Eine Reklametafel für den Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv. Foto Adam Shuldman/Flash90
Eine Reklametafel für den Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv. Foto Adam Shuldman/Flash90

Der Eurovision Song Contest (ESC) steht vor der Tür und es ist heiss in Israel. Die Sonne strahlt vom Himmel als würde sie höchstpersönlich für gute Laune sorgen wollen, Coca Cola hat eine Sonderverpackung herausgebracht die dem ESC in gold mit verschiedenen israelischen Aussprüchen wie „If you’re ready to go say Yalla“ huldigt.

 

Die Israelis liegen bestgelaunt am Strand und auch das Vokabel lernen und die Vorbereitung der nächsten Uni Texte machen viel mehr Spass, wenn man ab und an in das wunderschön blaue Mittelmeer springen kann. Homosexuelle Pärchen laufen Hand in Hand an der Strandpromenade und niemand stört sich daran. Und trotz allem so augenscheinlichen Frieden, gibt es Menschen, die Israel wegen angeblicher Apartheid verurteilen.

Ein Beispiel dafür ist der Artikel des BR Reporters Björn Dake, der am 10. Mai 2019 bei „ARD Israel Palästina“ veröffentlicht wurde.

Als erstes berichtet Herr Dake von Haneen Maikey, welche für die Organisation alQaws arbeitet, was übersetzt so viel bedeutet wie „der Regenbogen“. Der Autor lässt geschickt mit einfliessen, dass er Frau Maikey in einem Hinterhaus in Ostjerusalem besucht, das Treppenhaus schummrig anmutet und sie ihm die genau Adresse erst kurz vor dem Treffen mitteilt, ganz so, als hätte es der Jüdische Staat auf die Aktivistin abgesehen, die sich laut ihrer Aussage für Homosexuelle in Israel und in den palästinensischen Gebieten einsetzt.

Als Dake sie auf den bevorstehenden ESC anspricht, rollt sie mit den Augen und meint, diese Veranstaltung wäre Pinkwashing. Wer von diesem abstrusen Begriff noch nie gehört hat sollte froh sein, denn es umschreibt Israels angeblichen Versuch mittels seiner LGBT Rechte von den „horrenden Menschenrechtsverletzungen, seinem Kolonialismus, den Siedlern und der vorherrschenden Apartheid“ in seinem Staatsgebiet abzulenken. Gut, könnte man jetzt denken, es kann doch nun wirklich kein Mensch so dumm sein und sich über LGBT Rechte beschweren, nachdem Jahre lang Homosexualität auch im sonst so aufgeklärten Westen verfolgt und sogar mit dem Tode bestraft wurde. Doch, solche Personen gibt es und es verwundert kaum, dass diese mit der Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS) Bewegung eng verknüpft sind.

Homosexuelle werden im Iran und in Saudi Arabien zum Tode verurteilt und unter anderem an Baukränen aufgehängt. In den anderen arabischen Ländern müssen sie mindestens mit einer Gefängnisstrafe und mit Schlägen rechnen. Terrororganisationen wie die Taliban oder der IS haben ihre eigenen Methoden der Bestrafung, wie zum Beispiel das Werfen der Verurteilten von Dächern. In Gaza steht auf Homosexualität die Todesstrafe, in der Westbank ist das Leben ungleich sicherer und ein zukünftiger Palästinensischer Staat würde ebenfalls keine LGBT Rechte vorsehen. Wie unverfroren also von dem einzigen Jüdischen Staat der Welt, der LGBT Community die selben Recht einzuräumen, wie allen anderen Bürgern.

Barghouti und die globale Intifada

BR-Reporter Björn Dake traf auch Omar Barghouti in Ramallah. Barghouti ist nicht nur einer der Gründer der BDS Bewegung, er ist auch ein glühender Antisemit. Sein Ziel ist es nicht nur dem Jüdischen Staat durch Boykott Aktionen zu schaden, vielmehr will er ihn vernichten. Auf einigen Veranstaltung sprach er sich für eine „globale Intifada“ aus und sagte: „Kein Palästinenser wird jemals einen jüdischen Staat in irgendeinem Teil Palästinas akzeptieren.“ Barghouti nennt sich selbst einen Menschenrechtsaktivisten, aber verweigert Israel sein Existenzrecht und unterhält sogar Verbindungen zu Terrororganisationen. Einige BDS Mitglieder sind gleichzeitig prominente Köpfe von Terrororganisationen, wie der Hamas, des Palästinensischen Islamischen Jihad und der Popular Front for the Liberation of Palestine.

