*Kippa, Kirchen und Koran: Konfliktherd Jerusalem* Screenshot Youtube / NZZ Format
*Kippa, Kirchen und Koran: Konfliktherd Jerusalem* Screenshot Youtube / NZZ Format
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Das Schweizer Fernsehen SRF 1 hat am 14. März 2019 aus der Serie NZZ Format den Film „Kippa, Kirchen und Koran, Konfliktherd Jerusalem“ von Katharina Deuber ausgestrahlt. Zwar handelt es sich hier nicht um einen der Filme, die sich dem „Israel-Bashing“ verschrieben haben. Dafür aber führt er das Publikum in die Irre, indem behauptet wird, der Konflikt um Jerusalem und den Tempelberg sei rein politischer und nicht religiöser Natur. Diese Behauptung ist nicht nur einfach falsch, sie verharmlost diesen bald 100 Jahre alten Konflikt auf eine gefährliche Art und Weise. 

 

Ein Kommentar von Hanspeter Büchi

Israel wird vom Islam grundsätzlich nicht akzeptiert, weil es auf ehemals von Islam beherrschten Territorium liegt. Bereits im ersten Satz der Einführung zum Film ist von Juden, Christen und Muslimen die Rede, also von Religionen. Die Vertreter der muslimischen Seite (Yousef, Natsheh, Sway) geben sich im Film auffallend moderat und versöhnlich, – wohl aus taktischen Gründen. Beim Publikum dürfte dies zweifellos gut ankommen. Dies umso mehr, als es keine Kontrahenten gab, die auf die antijüdische und antiisraelische Haltung des Islam in Sachen Jerusalem und Tempelberg hinwiesen. Deshalb ist der Film kritisch zu beleuchten. Dies betrifft auch den gezeigten geschichtlichen Abriss, der keiner Überprüfung standhält. Das vermittelte irreführende Bild des Konflikts kann bei den Menschen mangels Wissens zu falschen Schlussfolgerungen führen.

Der Film spricht wohl den vielleicht sensibelsten Ort auf unserem Planeten an. Er erfordert neben Basiswissen auch Kenntnisse in Sachen Islam, Geschichte und Rechtslage Israels. Dies nicht zuletzt, um geeignete Gesprächspartner auszuwählen. Diese Voraussetzungen wurden nicht erfüllt, so dass der vorliegende Film nicht die Realität widerspiegelt.

Islam und der Konflikt um Jerusalem/Tempelberg

Auf die Frage der Sprecherin, wieso die drei Religionen in Jerusalem nicht einfach friedlich zusammenleben können meint Prof. D. Vieweger «Es geht hier um Land, wem gehört Jerusalem, wem gehört die Altstadt, wem gehören die heiligen Stätten….Das ist nicht ein religiöser Konflikt par excellence». Ja, es geht um Land, allerdings seitens Islam um die Rückeroberung resp. Rückführung einst islamischen Territoriums (Dar al-Islam) unter die Scharia. Denn nach islamischer Lehre darf Dar al-Islam niemals von Nicht-Muslimen regiert werden (Prof. Moshe Sharon in «Jihad – Islam against Israel and the West»). Dies zeigt den grundlegend religiösen Charakter dieses Konflikts.

Die Islamisierung des Tempelbergs – bis 70 n. Chr. Ort des von den Römern zerstörten jüdischen Tempels – erreichte Ende des 7. Jahrhunderts mit dem dortigen Bau des Felsendoms einen Höhepunkt. Es folgte die Al Aksa Moschee. Schon der Grossmufti Amin Al-Husseini verstand es 1929, mit dem Ruf «die Al Aksa ist in Gefahr» die Muslime gegen die Juden aufzuhetzen, was zu furchtbaren Massakern an diesen führte, vor allem in Hebron. Mit dem gleichen Schlagwort initiierte Präsident Mahmud Abbas 2015 eine eigentliche Mordwelle gegen jüdische Männer, Frauen und Kinder. Mörder wurden und werden glorifiziert und finden als leuchtende Beispiele Eingang in Schulbücher; Strassen, Sportanlässe werden nach ihnen benannt. Die nach wie vor gültige Charta der PLO hat die Eliminierung Israels zum Ziel. Wir werden den Juden – so Abbas 2015 – nicht erlauben, die heiligen Stätten mit ihren schmutzigen Füssen zu entweihen. Auch Israeli haben das Recht, den Tempelberg zu besuchen. Doch erlebte ich in vergangenen Jahren, wie dort jüdische Besucher von muslimischer Seite massiv belästigt wurden. Zum Schutz werden sie jeweils von israelischer Polizei begleitet. Das Oberrabinat mag Orthodoxen Besuche verbieten, doch fühlen sich liberale Juden nicht daran gebunden.


