Pastor Victor Bet-Tamraz, seine Frau Shamiram und ihr Sohn Ramiel wurden im Iran verhaftet, festgehalten und im Evin-Gefängnis verhört, das für Missbrauch und Folter von Dissidenten bekannt ist. Foto Ehsan Iran - روزی روزگاری اوین - عکسها از وبلاگ خرداد 88 from Flickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11716864
Pastor Victor Bet-Tamraz, seine Frau Shamiram und ihr Sohn Ramiel wurden im Iran verhaftet, festgehalten und im Evin-Gefängnis verhört, das für Missbrauch und Folter von Dissidenten bekannt ist. Foto Ehsan Iran - روزی روزگاری اوین - عکسها از وبلاگ خرداد 88 from Flickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11716864
Lesezeit: 5 Minuten

Die Tochter eines ehemaligen Pastors im Iran – Dabrina Bet-Tamraz – beschrieb kürzlich die Verfolgung und das Leid, dem ihre Familie ausgesetzt ist, nachdem sie zu langen Haftstrafen wegen „Verbrechen“ im Zusammenhang mit dem Christentum verurteilt wurde.

 

von Uzay Bulut

Aus dem sicheren Zufluchtsort in der Schweiz, wo sie mit Hilfe von Freunden fliehen konnte, sagte Dabrina Bet-Tamraz, die Tochter von Victor und Shamiram Bet-Tamraz, dem Gatestone Institute:

„Ich wurde im Iran mehrmals verhaftet. Ich wurde bedroht und gezwungen mit der Regierung gegen Pastoren, christliche Führer und Kirchenmitglieder vorzugehen. Ich wurde ohne rechtliche Erlaubnis in Haft genommen, ohne weibliche Offiziere und in männlicher Umgebung.

„Ich fühle mich jetzt in der Schweiz sicher, aber als die iranischen Geheimdienstmitarbeiter vom MOIS (Geheimdienst der Islamischen Republik Iran) Artikel über Social Media mit meinem Foto und meiner Adresse veröffentlichten, die in der Schweiz lebende iranische Männer ermutigten, mir einen Besuch abzustatten, musste ich in ein anderes Haus ziehen.“

Es ist fast ein Jahr her, seit Dabrina den UN-Menschenrechtsrat in Genf aufgefordert hat einzugreifen, um die „falschen und grundlosen Anschuldigungen“ gegen ihren Vater, ihre Mutter, ihren Bruder und andere Christen und christliche Konvertiten im Iran aufzuheben. Der zeitliche Ablauf der Verhaftungen ihrer Familie sieht wie folgt aus:

  • Im Jahr 2014 wurde Pastor Victor Bet-Tamraz zusammen mit zwei vom Islam zum Christentum konvertierten Personen während einer privaten Weihnachtsversammlung in seinem Haus in Teheran verhaftet.
  • Im Jahr 2016 wurde Ramiel Bet-Tamraz, der Sohn des Pastors (Dabrinas Bruder), zusammen mit vier seiner Freunde, die alle zum Christentum konvertiert sind, während eines Picknicks in Teheran verhaftet. Sie wurden im Evin-Gefängnis festgehalten und verhört, das für seine Misshandlung und Folterung von Dissidenten bekannt ist.
  • Im Jahr 2017 wurden Pastor Victor Bet-Tamraz und zwei Konvertiten wegen „Missionierung“ und „illegaler kirchlicher Aktivitäten“ zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt.

Unterdessen wurde auch die Frau des Pastors, Shamiram (die Mutter von Dabrina), von der Staatsanwaltschaft im Evin-Gefängnis vorgeladen und anschliessend wegen „Mitgliedschaft in einer Gruppe zum Zwecke der Störung der nationalen Sicherheit“ und “ Zusammenschluss und Absprachen zur Begehung von Verbrechen gegen die nationale Sicherheit “ zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt.

Ihre Familienmitglieder haben alle gegen ihre Verurteilungen Berufung eingelegt. Während die Berufungen noch ausstehen, sind die Familienmitglieder derzeit auf Kaution frei und warten auf weitere Anhörungen.

Dabrina sagte, dass ihre Familie in der Schwebe lebt – was einen psychologischen und finanziellen Preis für ihr Leben und ihre Existenzgrundlage bedeutet:

„Sie versuchen zu überleben, ohne zu wissen was als nächstes passieren wird, ohne in der Lage zu sein, Pläne für ihre Zukunft zu machen. Ihr Leben ist wie auf Eis gelegt.

„Sie leben in ständiger Angst, machtlos, haben keine Sicherheit, auch nicht in ihrem eigenen Haus. Sie sind sich der Gefahren bewusst, können aber nichts tun, um sich selbst zu schützen. Sie werden beobachtet, kontrolliert und abgehört; es ist ihr Alltag. Jedes Mal, wenn sie einen Anruf erhalten, sind sie voller Angst: Es könnte sein, dass iranische Geheimdienstler sie zu einer Verhörsitzung oder einer Gerichtsverhandlung vorladen.

„Das ganze Vermögen meines Vaters wurde eingefroren. Er hat jetzt kein Einkommen und kann keine staatliche Stelle annehmen. Er ist 65 Jahre alt und lebt von einer Rente, die nicht einmal ausreicht, um für Essen zu bezahlen.

