabischen Staaten eine lange Nase zu machen, werden die Palästinenser voraussichtlich die grossen Verlierer sein.

Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter arabisch-israelischer Journalist und TV-Produzent. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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