Trailer-Video zu „Kippa, Kirchen und Koran: Konfliktherd Jerusalem“

Bis in die 50er Jahre gab es die Broschüre des Supreme Muslim Council über den Tempelberg. Darin wurde ausdrücklich auf die seinerzeitige Existenz von Salomos Tempel hingewiesen. Doch seither leugnen dies die muslimischen Führer, wie sie auch die Verbindung Israels und der Juden zu Jerusalem und dem Tempelberg in Abrede stellen. Im Mai 2019 behauptete die paläst. Behörde, Israel gehe es nur darum, archäologischen Ausgrabungen zu benutzen, um Fakten und Geschichte zu fälschen. Yousuf Natsheh irritiert daher im Film mit seiner Aussage «Wir sollten den Glauben, die Traditionen und die Herkunft der anderen respektieren». Weniger mild waren seine Worte 2017 zur skandalösen Unesco-Resolution von 2016, die den Tempelberg, heiligste jüdische Stätte, ausschliesslich als islamisches Heiligtum definierte: Diese wiederspiegle nur Tatsachen, alles andere sei Propaganda, meinte er. Der palästinensische Kultusminister Habbash betonte 2017, die Klagemauer sei ein integraler Bestandteil des islamischen Glaubens, verbunden mit dem Propheten Mohammed.  Omar Yousef spricht im Film von Jerusalem als einem wichtigen nationalen und religiösen Symbol. Von Mustafa Abu Sway hören wir, dass Gott die Muslime eingeladen habe, an diesen speziellen Ort zu pilgern. Falsch! Für Muslime ist eine Pilgerreise nach Mekka Pflicht, nicht aber nach Jerusalem. Yousuf Natsheh hören wir klagen, dass seine Studenten von der Al-Quds Universität und viele Palästinenser nicht nach Jerusalem dürften, um ihre religiösen Pflichten zu erfüllen. Krokodilstränen, denn einerseits dürfen je nach Sicherheitssituation jüngere Muslime nun mal vorübergehend nicht auf den Tempelberg und zudem gibt es genügend andere Moscheen.

Die Sprecherin irrt mit der Aussage, in Jerusalem hätten alle drei Religionen ihre Wurzeln. Der Islam hat seine Wurzeln in Mekka. Jerusalem wird im Koran nirgends erwähnt. Problematisch auch ihre Worte: «Doch auch die Juden erheben immer noch Anspruch auf den Tempelberg», damit ignorierend, dass es um deren heiligste Stätte geht, die 1500 Jahre älter ist als der Islam.

Der Islam und das Verhältnis zum Judentum/Christentum

Im Film geben sich die Muslime gegenüber den anderen Religionen durchwegs auffallend konziliant. Die Realität ist jedoch anders. Y. Natsheh meint verführerisch:  «Wir alle lieben Jerusalem, das leuchtet uns eigentlich ein. Wir sollten den Glauben, die Traditionen und die Herkunft der anderen respektieren. Unsere Mission müsste sein, so gut wie möglich zu werden». Ähnlich M.A. Sway: « Der Kern der menschlichen Beziehungen ist im Grunde Gerechtigkeit, wir wollen keine Unterdrückung, keine Besetzung oder keinen Kolonialismus sehen. Wir wollen keine Machtstrukturen sehen, die gewisse Gemeinschaften diskriminieren. Wir sollten die Privatsphäre der anderen respektieren. Ich bin Gast bei Dir zuhause, aber es ist Dein Haus…». (Die hier kritisierte Besetzung ist gemäss internationalem Kriegsgesetz legal, eine Folge des Sechstagekriegs von 1967, als Israel von Jordanien angegriffen wurde).