„Ausserdem wurde mein Bruder von seinen Vernehmern ständig beschuldigt, den Dienst meines Vaters weiterzuführen – die Bibel zu unterrichten und zu predigen, da mein Vater dazu nicht mehr in der Lage ist.“

Der Dienst, die Assyrische Pfingstkirche in Teheran, wurde 2009 vom iranischen Innenministerium geschlossen, weil sie Gottesdienste in persischer Sprache anbietet – etwas, was Volks-Kirchen im Iran nicht tun dürfen. Die Kirche durfte erst wiedereröffnet werden, nachdem Bet-Tamraz verdrängt und durch einen anderen religiösen Leiter ersetzt wurde, der Gottesdienste in Assyrisch hielt.

„Mitglieder der christlichen Minderheit im Iran sind mit schwerer Diskriminierung und religiöser Verfolgung konfrontiert“

Amnesty International startete eine Kampagne, um die iranische Regierung aufzufordern, die Verurteilungen und Haftstrafen von Bet-Tamraz, seiner Frau und den beiden anderen christlichen Angeklagten „aufzuheben“ und das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu achten“.

Das Assyrische Politikinstitut schickte ein öffentliches Schreiben an den Leiter der iranischen Justiz und den Generalstaatsanwalt Teherans und forderte, dass sie die Anklage gegen diese Christen fallen lassen und „die Schikanen, willkürlichen Verhaftungen und Inhaftierungen sowie die Inhaftierungen von Christen, einschliesslich Konvertiten, im Iran einstellen“.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte eine Gruppe von „Sonderberichterstattern“ der Vereinten Nationen für Menschenrechte eine gemeinsame Erklärung, in der sie den Iran aufforderten, „eine faire und transparente Schlussanhörung“ für Bet-Tamraz und die beiden christlichen Konvertierten zu gewährleisten. In der Erklärung stand unter anderem:

„Wir haben Kenntnis von mehreren anderen gemeldeten Fällen, in denen Mitglieder der christlichen Minderheit schwere Strafen erhalten haben, nachdem sie wegen „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ angeklagt wurden, entweder wegen Bekehrung von Menschen oder wegen Besuchs von Hauskirchen.

„Dies zeigt ein beunruhigendes Muster von Einzelpersonen, die aufgrund ihrer Religion oder ihres Glaubens, in diesem Fall einer religiösen Minderheit im Land, angegriffen werden.

„Mitglieder der christlichen Minderheit im Iran, insbesondere diejenigen, die zum Glauben übergetreten sind, sind mit schwerer Diskriminierung und religiöser Verfolgung konfrontiert.“

Die Geschichte der Bet-Tamraz-Familie ist Teil dessen, was die Menschenrechtsorganisation International Christian Concern als „Iran’s Terror Fabrik“ für Christen bezeichnet hat:

„Im Iran wird jede Praxis, die dem Islam widerspricht, als nationale Sicherheitsbedrohung angesehen, die vom Gerichtssystem hart bestraft wird.

„Revolutionäre Gerichte wurden geschaffen, um sich gegen alle Gefahren gegen den Islam zu schützen. Diese Gerichte haben sich zu einer gut funktionierenden Unterdrückungsmaschinerie entwickelt, die ungestraft unter staatlichem Schutz arbeitet. Die Gerichte sind eng mit dem Geheimministerium verflochten. Den Richtern stehen Revolutionsgarden (Geheimpolizei) und ein Netz von Gefängnissen zur Verfügung, in denen Christen gefoltert und verhört werden.“

Laut International Christian Concern sagte Dr. Mike Ansari von Heart4Iran, einem iranischen christlichen Pastor, über die Opfer dieses Gerichtssystems: „Wenn du widerrufst und bereust, kommst du ins Gefängnis. Und wenn du es nicht tust, wirst du getötet.“

In dem Bericht von International Christian Concern wurde ergänzt:

„Dem Strafgesetzbuch fehlt es an Leitlinien für die Justiz in Bezug auf muslimische Konvertiten. Christen können mit hohen Bussgeldern, Haftstrafen, langen Haftstrafen oder sogar Hinrichtungen nach islamischem Scharia-Recht konfrontiert werden. Die Urteile für christliche Konvertiten bleiben der Interpretation des Richters überlassen und können auf allem beruhen – der Stimmung des Richters an diesem Tag, dem, was er zum Frühstück hatte, seiner Interpretation des Scharia-Gesetzes oder seinem Hass auf das Christentum.“

Diese Situation, so Dabrina, sei für die Notlage ihrer Familie verantwortlich.

„Der Richter hat nicht einmal genug Beweise gefunden, um meine Mutter zu verurteilen. Der Fall war ihm nicht klar. Er forderte weitere Informationen und Dokumente von den Vernehmern an. Er wird höchstwahrscheinlich alle Fälle – von meinem Vater, meiner Mutter und meinem Bruder – zusammennehmen und sie alle für die nächste Gerichtsverhandlung aufrufen.“

Das Schwierige sei, sagte sie, dass noch kein Termin für die nächste Anhörung festgelegt sei.

Uzay Bulut, ist eine türkische Journalistin. Sie ist Distinguished Senior Fellow des Gatestone Institute und lebt derzeit in Washington D.C. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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