Marktplatz von Bartella einen Monat nach der Befreiung vom IS. Foto World Watch Monitor
Marktplatz von Bartella einen Monat nach der Befreiung vom IS. Foto World Watch Monitor

Vor knapp zwei Jahren endete die dreijährige Besetzung der nordirakischen Stadt Mossul und der umliegenden Dörfer durch den „Islamischen Staat“ (IS). Zehntausende Christen waren aus der Region geflohen. Laut dem überkonfessionellen christlichen Hilfswerk Opendoors herrscht unter den wenigen Zurückgekehrten bis heute grosse Unsicherheit.

 

Im Mai kündigte die irakische Regierung an, die Bewohner von 50 Dörfern in der Umgebung von Mossul, der zweitgrössten Stadt des Irak, zu bewaffnen. Dadurch sollten sie in die Lage versetzt werden, sich vor versprengten Grüppchen von IS-Kämpfern zu schützen, die weiterhin im Land aktiv sind. Durch gezielte Anschläge, wie etwa auf einen Markt in Kirkuk, versuchen die Angreifer, die Regierung in Bagdad zu destabilisieren. Der IS hat auch die Verantwortung für einige der Brände übernommen, die in den letzten Wochen Hunderte von Hektar Land im Nordirak geschädigt haben. Dabei wurden Ernten auf Land zerstört, das nach Aussagen der Angreifer „im Besitz von Ungläubigen“ ist.

1400 Jahre Christenverfolgung

Der Mangel an Sicherheit und Stabilität lässt Christen zögern, in ihre Häuser und Gemeinden zurückzukehren. Seit dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003 ist die Zahl der Christen im Irak von ca. 1,5 Millionen auf unter 250.000 zurückgegangen. „Das Christentum im Irak, eine der ältesten Kirchen, wenn nicht sogar die älteste Kirche der Welt, steht kurz vor dem Aussterben“, sagte der Erzbischof von Erbil, Bashar Warda, während eines Besuchs in Grossbritannien im vergangenen Monat. Seinen Worten zufolge könnten die Christen im Irak nach 1400 Jahren Verfolgung „am Ende des Weges angekommen“ sein.

Christen, die sich für eine Rückkehr in die Ninive-Ebene entscheiden, stehen vor vielen Herausforderungen, schreibt Opendoors. Häuser und Infrastruktur wurden zerstört und es besteht die ständige Angst vor möglichen Angriffen durch IS-Zellen oder andere Milizen.

Rahmenbedingungen für Christen sichern

In der Ortschaft Bartella lebten vor der IS-Besetzung überwiegend syrische Christen. Heute sind die meisten Einwohner schiitische Muslime. Die Stadt wird von einer lokalen Miliz kontrolliert, immer wieder werden Vorfälle von Belästigung und Einschüchterung gemeldet.

Ein neues Zentrum für Rechtsberatung versucht, die christliche Minderheit in der Region Ninive über ihre Rechte aufzuklären. Dort arbeitet ein vierköpfiges Team, darunter ein Richter und ein Anwalt, an Fällen, bei denen es um die Rückgabe von Land und Wohnungen an Christen geht, ihnen der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Bildung verwehrt wird oder Frauen ihre Rechte verweigert werden. Open Doors unterstützt diese wichtige Arbeit. Ein Mitarbeiter erläutert: „Es ist wichtig, dass wir nicht nur beim Wiederaufbau christlicher Städte und Dörfer helfen, sondern vor allem auch die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, um ihre Zukunft zu schützen.“

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert der Irak aktuell an 13. Stelle unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

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