Im Film bemerkt M. Brugnyar «Für Muslime ist Jesus natürlich ein Prophet…für Juden ist Jesus einer der ihren…«. Leichtfertig ist die Reaktion der Sprecherin: «Umso unverständlicher, dass sich die drei monotheistischen Religionen seit Jahrhunderten bekämpfen, denn sie teilen ihren Ursprung. Das Alte Testament oder die Torah, wie das Buch bei den Juden heisst, bilden bei allen die Grundlage. Und Abraham ist Stammvater für Juden, Christen und Muslime». Falsch kombiniert, der Koran ist die Heilige Schrift der Muslime, die Torah resp. Bibel ist die der Juden und Christen. Abraham hatte 2 Söhne, Ismael und Isaak. Den ewigen Bund einschliesslich der Landzusage machte Gott mit Abraham, Isaak, Jakob und dessen Nachkommen (Psalm 105). Allzu leichtfertig im Film auch die Aussage von Rabbiner Sperber, Mitglied der linksradikalen NGO «Rabbis for Peace»: «Der Islam akzeptiert das sog. Alte Testament, die hebräische Bibel, obwohl es gewisse Änderungen gibt; sie (die Muslime) akzeptieren auch die hebräischen Propheten wie Abraham, Moses und Mohammed als letzten Propheten». Dabei verschweigt Sperber, dass Mohammed den Juden und Christen später vorwarf, sie hätten die Schriften verfälscht. Zudem, wie Professor Moshe Sharon erklärt, betrachtet der Islam die biblischen Propheten als Muslime, was auch für Jesus, für Adam gilt. Die Sprecherin fährt fort «Bei all den Gemeinsamkeiten müssten alle drei Religionen an den gleichen Gott glauben, oder nicht? In seiner Antwort drückt sich Sperber aus wie es zahlreiche ungläubige Theologen in unseren Breitengraden tun würden: «Ich bin überzeugt, dass Judentum und Islam an den gleichen Gott glauben». Nicht korrekt, denn Allah und der Gott der Juden und Christen sind nicht derselbe. Mark A. Gabriel (Pseudonym) schreibt in seinem Buch «Swislam»: «Das Wort «Islam» bedeutet Unterwerfung und nicht Frieden. Der Islam ist auch keine friedliche Religion, sondern ruft Muslime auf, alle Ungläubigen zu töten. Die meisten friedlichen Verse, die im Koran zu finden sind, wurden durch den «Vers des Schwertes» ausser Kraft gesetzt und ersetzt.». Der Aufruf des Muftis von Jerusalem im Jahr 2012, die Juden zu töten, ist nur ein Beispiel von vielen. Zu verweisen ist diesbezüglich auf die Links www.palwatch.org und  Saat des Hasses D – YouTube.

Mit Erstaunen hört man daher im Film Aussagen wie u.a. von Mustafa Abu Sway: «Wir sollten an den gleichen Gott glauben, wir müssen an den gleichen Gott glauben, es gibt nur 1 Gott (aus seiner Sicht wohl Allah). Die Unterschiede bestehen darin, wie wir uns selber einbringen. Gott ist der gleiche, seine Botschaft auch, wir sind eingeladen, Gottes Worte als liebe Deinen Gott und liebe Deinen Nächsten zu verstehen». Ähnlich  Omar Yousef: «Die Juden flohen vor der Verfolgung in Europa (auch) ins Osmanische Reich. Es war nicht das demokratischste System, aber ich denke, dass der Islam eine gewisse Toleranz hat, weil er als letzte Religion kam. Darum anerkennt er die anderen». Dem ist leider nicht so, womit nicht gesagt sei, dass es im kleinen Kreis zwischen Muslimen und Juden nicht gute Kontakte gibt.  Der Islam und seine Führer haben jedoch ein anderes Ziel vor Augen. Im Koran steht z.B. in Sure 61.9. «Er ist es, der seinen Gesandten geschickt hat mit der Führung und der Religion der Wahrheit, auf dass er sie obsiegen lasse über alle Religionen, auch wenn die Götzendiener es hassen».

Geschichte und Rechtslage Israels

Der Film vermittelt den folgenden rudimentären historische Abriss des Konflikts:

«Mit dem ersten Weltkrieg änderten sich die Verhältnisse in Jerusalem. Die Stadt kam unter britisches Mandat. Nach dem Holocaust im 2. Weltkrieg wurde der Druck immer grösser, den Juden einen eigenen Staat zu geben. 1948 wurde Israel gegründet und Jerusalem geteilt in einen israelischen West- und einen palästinensischen Ostteil. Die Teilung war vom 1. Tag an umstritten, führte zu Flüchtlingen auf beiden Seiten und bis heute zu gewalttätige Auseinandersetzungen. Im Sechstagekrieg von 1967 eroberte Israel schliesslich nach 1900 Jahren den Tempelberg zurück.»