In seinem Interview mit Reporter Dake sagte Barghouti: „Eurovision in Tel Aviv während einer jahrzehntelangen Militärbesatzung ist ein politisches Statement. Es ergreift Partei für die Besatzer, nicht für die Besetzten. Eurovision wäre ja auch nicht in Südafrika während der Apartheid veranstaltet worden. Warum ist es in Apartheids-Tel-Aviv in Ordnung?“ Jeder Palästinenser der mit mir an der Tel Aviv University studiert, der in der israelischen Polizei und im Militär dient, der am Obersten Gerichtshof und in der Knesset sitzt und alle Rechte hat, wie jeder andere Israeli auch (also alle Palästinenser die in Israel und nicht in der Westbank oder in Gaza leben), würden nun wohl lautstark über diese unverfrorene und Hass verblendete Aussage lachen. Jeder Afrikaner hingegen, der tatsächlich in einem Apartheitsstaat leben musste, würde Barghouti wohl vielmehr für seine Lügen hassen, die das Leid und den Schmerz eines wahren Apartheitsregimes herunterspielen.

Im weiteren Verlauf berichtet Barghouti, dass er die Künstler des ESC, in guter alter BDS Manier, dazu aufgerufen habe, die Veranstaltung zu boykottieren. Als er auf den Antisemitismus der BDS Bewegung angesprochen wird, liefert er die ewig gleiche Leier: „BDS ist verankert in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Wir lehnen alle Formen des Rassismus ab – auch Antisemitismus. Die meisten BDS-Unterstützer in Berlin sind zum Beispiel Juden. Sie sind Teil der Bewegung, weil sie sich nicht gegen irgendjemanden wendet, sondern gegen Unterdrückung und für Menschenrechte.“ Wer einen jüdischen Staat pauschal ablehnt ist Antizionist und ein Antisemit und wer dann noch Juden ins Spiel bringt, ist schon von Grund auf ein Antisemit, da dies einfach nur aussagt: „Schaut nur, wenn selbst die Juden das sagen….“. Wie BDS in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert sein soll ist ebenfalls unklar, denn Religionsfreiheit und Gleichheit vor dem Gesetz ist bei dieser Organisation auf keinem Fall zu finden.

Eine Prise Apartheidswashing

Allein die Auswahl der Interviewpartner zeigt schon in welche Richtung der Artikel gehen soll, auch wenn der Titel: „Proteste gegen den ESC: Während Israel dem Song Contest entgegenfiebert, rufen die Palästinenser zum Boykott auf“ gleichwohl irreführend ist, denn darum geht es im Kern nicht. Statt eine Person zu interviewen, die sich gegen die LGBT+ Rechte in Israel aufregt, dem einzigen Land im Nahen Osten, das damit aufwarten kann, hätte Dake einmal die LGBT+ Community in Israel interviewen sollen, bei der die Mehrheit ihn eines Besseren hätte belehren können. Zusätzlich noch Omar Barghouti, einen Antisemiten mit Terrorverbindungen zu Wort kommen zu lassen rundet den Artikel nur ab und soll in guter journalistischer Manier natürlich eine Botschaft vermitteln. Da wir es nun die ganze Zeit mit Begriffen wie Pinkwashing zu tun hatten, würde ich dem Artikel einen anderen Titel verleihen: „Antizionismus, Antisemitismus und eine Prise Apartheidswashing“.

Über Tina Adcock

Tina Adcock ist Religionswissenschaftlerin und schreibt gerade in der Tel Aviv University an ihrer Masterarbeit für „Middle Eastern Studies“.

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