Foto Till Brömme from Pixabay

Der Hauptteil unseres Lebens verbringen wir damit, mit der Welt zurechtzukommen. Wir arbeiten, erziehen, putzen, reparieren, zahlen, schreiben, planen, essen, schlafen. Oder anders gesagt, unsere Energie fliesst in die Welt, die uns umgibt. Die Momente, wo wir unsere Aufmerksamkeit nach innen, auf unsere Essenz, richten, sind selten. Sie geben uns Weitblick und Ausgeglichenheit.

 

von Chaim Rittri

Ein Mensch der den inneren Weg bereist, begibt sich auf die Heimreise. Stimmt sein Innerstes auch mit dem Menschen überein, den er durch den Alltag manövriert? Ohne es genau zu wissen, sucht er nach Bewusstsein.

Das Lexikon definiert „Bewusstsein“ als „die Fähigkeit, das eigene Ich zu erkennen, sich als Individuum zu verstehen und die Umwelt in Beziehung zu sich selbst zu setzen“. Der entsprechende Begriff in der Tora, wäre wohl Kavanna – sein Leben zielgerichtet und bewusst im Einklang mit seinem Wesen zu leben.

Was hindert uns daran, bewusst zu leben und mit Kavanna zu handeln? Vielleicht sind wir Gefangene unserer eigenen unbewussten Lebensgewohnheiten, und diese hindern uns, mit unserem eigenen Skript Verbindung aufzunehmen.

Wie können wir uns dieses Skript vorstellen? Betrachten wir eine Torarolle, so besteht sie aus einem gerollten Text, der von einer Hülle umgeben ist. Die Hülle beschützt diesen Text, der einerseits unsere Geschichte beinhaltet. Andererseits finden wir in ihm die Anleitung uns mit dem Unendlichen zu verbinden. G-tt gab uns allen diese Tora, doch er legte auch in jeden einzelnen von uns eine ganz besondere Tora, umhüllt von einem Körper. Auch diese Hülle schützt unsere eigene Tora, in der wir unsere von G-tt gegebene Aufgabe finden können.

In uns selbst können wir den Schlüssel dazu finden, wozu wir erschaffen wurden. In unserer Tora liegt das Geheimnis unseres persönlicher Beitrages zur Welt, unserer Begabung und Möglichkeiten, die G-tt nur uns gab, um den Platz einzunehmen, den er für uns vorgesehen hat.

Das erste Werden ist ein physisches Werden, die Geburt. Es ist der Anfang einer Reise, der uns das Rohmaterial verlieht, mit dem wir uns in ein Gefäss für das g-ttliche Licht verwandeln können. Die Geburt der Seele hingegen, ist ein lebenslanger Versuch die g-ttlichen Funken, die in uns sind, sinnvoll in unserem Leben zu Vorschein bringen zu lassen.

Wo immer wir sind, wie immer unsere Lebensumstände sind, dies ist unsere ureigenste Aufgabe. Darin liegt der verborgene Sinn unserer Leben – mit jeden Atemzug den wir nehmen.

Schawuot – der Anfang einer Reise?

Chaim Rittri wurde in Malmö, Schweden, geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft in Schweden, der Schweiz und in Israel. Er lebt in Basel, Schweiz, ist verheiratet und hat fünf Kinder. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des omek Magazine Chabad/Zürich.
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