Tatsächlich geschah im 20. Jahrhundert jedoch folgendes:

1917 verpflichtete sich die britische Regierung in der sog. Balfour-Erklärung, sich für eine Nationale Heimstätte für das jüdische Volk im damals Palästina genannten Gebiet einzusetzen, ehemals Teil des besiegten Osmanischen Reichs. 1922 beauftragte der Völkerbund die Briten, diese Heimstätte im Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer inkl. Jerusalem zu errichten. Da war Platz für alle, für Muslime, Juden, Christen. Das Gebiet galt als unentwickelt und unterbevölkert. Doch unter Führung von Amin Al-Husseini (dem späteren Freund Hitlers) bekämpften die Muslime die geplante jüdischen Heimstätte. 1947 lehnten die Araber den UNO-Teilungsplan ab und griffen 1948 den soeben gegründeten Staat Israel an. Dessen auch heute gültigen Grundlagen bilden die Balfour-Erklärung und das Völkerbundmandat. Israel konnte sich behaupten, doch besetzte Jordanien widerrechtlich Judäa/Samaria (sog. Westjordanland) und den Ostteil Jerusalems mit Altstadt und Tempelberg. Jener Krieg führte zu Flüchtlingen auf beiden Seiten. Im Sechstagekrieg von 1967 von Jordanien angegriffen eroberte Israel diese Gebiete zurück. Erstmals seit 1948 konnten die Juden wieder an der Klagemauer beten. Trotz Oslo und Israels Friedensofferten von 2000 und 2008, dauert der Konflikt fort, ein religiöser Konflikt.

Der Direktor des American Colony Hotel Jerusalem, der Schweizer Guy Lindt, spricht im Film davon, das Hotel befinde sich im palästinensischen Teil Jerusalems, mitten auf palästinensischem Gebiet. Da erst seit einigen Monaten im Amt ist er mit den Fakten offenbar nicht vertraut. Es gibt rechtlich gesehen weder einen palästinensischen Teil Jerusalems, noch palästinensisches Gebiet. Ganz Jerusalem war/ist Teil der sog. Jüdischen Heimstätte (1948-67 unter jordanischer Besetzung).

Busse und Wohnungen

Was bewegte die Sprecherin im Film wohl zur Aussage, es gäbe in Jerusalem zwei getrennte Bussysteme für Juden und Araber? Tatsache ist, dass die weissen Busse Muslime in ihre Dörfer (und zurück) bringen. Die grünen Busse werden wie die Tramlinie von jedermann benutzt, von Juden, Arabern, Christen usw. Nicht korrekt ist auch die geäusserte Kritik, «Die Balance der Religionen ist fragil. Die jüdischen Bewohner dringen immer stärker in die anderen Quartiere vor. Zum einen kaufen die Juden den Arabern ihre Häuser ab, zum anderen besetzen «ultrareligiöse Siedler» Wohnungen im arabischen Teil und markieren sie mit israelischen Fahnen…etc.»  Nach meinen Informationen ist diese Darstellung falsch. Juden kaufen auch im Ostteil legal Wohnungen. Verdrängt wird niemand, Ende der jordanischen Besetzung (1967) lebten in Ostjerusalem etwa 55,000 Muslime, heute sind es 300,000. Es gibt dort über 50,000 illegal erstellte paläst. Wohnungen.

Es werden im Film unkritisch, einseitig und ohne Sachkenntnis Dinge thematisiert und fragwürdige Aussagen gemacht oder übernommen, die wie erwähnt zu falschen Schlussfolgerungen führen. Das ist im vorliegenden Fall besonders fatal, weil es um einen zentralen religiösen Konflikt geht.

Im Film kommen unter anderem zu Wort: Rabbiner Daniel Sperber (Jerusalem), Omar Yousef (Architekt, Jerusalem), Yousuf Natsheh (Direktor Islam. Archäologie Haram al-Sharif), Mustafa Abu Sway (Islamwissenschaftler al-Quds Universität), Markus Brugnyar (röm. kath. Priester, Jerusalem), Sarah Bernstein (Rossing Center Jerusalem), Yvonne Friedmann (Bar-Ilan Universität, Ramat Gan), Prof. Dieter Vieweger (Archäologe und Theologe, Jerusalem), Guy Linth (Direktor American Colony Hotel Jerusalem), sowie eine Sprecherin/ein Sprecher.

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